HSV – Bayern MünchenDie Stewardessen lächeln Heynckes über die Schulter

Live-Übertragung in 200 Länder, mehr als 180 Reporter aus der ganzen Welt: Wie Bayerns Sieg in Hamburg zum Spektakel wurde. von 

Thorsten Fink (links) und Jupp Heynckes auf dem Weg durch die Mixed Zone zur Pressekonferenz

Thorsten Fink (links) und Jupp Heynckes auf dem Weg durch die Mixed Zone zur Pressekonferenz  |  © Christian Charisius, DPA

So ein Fußballspiel endet ja nicht nach 90 Minuten. Die Fans fangen dann erst richtig an zu trinken. Die Spieler laufen eine Stadionrunde, zumindest einige. Andere oder fast alle lassen sich fotografieren und interviewen. Nach dem Abpfiff weiß jeder, wie gut oder schlecht die Mannschaften gespielt haben. Waren ja alle dabei. Aber die Fußballer und Trainer müssen es trotzdem noch mal sagen.

Deshalb sitzt Jupp Heynckes da vorne. Fünf Kameras haben den Coach des FC Bayern fokussiert. Pressekonferenz. Etwa drei Dutzend Reporter schauen auf den 67-Jährigen, der im Scheinwerferlicht meist errötet. Er erzählt vom guten Stellungsspiel seines Teams, von der Qualität des gesamten Kaders. Als der Analytiker seine Erklärungen mit der Formulierung "das war allererste Sahne" beschließt, haben die Stewardessen hinter seinem Rücken drei Minuten ununterbrochen gelächelt.

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Man kann sich das so vorstellen: Im Raum der Pressekonferenz, etwa so groß wie ein Sechzehnmeterraum, gibt es eine Bühne, etwa so groß wie ein Fünfmeterraum. Auf der Bühne sitzen der Trainer des HSV, der Pressesprecher des HSV und Jupp Heynckes am Tisch, von links nach rechts. Hinter den drei Männern sind alle Sponsoren des HSV an eine Wand, etwas größer als ein Fußballtor, gemalt.

Weil der Premiumsponsor des Fußballvereins eine arabische Fluggesellschaft ist, stehen heute noch zwei junge Frauen im Stewardesskostüm auf der Bühne, mit Hütchen. Seit die Pressekonferenz, Kenner nennen sie PK, begonnen hat, sind die Stewardessen da. Sie bewegen sich nicht. Sie sagen nichts. Sie machen nichts. Stehen da und lächeln, ohne Pause.

Fink fasst sich kurz

Nachdem Heynckes erklärt hat, wieso er und seine Spieler heute so gut waren, soll der Trainer des HSV erzählen, weshalb er und seine Spieler heute so schlecht waren. Thorsten Fink, eine Generation jünger als Heynckes, fasst sich kürzer. Er sagt, in den ersten 20 Minuten habe sein Team das gemacht, was er ihnen gesagt hatte. Danach hätten die Spieler jedoch aufgehört Fußball zu spielen. Die Stewardessen lächeln, jetzt seit viereinhalb Minuten.

Das Spiel des FC Bayern in Hamburg am Samstagabend war eine von neun Partien an diesem Spieltag, eine von 306 Begegnungen in dieser Saison. Dennoch war es für viele ein besonderes Spiel. 57.000 Menschen wollten im Stadion sehen, wie der beste gegen den ältesten Bundesligisten antritt. In 200 Ländern der Erde wurde das Topspiel der Bundesliga live gezeigt. Neben dem Feld filmten mehr als 40 Fotografen und Kameramänner. Auf der Pressetribüne saßen 180 Reporter und Kommentatoren aus Deutschland, Lettland , China , den Niederlanden , Frankreich und der Türkei . Vielen weiteren Journalisten musste die Pressestelle des Vereins aus Platzgründen absagen.

Es scheint, als sei der Fußball den Menschen so wichtig wie nie zuvor . Millionen reißen sich darum, die Tore ihrer Idole zu sehen. Die Stadien der Bundesligisten sind seit Jahren fast immer ausverkauft. Die Quote stimmt.

Leserkommentare
    • cirkus
    • 04. November 2012 10:51 Uhr

    und so wird aus der ehemals schönsten Nebensache der Welt eine unschöne Hauptsache. Dieselben Damen grinsten schon im Spalier als Italien die WM gewann (sorry den FIFA World Cup (TM)), und der Pokal einer Louis Vuitton Kiste entnommen wurde.

  1. dass immer nur die bösen und gefährlichen Nachrichten die Schlagzeilen beherrschen. Da lobt man sich doch DIE ZEIT wo das Lächeln von ein paar dekorativen Stewardessen noch eine dicke Headline wert ist. Auch Uli Hoeness dürfte gelächelt haben. Ist es doch gelungen, einen PR-Artikel für den FC Bayern in die Zeitung zu schleusen. Die Waffen der Frauen sind anscheinend immer noch die erfolgreichsten auf der Erde, danach folgen irgendwann gnadenlose Schüsse auf das Tor des Gegners von Schweinsteiger und Co. Die Welt ist in Ordnung.

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    Leider Nein...
    Emirates ist Sponsor des HSV.. die Bayern machen für Lufthansa Werbung.. daher... war Uli vermutlich traurig ob des "falschen" Lächelns.

  2. Leider Nein...
    Emirates ist Sponsor des HSV.. die Bayern machen für Lufthansa Werbung.. daher... war Uli vermutlich traurig ob des "falschen" Lächelns.

  3. Die Damen nennen sich jetzt Flugbegleiterinnen.

    "Stewardess" gilt heutzutage als fast so perjorativ-sexistisch wie "Saftschubse".

    Na ja, Sportredaktionen halt...

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    Redaktion

    Arma Virumque, woher wissen Sie eigentlich, wie sich die beiden Damen nennen? Waren Sie gestern auch in Hamburg im Stadion? Mir haben sie erzählt, dass sie Stewardessen sind. Deshalb steht das im Text.
    Verärgerte und politisch unkorrekte Grüße aus der Redaktion

    • Handryk
    • 04. November 2012 19:36 Uhr
    5. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jz

  4. Redaktion

    Arma Virumque, woher wissen Sie eigentlich, wie sich die beiden Damen nennen? Waren Sie gestern auch in Hamburg im Stadion? Mir haben sie erzählt, dass sie Stewardessen sind. Deshalb steht das im Text.
    Verärgerte und politisch unkorrekte Grüße aus der Redaktion

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    Wenn jemand für sich selbst eine seit Jahren veraltete Berufsbezeichnung verwendet, würde manchen Journalisten allerdings der Verdacht kommen, daß es sich dabei um freie Mitarbeiterinnen von einer Event-Agentur handelt, die man für den Anlaß in Emirates-Uniformen gesteckt hat. Typischer Studentenjob. Ein Feld für investigativen Journalismus?

    Amüsierte Grüße vom ansonsten sehr geneigten Leser.

  5. Wenn jemand für sich selbst eine seit Jahren veraltete Berufsbezeichnung verwendet, würde manchen Journalisten allerdings der Verdacht kommen, daß es sich dabei um freie Mitarbeiterinnen von einer Event-Agentur handelt, die man für den Anlaß in Emirates-Uniformen gesteckt hat. Typischer Studentenjob. Ein Feld für investigativen Journalismus?

    Amüsierte Grüße vom ansonsten sehr geneigten Leser.

    Antwort auf "Korrekt"
    • immobel
    • 05. November 2012 0:04 Uhr

    Guter Artikel, aber noch besser ist mancher Kommentar hier. [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

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  • Schlagworte Bayern | München | Jupp Heynckes | Arjen Robben | Bundesliga | Fußball
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