NationalmannschaftGeboren, um im November für Deutschland zu spielen?

Im letzten Spiel des Jahres schießt die DFB-Elf erstmals kein Tor und langweilt die Fans. Vom Unsinn dieses Testspiels will Löw nichts wissen. von 

Nicht mal Marco Reus traf.

Nicht mal Marco Reus traf.  |  © Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images

Was bedeutet das jetzt, ein Nullzunull im Testspiel ? Ein Journalist will das wissen. Mit der Frage hat er auch erwähnt, dass acht deutsche und zwei wichtige holländische Spieler nicht dabei waren. Louis van Gaal , dieser große, egomanische Fußballlehrer, legt die Arme übereinander, beugt sich vor und sieht von seinem Podest-Platz herunter auf den Reporter:
 
"Zwei? Sie haben gesagt: zwei?"
 
Kurze Grummelpause.
 
"Wir hatten sechs Absagen!"
 
Als der Coach "Ich bitte sie" grollt und nachschiebt, dass er auf viele seiner besten Spieler verzichten musste, wird es ernst. In diesem Moment im Presseraum war mehr Aggressivität als im ganzen Freundschaftsspiel zuvor. Dem Coach der Holländer ist wichtig, dass er genauso ersatzgeschwächt wie das DFB-Team angetreten war.
 
Torlos endete dieses letzte Länderspiel des Jahres, für viele Zuschauer war es auch das Letzte. In der ersten Halbzeit spielte die deutsche Nationalelf besser, in der zweiten die holländische. Gut war keine Mannschaft. Ansehnlich oder spannend sah es in 92 Spielminuten nur aus, wenn sich der deutsche Adler mit gelber Riesennase und der plüschige orangene Löwe, die Maskottchen beider Teams, am Spielfeldrand auf die Schenkel klopften.
 
Nach etwa dreißig Minuten schoss Marco Reus eine Ecke. Zumindest wollte er das. Der Ball flog nicht einmal bis in den Sechzehnmeterraum, plumpste wie eine Rosine auf den Rasen. Wenige Augenblicke später wollten es die Holländer wissen, aus etwa zwanzig bis dreißig Metern schoss der Stürmer aufs Tor. Zumindest wollte er das. Der Ball driftete ab, ohne ins Seitenaus zu rollen, er leitete einen Gegenangriff für Deutschland ein. Zumindest hätte es ein Gegenangriff werden können.
 
Im Anschluss kamen solche Sätze: "Die Räume waren eng." ( Lewis Holtby ) "Es gab heute viel Ballbesitz – auf beiden Seiten." ( Philipp Lahm ) "Wir haben sehr positionstreu gespielt." ( Joachim Löw ) "Keiner wollte einen Fehler machen." ( Manuel Neuer ) Ein anderer deutscher Spieler wollte sich nach dem Schlusspfiff nicht in ein öffentliches Gespräch verwickeln lassen.
 
Thomas Müller fürchtete vermutlich, erneut Opfer seiner Ehrlichkeit zu werden. Dieser Abend in Amsterdam sei ein "klasse Länderspieltermin", auf den sich "alle freuen", hatte der Nationalspieler am Wochenende gesagt. Und mit Ironie, die schwer zu überhören war, fortgeführt: "Da werden wir mit voller Leidenschaft unser Land vertreten und werden das tun, wofür wir geboren wurden: für Deutschland Fußball zu spielen." Genau so hat es dann auch ausgesehen.

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