Nationalmannschaft : Löw braucht den BVB

Zweifel an der Mentalität der Mannschaft, Zweifel am Coach – 2012 hat sich die Stimmung gegen das DFB-Team gedreht. Joachim Löw kann daraus lernen.
Joachim Löw sieht sich einer neuen Situation ausgesetzt. © Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images

Heute vor einem Jahr gewann die DFB-Elf in einem Testspiel gegen Holland 3:0. So gut habe eine deutsche Nationalmannschaft seit vierzig Jahren nicht mehr gespielt, schwärmten Fans und Presse . Das 0:0 in Amsterdam ein Jahr später verursachte bei vielen Begleitern Ernüchterung, obwohl die Mannschaft ersatzgeschwächt war, obwohl ein Unentschieden in Amsterdam ein gutes Ergebnis ist.

Die Stimmung nach dem letzten Spiel des Jahres ist bezeichnend, denn sie hat sich gegen die Nationalmannschaft gedreht. Bis vor einem halben Jahr galt sie als Vorreiter und Ideengeber des deutschen Fußballs. An den Turnieren 2006, 2008 und 2010 gelangen ihr Platzierungen über den Erwartungen, teilweise deutlich. Zudem verfeinerte sie unter Joachim Löw ihr Spiel zunehmend.

Der Bruch erfolgte in diesem Juni, bei der EM 2012 schied sie als Mitfavorit im Halbfinale aus. Es war nicht nur die Niederlage, sondern auch die leblose Art, die anhaltenden Zweifel verbreiteten. Zweifel an der Mannschaft und ihrer Siegermentalität, Zweifel an ihrem Fußballlehrer Joachim Löw, dem gegen Italien ein entscheidender Coaching-Fehler unterlief.

In die jüngste Zeit fallen auch andere Bei-Spiele, die den Eindruck verstärken, dass die Mannschaft Rückschritte geht. Vier Niederlagen in einem Jahr, mehr gab es unter Löw nie. Zudem werfen die vielen Gegentore, fünf gegen die Schweiz , vier gegen Schweden , drei gegen Argentinien , die Frage auf, ob die Mannschaft die deutsche Grundtugend, das Verteidigen, beherrscht – und ob sie dem Trainer wichtig ist.

Nicht nur wegen dieser Bedenken findet sich Löw in einer neuen Situation wieder, denn seine Aufgabe hat sich geändert. Die deutschen Vereine haben elf Jahre keinen internationalen Titel geholt, das ist eine rekordhafte Durststrecke. Auf dieses Defizit konnte Löw stets verweisen, doch inzwischen scheinen auch andere deutsche Teams als Bayern München in Europa konkurrenzfähig, allen voran Borussia Dortmund .

Doch den BVB hat Löw noch nicht integriert. Weder die Spieler wie das Großtalent Mario Götze noch das Prinzip des Dortmunder Fußballs: Tempo, Laufen, Gegenpressing. Zudem ließ sein Affront gegen Marcel Schmelzer, den er öffentlich kleinredete, einen Konflikt mit dem Deutschen Meister zu Tage treten.

Natürlich darf ein Bundestrainer seine eigenen Ideen umsetzen und muss nicht immer nur auf den Vereinsfußball reagieren. Aber die Bundesliga bietet Löw längst von (mindestens) zwei Orten, München und Dortmund, Substanz für die internationale Klasse. Wenn er verloren gegangenen Kredit mit einer erfolgreichen WM 2014 zurückerobern will, sollte er die beiden Faktoren künftig besser mischen. Gelingt ihm das, schafft er es, aus dem Jahr 2012 die richtigen Schlüsse zu ziehen, könnte 2013 wieder geschwärmt werden.

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Kommentare

47 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Bei dem Spiel gegen die Schweiz

bestand doch fast die Hälfte der NM aus BVB-Spielern - außer dem Torhüter Ter Stegen. Ergebnis ist ja bekannt, haben Sie ja auch selbst genannt. Also nur der BVB kann's nun wirklich nicht sein. Auch nicht nur Bayern. Sondern eine gut aufeinander abgestimmte Kombination.

Ich bin schon ein wenig erstaunt....

..wie dauerhaft und heftig die Kritik an Löw seit dem verlorenen EM-Halbfinale ist. Denn sie ist meines Erachtens oftmals unberechtigt, bzw. speist sich aus überzogenen Erwartungen an die deutsche Mannschaft.
Nimmt man die nur letzten 2 Spiele, so lässt sich doch folgendes festhalten: Die Deutschen haben die Schweden (die gestern souverän die Engländer geschlagen haben) bis zur 60. Minute "hergespielt" wie es z.Zt. sonst weltweit nur noch vielleicht die Spanier vermögen. Danach haben sie 4 Tore durch 4 Torchancen kassiert, die Schweden waren aber auch ab der 60. nicht das bessere Team, sie haben mit dem Mut der Verzweiflung nach vorne gespielt und sind belohnt worden. Hätte nicht passieren sollen, ist es aber und das wird dem deutschen Team nicht wieder passieren.

Zum gestrigen Spiel: Auch wenn es der erwartbar langweilige Kick war, waren die Deutschen jederzeit Herr der Lage, dass ein holländisches Team dermaßen mauert, hat es meines Wissens noch nie gegeben.

Selbstverständlich hat Löw nunmehr Spieler, die er auch der um die Jahrtausendwende gestarteten Jugendförderung des DFB verdankt, aber man muss diesen Spielern auch vertrauen und sie einsetzen und das tut Löw.

Nehmen wir als Beispiel das WM-Team 1990 das m.E. individuell noch stärker besetzt war als die heutige Mannschaft und so gut wie nie attraktiven Fußball gezeigt hat.

Zu guter Letzt: Wer, wenn nicht Löw, wäre geeigneter? Ich sehe außer Klopp niemanden und der wird es (jetzt noch) nicht machen.

.....

Die Riege der Kritiker setzt sich aus zwei Strömungen zusammen: Die, die nur der int. Titel interessiert und denen, die die Art und Weise des Ausscheidens 2010/2012 sauer aufstößt.
Einen Titel kann man nicht erzwingen. Aber wie man sich in den Finalrunden jeweils gegen Spanien und Italien präsentiert hat war viel zu wenig. Gegen Spanien ist eine Niederlage sicherlich keine Schande, aber man hat sich flott komplett in sein Schicksal ergeben. Da war keinerlei Gegenwehr zu sehen. Aber ok, da begann der "Stern" ja erst aufzusteigen.
Zwei Jahre später stehst du gegen Italien wieder im Halbfinale und lieferst eine desolate Leistung ab. Dass die Italiener nicht 4:1(=Ehrentor) gewonnen haben ist wirklich alles. Und Löw, der mit seinen genialen taktischen "Geistesblitzen" mehr als ordentlich dazu beitrug, fällt nichts anderes ein als nach Schlusspfiff auf den Spielern rumzuhacken. Die "Verantwortung übernehme er" sagte Löw später. Das stellte sich aber nur als leere Phrase heraus, denn Fehler hat er mW keine zugegeben. Wenn er wirklich Rückgrat hätte, dann würde er die Konsequenzen aus diesen ziehen und zurücktreten.
Wieso er das nicht tut liegt vllt daran, dass er nicht als NM-Trainer in Erinnerung behalten werden will, der es "geschafft hat mit dieser Generation titellos zu bleiben". Ich bin gespannt, ob man Löw nochmal als Vereinstrainer zu sehen bekommt. Dann wird nämlich seine fehlende Klasse zum richtigen Toptrainer auffallen. Natürlich Spekulation, aber meine Meinung.

Nachtrag

"Zu guter Letzt: Wer, wenn nicht Löw, wäre geeigneter? Ich sehe außer Klopp niemanden und der wird es (jetzt noch) nicht machen."
Damit mögen Sie nicht ganz unrecht haben, aber wie oft ist diese Frage in der Vergangenheit schon gestellt worden und man fand am Ende doch noch einen "Jemand"?
Slomka wäre ein mE ein Kandidat. Ob er überhaupt Interesse hätte weiß ich natürlich nicht, aber mit ihm könnte man es zumindest ruhigen Gewissens "probieren".

Durchaus treffend Ihre Analyse der Kritikertypen

...aber das Italienspiel sehe ich schon etwas anders. Zwar haben die Italiener durchaus verdient gewonnen, weil sie cleverer agiert haben und, ja, sie hätten auch noch deutlich höher gewinnen können, als die Deutschen hinten aufgemacht haben, aber wenn Buffon sich den Ball in der Anfangsphase selbst ins Tor legt (und dass dies nicht geschah war reines Glück) dann, da leg ich mich fest, verliert Italien dieses Spiel und Löw hätte alles richtig gemacht. Ich glaube, Löw fühlt sich zutiefst ungerecht behandelt, weil seiner Meinung nach dieses Halbfinale nicht wegen seiner fragwürdigen Aufstellung verloren wurde, sondern durch 2 katastrophale individuelle Fehler durch Hummels/Badstuber bzw. Lahm. Und, bei aller Kritik an Löw, man KANN das so sehen. Oder eben auch ganz anders. Die Deutschen standen gegen Italien jedenfalls nicht wie noch 2 (oder auch 4) Jahre zuvor gegen Spanien wie die Schlange vor dem Kaninchen, diesmal war es also nicht überzogene Demut die zur Niederlage führte, das Ausscheiden hatte andere Gründe.

Ich weiß auch nicht, ob Löw nochmal als Vereinstrainer tätig wird, gehe aber davon aus, da er aller Wahrscheinlichkeit nach nach der WM 2014 so oder so als Trainer der NM aufhören wird (oder aufgehört werden wird). Ob er dann ein guter Trainer sein wird, bleibt abzuwarten, auf jeden Fall ist er ein großer Theoretiker des Spiels. Aber wichtig is' halt auffem Platz.

Tja...

...Fussball ist eben kein "Hätte, Wäre" etc. Vielleicht wäre das Spiel anders ausgangen. Den Italienern spielt eine Führung sicher mehr in die Hände als den meisten anderen Teams. Nebenbei, wenn England 2010 nach 0:2 Rückstand den Ausgleich (Lampard) zugesprochen bekommen hätte, wäre der Spielverlauf auch ganz anders gewesen. Nach einem Achtelfinalaus hätte das dann alles ganz anders ausgesehen. Ist es aber nicht.
Zu Slomka. Ich denke die meisten dt Fans würden ihn begrüßen. Er hat zwar bisher keine Titel gewonnen (was ihm dann tatsächlich von einigen vorgeworfen werden könnte), hat aber nicht nur bei Hannover exzellente Arbeit geleistet (kaum überzubewerten), sondern war bei Schalke auch schon erfolgreich (Vize, CL-Viertelfinale). Man hat ihn aber vom Hof gejagt, weil er den Vereinsbossen zu bieder und sein System angeblich nicht attraktiv genug war.
Ob bei Slomka alles anders aussehen würde ist natürlich fragwürdig. Aber einen Versuch wäre es wert.

Was für ein Artikel..

1. Gestern spielten Hummels, Götze, Gündogan, Reuss. Sind das Bayern Spieler?

2. "Die Stimmung nach dem letzten Spiel des Jahres ist bezeichnend, denn sie hat sich gegen die Nationalmannschaft gedreht." Ich mache Sie dafür mitverantwortlich!

3. "Zweifel an der Mannschaft und ihrer Siegermentalität, Zweifel an ihrem Fußballlehrer Joachim Löw, dem gegen Italien ein entscheidender Coaching-Fehler unterlief" Ich frage mich, welches Motto hier vorliegt? Einfaches Nachplappern von dem, was Journalisten ohnehin schon von sich gegeben haben? Außerdem: Wer spielt den Fußball? Der Trainer?

4. "[...] die deutsche Grundtugend, das Verteidigen [...]" Das ist/war die des italienischen Fußballs.

5. "könnte 2013 wieder geschwärmt werden." Sie können heute schon damit anfangen. Bspw indem sie: "Das 0:0 in Amsterdam ein Jahr später verursachte bei vielen Begleitern Ernüchterung, obwohl die Mannschaft ersatzgeschwächt war, obwohl ein Unentschieden in Amsterdam ein gutes Ergebnis ist." dies aufgreifen und positiv ausarbeiten.

Substanz?

@JB97

Zu 3: Ich fand die Aufstellung gegen Italien fatal, fast eitel. Das brauche ich niemandem nachplappern.

Zu 1: Das Spiel gestern zählt für mich nicht, das war unbedeutend. Sehen Sie das anders? Ich halte Ihren Einwand daher für nicht substanzvoll.

Zu 2: Danke, dass Sie mir so viel Macht zutrauen. Ich fürchte, Sie überschätzen mich.

@wawerka: Ich bin ja gar nicht der Meinung, dass Löw gehen sollte. Aber so sicher wie früher bin ich mir nicht mehr.

Naja,

nach der gestrigen Vorstellung würde ich sagen, für das Spiel hätte es einen Özil, Khedira, Schweinsteiger, Kroos, Klose, Gomez, Badstuber und Boateng gebraucht. 5 davon spielen beim Fc Bayern, der Fc Bayern, der zur Zeit richtig aufdreht. Aber Jogi Löw kann, ja nichts dafür, wenn die 8 tollen Spieler verhindert sind. Das Spiel hat gezeigt, dass eine deutsche B-Mannschaft gegen eine Niederländische Mannschaft, in ihrer Orientierungsphase, immerhin 0:0 spielen kann. Ja, dafür hat es die jungen Burschen vom BVB wirklich gebraucht.

Ach und wenn das Spiel gestern für die Redaktion nicht zählt, weil es unbedeutend war, warum dann dieser unbedeutende Artikel?

@OliFritsch

Ich kann Ihre Kritik an Löw durchaus nachvollziehen, meine Kritik bezieht sich ganz allgemein auf die mediale Kritik an Löw.

Löw hatte schon vor der EM ein paar erwähnenswerte Schwächen (z.B. seine mangelnde Wertschätzung des Trainierens von Standardsituationen),nur kommt es mir inzwischen vor, als kippe die damalige Zurückhaltung jetzt ins absolute Gegenteil und es wird jede Kleinigkeit zur mittleren Katastrophe aufgeblasen.

Ich persönlich wünsche mir, dass Löw bleibt und zwar als starker Trainer, der sich nicht dauernd für jede Personalentscheidung rechtfertigen muss, was selbstverständlich nicht bedeutet, dass man ihn gar nicht kritisieren darf. Nur frage ich mich nach Spielen wie gegen Schweden, warum der Trainer zwar für den "Zusammenbruch" nach der 60. Minute verantwortlich gemacht wird, für den Zauberfußball der bis dahin gezeigt wurde, allerdings nicht.

Und auch nach dem gestrigen Spiel gegen einen tatsächlich "Großen" im Weltfußball wird das zugegebenermaßen langweilige Spiel der Deutschen medial zerlegt, dass der Gastgeber entgegen seiner "Tradition" alle Energie darauf verwendet hat, das Spiel zu verhindern, wird dagegen kaum erwähnt.

Zu guter Letzt: Mich stört die naive Erwartung, wenn Löw durch einen anderen Trainer abgelöst würde, bliebe alles, was er "erschaffen" hat, erhalten und nur die Defizite würden abgeschafft. Dem ist aber nicht so und ich habe Sorge, dass der frühere Rumpelfußball wiederkehrt. Mit "echten Kerlen". Die die Hymne mitsingen. O Gott!

Das halte ich für unbegründet

"...dass der frühere Rumpelfußball wiederkehrt..."

Beinahe jede Bundesligamannschaft bemüht sich um attraktiven Fußball. Ob Freiburg, Frankfurt oder Hannover, beinahe alle Mannschaften wollen Spiele gewinnen und nicht nur Niederlagen verhindern. Und diese Mannschaften haben doch auch (deutsche) Trainer.

Ich kann nicht verstehen, warum man in Löw eine Art Messias sieht. Keine Frage, die deutsche Mannschaft spielt gegen nominell schwächere Mannschaft häufig sensationell gut. Aber wenn es drauf ankommt, versagt die NM häufig.

Neben Löw gibt es eine ganze Reihe guter deutscher Trainer, ich kann nicht verstehen, warum man nach einem möglichen Ende der "Ära" Löw davon ausgeht, dass kein attraktiver Fußball mehr gespielt werden würde.

Veh und Streich scheiden schon mal aus...

...die sind beide medial kaum bzw. gar nicht vermittelbar. Das, was an Veh jetzt knorrig und an Streich originell wirkt, wird unter der Lupe der Nationaltrainerbetrachtung grotesk vergrößert und dann zerrissen werden.

Dazu kommt: Weder Veh noch Streich lassen einen großartig anderen Fußball spielen als Löw das tut. Was machen sie besser? Was qualifiziert sie in größerem Maße?

Slomka würde ich das tatsächlich zutrauen, allerdings wird bei den ersten Misserfolgen auch ihm entgegengehalten werden, dass er ja als Vereinstrainer "noch nie was gewonnen habe".

" Keine Frage, die deutsche Mannschaft spielt gegen nominell schwächere Mannschaft häufig sensationell gut.

Nein, die deutsche Mannschaft spielt auch gegen starke Mannschaften gut. Problem ist immer nur: Wenn die Deutschen wie bei der WM 2010 erst England und dann Argentinien höchst beeindruckend aus dem Turnier kegeln, dann waren die Gegner auf einmal "doch nicht soooo gut".

"Aber wenn es drauf ankommt, versagt die NM häufig."

Eigentlich nicht: Es gab in den entscheidenden Momenten 3 Niederlagen, zwei davon gegen Spanien, die mehr als verdient waren, weil der Gegner einfach viel besser war. Bleibt die Niederlage gegen Italien bei der EM, die tatsächlich unnötig war. Von häufigem "Versagen" kann man da kaum sprechen.

Zugegeben,...

...Löw kurzfristig zu ersetzen, wäre nicht ganz einfach. Für unmöglich halte ich es aber nicht.

Ich stimme Ihnen aber zu, dass sich bis zur WM vermutlich nichts ändert. Löw wird bis mindestens 2014 Trainer bleiben. Sollte er den Titel gewinnen, könnte er vielleicht noch versuchen, die EM zu gewinnen, sollte er wieder scheitern, war's das wohl für ihn.

Ob Löw die Chance hat, den Titel zu gewinnen, hängt aus meiner Sicht auch davon ab, ob er bereit ist, das System etwas zu modifizieren. Etwas mehr Augenmerk auf die Defensivarbeit täte dem deutschen Spiel gut. Das muss ja nicht unbedingt auf Kosten der Attraktivität gehen.
Ich bin der Meinung dass zuviel ähnliche Spielertypen im Kader sind. Die Nominierung Neustädters, wenn sie denn von Dauer wäre (was ich nicht glaube), könnte da schon ein wenig helfen, weil Neustädter wesentlich defensiver agiert als z.B. Kedhira oder Schweinsteiger.
Und ich hätte auch nichts gegen ein paar "echte Kerle" in der Mannschaft einzuwenden, weil unterschiedliche Spielertypen auch mehrere taktische Möglichkeiten schaffen. So bieten sich je nach Gegner und Spielsituation zusätzliche Optionen.

Nur nach allem was man von Löw hört, will er weitermachen wie bisher. Und das lässt mich am Titelgewinn 2014 zweifeln.

Die Stimmung ist ernüchtert

Ich denke, dass sich einige Fans der neuen deutschen Mannschaft einfach etwas enttäuscht fühlen. Mir geht es auf jeden fall so, dass ich begeistert von den Talenten bin und viel erwartet habe oder noch erwarte. Wahrscheinlich ist ein bisschen weniger Euphorie sprich Nüchternheit gar nicht mal so schlecht. Dass sich die "Jogi macht alles richtig" -Stimmung vor der em und auch währenddessen musste spätestens nach dem Spiel gg Italien hinterfragt werden. Denn, und da stimme ich Herrn Fritsch voll zu, was sich Herr Löw taktisch gegen Italien geleistet hat, und somit hat der Trainer wirklich gewissen Einfluss auf das Spiel, war eitel und überheblich. Wenn Herr Löw Kritik annehmen und an sich arbeiten würde, dann könnte er auch mit dieser hichveranlagten Mannschaft die spitze erreichen. Aber wird sich jeder in der Mannschaft für einen Trainer, der im zwischenmenschlichen (Ballack, Schmelzer, Wiese...) Schwächen offenbart, im entscheidenden Moment zerreißen?

Hmmmm

Zu 3: Ich fand die Aufstellung gegen Italien fatal, fast eitel. Das brauche ich niemandem nachplappern.

Fatal war sie, da ist die Fachwelt sich einig und das weiß auch Löw. Eitel war sie höchstens deshalb, weil sich Löw wohl gegen Wiederstände und andere Meinungen im eigenen Trainerteam durchgesetzt hat, aber letztlich trägt er ja nun auch die Verantwortung.
Fatal war eher der Umstand, dass er mit der Aufstellung übermäßigen Respekt vor den Italienern gezeigt hat, was ich eher als psychologisches Problem sehe. Ein neues System halte ich für eine Mannschaft, die in der Favoritenrolle war und eine bis dahin gute EM gespielt hat, für kontraproduktiv, da man die Spieler zum Nachdenken bringt, was hier wohl eher gehemmt hat. Also eher das Gegenteil von Eitelkeit, da dies ja auch Überheblichkeit und zu großes Selbstbewusstsein suggeriert. Mein Urteil: Die Aufstellung war zu ängstlich.

Zu 1: Das Spiel gestern zählt für mich nicht, das war unbedeutend. Sehen Sie das anders? Ich halte Ihren Einwand daher für nicht substanzvoll.

D´accord

Zu 2: Danke, dass Sie mir so viel Macht zutrauen. Ich fürchte, Sie überschätzen mich.

Ich denke man traut nicht Ihnen so viel Macht zu, sondern ihnen, also "den Medien" ;-)

Naja...

...kann man auch anders sehen. Oft genug hat das Team auch mit 7 Bayernspielern absoluten Käse abgeliefert.

Ich vermute das Problem woanders. Löw gelingt es nicht, aus den beiden wichtigen Elementen, BVB und dem FC Bayern, eine echte Mannschaft zu bilden.
Wenn 7 Bayernspieler auf dem Platz stehen, läuft das Spiel oft an den wenigen restlichen BVB Akteuren vorbei. Wenn, wie geschehen, mehr BVB Spieler auf dem Platz stehen, werden diese in eine Art "Bayern-Spiel-Korsett" gesteckt. In die Breite, langsam, behäbig, gern mal hintenrum. Auch das kann nicht funktionieren.
Die Verantwortung hat der Trainer. Wird er aber nicht bis 2014 lösen können. Dann ist aber der Drops gelutscht.
Ich denke, Löw geht dann als Jupp-Nachfolger nach Bayern (hi, hi ) und versucht sich wieder als Vereinstrainer.

Wie schön, dass es endlich einmal persönlich wird..

Vielen Dank, dass sie meinen Kommentar nicht gelöscht haben - eigentlich hätte ich dies erwartet.

Was genau meinen sie mit "Substanz" bzw. der "Substanzlosigkeit" meiner Kritik an ihrem Artikel? Warf ich ihnen etwaige vor - oder beschränkte sich meine Kritik nicht lediglich auf meinrseits diskussionswürdige Aspekt des Artikels? (ich bitte um Vorsicht: dies ist eine rhetorische Frage!)

Wirkliche Antworten auf meine Kritik, hätten mich mehr erfreut als ihre Reaktion, nämlich Kritik an meiner Person. Ich könnte jetzt auf sie reagieren, aber wie heisst es so schön:

1. Getroffene Hunde bellen.
2. Der klügere gibt nach.

Mit den besten Grüßen und der Hoffnung auf einen Weltmeisterschaftstitel unter Löw (denn dieser hat ihn verdient!),

Ihr JB97

Sie Freund

des Herrn Fritsch, danke für ihren kostruktiven Kommentar.

Erwartet habe ich, dass mein Kommentar gelöscht wird, das haben sie als interessierter Verfolger unseres Kommentaraustausches doch sicherlich auch gelesen!?

Das "Eingehen", von dem sie hier beginnen zu sprechen, scheint mir doch eher eine Frage der Perspektive zu sein. Die Perspektive, von der aus sie beginnen, sich kund zu tun, scheint mir hierbei mehr als deutlich zu werden und wurde in meiner Überschrift zum Ausdruck gebracht.
Mehr als diese Feststellung kann ich ihrem Kommentar nicht entnehmen.

Einen schönen Tag wünscht ihnen freundlich, ihr
JB97

Viele "Begleiter" sind einfach überheblich

Früher hätten sie sich die Finger danach geleckt, einer großen Mannschaft ein Unentschieden abzuringen. Heute murren sie, weil die deutsche Mannschaft nicht Europameister geworden ist, wie sie das ja ihrer Meinung nach hätte werden müssen. Als spielten da nicht auch eine ganze Reihe anderer hochklassiger Mannschaften um den Titel, darunter das nun einmal bärenstarke Spanien.

Ich kann mich noch sehr gut an das elende Geholze vor zehn Jahren erinnern. Damals habe ich mich geschämt - gestern habe ich bloß gelangweilt, weil es nicht so spektakulär war wie vor ein, zwei Jahren.

Fußball-Deutschland (und gerade diese "Begleiter" von und in den Medien) sollten ihre Überheblichkeit abstellen und anerkennen, dass man gegen die Niederlande nicht immer 3:0 und höchst unterhaltsam gewinnen kann. Außerdem war es ein Testspiel, das niemanden ernsthaft interessierte, weil sie alle in Gedanken in der Bundesliga und in der CL sind.

Die alte Leier

Dieses "Früher" ist aber eben inzwischen auch schon ein Jahrzehnt her. Die Erwartungshaltung ist mit der Qualität in der Mannschaft gestiegen. Auf dem Papier hat das Team das Zeug dazu, mehr zu holen - das hat sich auch bei der EM angedeutet, in der Quali zuvor sowieso.

Dass die Erwartungshaltung nur von den Medien gepusht und umgedreht jetzt schlechte Stimmung herbeigeschrieben wird, greift zu kurz. Nach 2008 und 2010 schien die Mannschaft jetzt reif. Einziger Gegner, vor dem man sich wirklich fürchten musste war Spanien.

Die Fallhöhe war also enorm vor dem Italienspiel, bei dem die Mannschaft völlig von der Rolle war. Dieses Auftreten führt nun eben auch dazu, dass Löw hinterfragt wird - ohne dass gleich sein Kopf gefordert wird. Aber man sieht nun eben Einiges kritischer.

Dass das 0:0 von gestern abend nicht das Ende der Welt bedeutet, ist klar. Das Spiel war m.E. besser, als es von einigen gemacht wird. Aber was war das gegen Schweden? Was passierte in der Schweiz? Irgendwo ist der NM die Souveränität abhanden gekommen. Und das sorgt für Unmut. Weil es diese Mannschaft besser kann. Und weil das auch jeder weiß.

Ja, diese Leier ist wirklich steinalt

Jeder wünscht sich die Dominanz zurück, die wir bei der WM 2010 oder bei der EM-Quali erlebt haben. Aber selbst beim sensationellen Unentschieden gegen Schweden hat die deutsche Mannschaft die meiste Zeit über sicher gespielt. So ärgerlich der anschließende plötzliche Blackout war, so wenig sagt das Spiel über die Qualität der Menschen aus. Das ungeliebte Testspiel gegen die Niederlande, bei dem sich niemand zu sehr in den Dreck werfen wollte, weil wichtigere Spiele anstehen, schon mal gar nicht. Die Ergebnisse der letzten Jahre sprechen für Löw, und wer Alternativen kennt, nicht nur personelle zum Bundestrainer, sondern auch spielerisch, der mag seine Weisheit teilen.

Davon liest man allerdings erstaunlich wenig. Was sich breitmacht, ist eher ein diffuses Unwohlsein, das wenige in präzise Worte fassen können. Ein Gefühl: "Wir könnten doch eigentlich besser sein, den Titel hätten wir uns verdient, wir haben so viele gute, junge Spieler!", aber andere Mannschaften sind auch gut, titelwürdig und jung.

Wir liegen gar nicht soo weit auseinander, wie Sie glauben!

Im Grunde haben Sie ja recht: Das Spiel gegen Schweden war lange souverän, soweit ich weiß (konnte es leider nicht selbst verfolgen,insofern bin ich auf Berichte aus Medien und von Bekannten angewiesen). Aber als es darauf ankam, einen 4:0-Vorsprung über die wenige noch verbliebene Zeit zu retten, hat man das nicht geschafft. Warum?

Die möglichen Antworten darauf können nur genau so diffus sein, wie das Unwohlsein, das Sie zitieren. Viele Löw-Kritiker fragen sich: Ist die NM nun so gut, weil Löw sie trainiert - oder ist Löw nur so erfolgreich, weil er das Spielermaterial hat? Ich persönlich nehme mir nicht das Recht heraus, das analysieren zu können. Mir würde aber schon gefallen, wenn die Mannschaft zur spielerischen noch eine mentale Stärke zeigt, die mir in den entscheidenden Momenten etwas fehlt. Wenn Löw das schafft, umso besser. Wenn nicht, warum dann nicht einen anderen den Job machen lassen?

Mit Überheblichkeit hat das mMn jedenfalls primär nicht zu tun, auch nicht allein mit medialem Druck (auch wenn der mit Sicherheit das Gefühl noch einmal verstärken kann)