NationalmannschaftGeboren, um im November für Deutschland zu spielen?
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Löw hat seine Souveränität nicht verloren

Thomas Müller mit seiner Spitzfindigkeit und Louis van Gaal mit seinem Aggressivitätsanfall – bei beiden ging es um das gleiche Problem. Dieses Testspiel Mitte November mitten in der Bundesligaspielzeit, genau zwischen zwei Champions-League-Spieltagen, kommt vielen Spielern so gelegen wie eine echte Herbstgrippe mit Herpes. Der eine hat Magen-Darm, der andere ist erkältet oder sein Muskel zwickt. Viele Absager fehlen, weil sie überlastet sind. Geboren, um im November für sein Land zu spielen, scheint im Herbst 2012 kein Fußballer zu sein.

Van Gaal sagt, das sei "natürlich ein großes Problem". Wäre er noch Trainer eines Klubs wie Bayern München , würde er Kritiker verstehen, die den Termin abschaffen wollen. Doch als Nationalcoach sehe er seine Mannschaft nur zehn Mal im Jahr, da sei jeder Termin wichtig. Auch Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots äußerte sich kritisch über den Terminplan der Fußballverbände.

Anderer Meinung ist der deutsche Cheftrainer. Joachim Löw glaubt fest daran, dass keiner seiner Stammspieler eine Verletzung vorgeschoben hat, um pausieren zu können. Genau einen Tag konnte Löw mit den Nichterkrankten trainieren. Wie viel das vor der zweimonatigen Winterpause bringt, ist die eine Frage.
 
Die andere lautete vor diesem letzten Test des Jahres: Mit welcher Leistung verabschieden sich Löw und sein Team nach dem 4:4 gegen Schweden in die Winterruhe? Die Antworten fallen nach dem Spiel unterschiedlich aus. Einerseits ist ein 0:0 besser als ein 4:4, weil man ja kein Gegentor hinnehmen musste. Andererseits heißt 0:0 auch, dass man kein Tor geschossen hat.

Steffen Dobbert
Steffen Dobbert

Steffen Dobbert ist Redakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Im letzten Spiel des Jahres hat die Nationalelf erstmals in diesem Jahr kein Tor geschossen und viele ihrer Fans gelangweilt. Dem Bundestrainer, dem seit dem Aus im EM-Halbfinale öffentliche Wertschätzung so oft begegnet wie ein scheues Reh, stört das wenig. Kurz nachdem Louis van Gaal voller Ernst auf die verletzten Spitzenspieler im holländischen Team verwiesen hat, antwortet Löw gelassen auf alle Reporterfragen.
 
Mario Götze als Stürmer? "Das habe ich mir nicht erst heute oder gestern Nacht überlegt." Lukas Podolski nur als Ersatz-Ersatzspieler? "Seine Zeit wird 2013 wieder kommen." Erleichterung nach Wochen der Kritik? "Weiß ich nicht. Unser Spiel war gut. Wir werden weiter konsequent an der Offensive arbeiten."
 
Da kann Zlatan Ibrahimović noch im Handstand ein Tor schießen oder die Schweden einen 1:5-Rückstand aufholen – Löw hat seine Souveränität auch nach dem Länderspieljahresende und einem Nullzunull nicht verloren.

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Leserkommentare
  1. "Es gab heute viel Ballbesitz – auf beiden Seiten."
    Hat absolut das Potential zum Klassiker unter den Fußballsprüchen!

    7 Leserempfehlungen
  2. Meine Guete, man bleibe mal auf dem Teppich. Interessanterweise hat ja auch die U21 gegen die Tuerkei gespielt - 1:1. Allerdings mussten sie dabei auf 4 Akteure verzichten, die bei Löw angetanzt sind. Mit anderen Worten - Deutschland hat mit Klose, Khedira, Özil, Kroos, Schweinsteiger, Badstuber u.a. auf viele Stammspieler verzichtet und ist obendrein mit vier U21 Spielern angetreten und konnte problemlos gegen Holland bestehen ... Respekt!

    2 Leserempfehlungen
    • lxththf
    • 15. November 2012 12:52 Uhr

    es gibt eine Sache, die Sie unterschlagen und das ist die Verantwortung des 12. Mannes, also der Fans und der Medien. Was wurde nicht alles nach dem 4:4 geschrieben und dann wundern wir uns, dass viel zaghafter und ohne Risiko bei einem Spiel agiert wird, bei dem es um nichts geht? Es ist die Angst vor der Blamage, die Angst ein Tor zu kassieren, ausgekontert zu werden, dumm dazustehen und am Ende von der Presse verbal verdroschen zu werden. Dieses 4:4 hängt in den Köpfen, weil wir ewig unzufrieden sind. Das Spiel gegen Schweden war grandios und man hätte als Presse auch einfach Danke sagen könnnen für die Unterhaltung. Gleiches gilt für die EM. Bis zum Halbfinale lief es super und es wurde gelobdudelt, wie es nur ging und nach dem Aus, wurde die Keule ausgepackt. Klar muss man kritisch sein und auch ein paar Fragen stellen, aber das stehen nunmal Menschen auf dem Platz und das wird gern vergessen. Mit welchem Recht also stellen wir uns permanent hin und fordern Titel, als ob andere NMs nicht spielen können?
    Und was diesen Länderspieltermin betrifft. Sinnloser geht es nicht, weil nächste Woche um die Zeit wichtige CL Spiele auf dem Plan stehen, am We noch die Bundesliga. Der DFB sollte von seinem hohen Roß herunterkommen und gelegentlich sich mit den Klubs zusammensetzen und dann einen Kompromiss finden.
    Für die Ligen ist es auf jeden Fall nicht gut, diese Unterbrechungen, weil da viel Rhytmus verloren gehen kann. Hat mich auch zu Beginn der Saison geärgert.

    2 Leserempfehlungen
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    ;)

  3. großes Lob an die Mannschaft !

    Sie hat buchstabengetreu die Vorgaben des Trainers umgesetzt, wobei es für Hummels vermutlich äußerst schwer gewesen sein dürfte, sich zusammenzureißen und auf die weiten Pässe nach vorn weitesgehend zu verzichten.

    Man muß auch verstehen, dass eine zusammengewürfelte Mannschaft, bei der nur die Hälfte der Spieler auf gewohnten Positionen spielte, die nur eine Trainingseinheit hatte, es so vorzüglich geschafft hat, die Vorgaben des Trainers umzusetzen.

    Jedenfalls haben die Spieler es geschafft, mit ihrem disziplinierten Spiel diesen überfüssigen Kommerzkick zu karikieren.

    Warum sollen sie auch ihre Knochen riskieren, während die "Leistungsträger" des Schwedenspiels sich für die BL und die CL schonen ?

    Zwischendurch habe ich mir die Augen gerieben und geschaut, ob nicht die Bayernspieler hinten stehen-
    dieses nervende Querpassspiel kennt man sonst nur von den schlechteren Bayernspielen-
    aber nein : es waren Schalke- und BVB- Spieler, die sich hier mal völlig einig waren ;);)

    muß Satire gewesen sein !

    Eine Leserempfehlung
    • Marobod
    • 15. November 2012 14:14 Uhr

    Geboren am Montag, getauft am Dienstag, Heirat am Mittwoch, krank am Donnerstag, schlimmer wurd's Freitag, gestorben am Samstag, beerdigt am Sonntag

    So kann man scheinbar auch die Spieler der Nationalelf beschreiben wie es um ihr Spiel aussieht

  4. 6. Amen!

    ;)

    Antwort auf "@Redaktion"

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