NationalmannschaftLöw braucht den BVB

Zweifel an der Mentalität der Mannschaft, Zweifel am Coach – 2012 hat sich die Stimmung gegen das DFB-Team gedreht. Joachim Löw kann daraus lernen. von 

Joachim Löw sieht sich einer neuen Situation ausgesetzt.

Joachim Löw sieht sich einer neuen Situation ausgesetzt.  |  © Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images

Heute vor einem Jahr gewann die DFB-Elf in einem Testspiel gegen Holland 3:0. So gut habe eine deutsche Nationalmannschaft seit vierzig Jahren nicht mehr gespielt, schwärmten Fans und Presse . Das 0:0 in Amsterdam ein Jahr später verursachte bei vielen Begleitern Ernüchterung, obwohl die Mannschaft ersatzgeschwächt war, obwohl ein Unentschieden in Amsterdam ein gutes Ergebnis ist.

Die Stimmung nach dem letzten Spiel des Jahres ist bezeichnend, denn sie hat sich gegen die Nationalmannschaft gedreht. Bis vor einem halben Jahr galt sie als Vorreiter und Ideengeber des deutschen Fußballs. An den Turnieren 2006, 2008 und 2010 gelangen ihr Platzierungen über den Erwartungen, teilweise deutlich. Zudem verfeinerte sie unter Joachim Löw ihr Spiel zunehmend.

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Der Bruch erfolgte in diesem Juni, bei der EM 2012 schied sie als Mitfavorit im Halbfinale aus. Es war nicht nur die Niederlage, sondern auch die leblose Art, die anhaltenden Zweifel verbreiteten. Zweifel an der Mannschaft und ihrer Siegermentalität, Zweifel an ihrem Fußballlehrer Joachim Löw, dem gegen Italien ein entscheidender Coaching-Fehler unterlief.

In die jüngste Zeit fallen auch andere Bei-Spiele, die den Eindruck verstärken, dass die Mannschaft Rückschritte geht. Vier Niederlagen in einem Jahr, mehr gab es unter Löw nie. Zudem werfen die vielen Gegentore, fünf gegen die Schweiz , vier gegen Schweden , drei gegen Argentinien , die Frage auf, ob die Mannschaft die deutsche Grundtugend, das Verteidigen, beherrscht – und ob sie dem Trainer wichtig ist.

Nicht nur wegen dieser Bedenken findet sich Löw in einer neuen Situation wieder, denn seine Aufgabe hat sich geändert. Die deutschen Vereine haben elf Jahre keinen internationalen Titel geholt, das ist eine rekordhafte Durststrecke. Auf dieses Defizit konnte Löw stets verweisen, doch inzwischen scheinen auch andere deutsche Teams als Bayern München in Europa konkurrenzfähig, allen voran Borussia Dortmund .

Doch den BVB hat Löw noch nicht integriert. Weder die Spieler wie das Großtalent Mario Götze noch das Prinzip des Dortmunder Fußballs: Tempo, Laufen, Gegenpressing. Zudem ließ sein Affront gegen Marcel Schmelzer, den er öffentlich kleinredete, einen Konflikt mit dem Deutschen Meister zu Tage treten.

Natürlich darf ein Bundestrainer seine eigenen Ideen umsetzen und muss nicht immer nur auf den Vereinsfußball reagieren. Aber die Bundesliga bietet Löw längst von (mindestens) zwei Orten, München und Dortmund, Substanz für die internationale Klasse. Wenn er verloren gegangenen Kredit mit einer erfolgreichen WM 2014 zurückerobern will, sollte er die beiden Faktoren künftig besser mischen. Gelingt ihm das, schafft er es, aus dem Jahr 2012 die richtigen Schlüsse zu ziehen, könnte 2013 wieder geschwärmt werden.

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Leserkommentare
    • Jouba
    • 15. November 2012 16:06 Uhr

    bestand doch fast die Hälfte der NM aus BVB-Spielern - außer dem Torhüter Ter Stegen. Ergebnis ist ja bekannt, haben Sie ja auch selbst genannt. Also nur der BVB kann's nun wirklich nicht sein. Auch nicht nur Bayern. Sondern eine gut aufeinander abgestimmte Kombination.

    • wawerka
    • 15. November 2012 16:31 Uhr

    ..wie dauerhaft und heftig die Kritik an Löw seit dem verlorenen EM-Halbfinale ist. Denn sie ist meines Erachtens oftmals unberechtigt, bzw. speist sich aus überzogenen Erwartungen an die deutsche Mannschaft.
    Nimmt man die nur letzten 2 Spiele, so lässt sich doch folgendes festhalten: Die Deutschen haben die Schweden (die gestern souverän die Engländer geschlagen haben) bis zur 60. Minute "hergespielt" wie es z.Zt. sonst weltweit nur noch vielleicht die Spanier vermögen. Danach haben sie 4 Tore durch 4 Torchancen kassiert, die Schweden waren aber auch ab der 60. nicht das bessere Team, sie haben mit dem Mut der Verzweiflung nach vorne gespielt und sind belohnt worden. Hätte nicht passieren sollen, ist es aber und das wird dem deutschen Team nicht wieder passieren.

    Zum gestrigen Spiel: Auch wenn es der erwartbar langweilige Kick war, waren die Deutschen jederzeit Herr der Lage, dass ein holländisches Team dermaßen mauert, hat es meines Wissens noch nie gegeben.

    Selbstverständlich hat Löw nunmehr Spieler, die er auch der um die Jahrtausendwende gestarteten Jugendförderung des DFB verdankt, aber man muss diesen Spielern auch vertrauen und sie einsetzen und das tut Löw.

    Nehmen wir als Beispiel das WM-Team 1990 das m.E. individuell noch stärker besetzt war als die heutige Mannschaft und so gut wie nie attraktiven Fußball gezeigt hat.

    Zu guter Letzt: Wer, wenn nicht Löw, wäre geeigneter? Ich sehe außer Klopp niemanden und der wird es (jetzt noch) nicht machen.

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    Die Riege der Kritiker setzt sich aus zwei Strömungen zusammen: Die, die nur der int. Titel interessiert und denen, die die Art und Weise des Ausscheidens 2010/2012 sauer aufstößt.
    Einen Titel kann man nicht erzwingen. Aber wie man sich in den Finalrunden jeweils gegen Spanien und Italien präsentiert hat war viel zu wenig. Gegen Spanien ist eine Niederlage sicherlich keine Schande, aber man hat sich flott komplett in sein Schicksal ergeben. Da war keinerlei Gegenwehr zu sehen. Aber ok, da begann der "Stern" ja erst aufzusteigen.
    Zwei Jahre später stehst du gegen Italien wieder im Halbfinale und lieferst eine desolate Leistung ab. Dass die Italiener nicht 4:1(=Ehrentor) gewonnen haben ist wirklich alles. Und Löw, der mit seinen genialen taktischen "Geistesblitzen" mehr als ordentlich dazu beitrug, fällt nichts anderes ein als nach Schlusspfiff auf den Spielern rumzuhacken. Die "Verantwortung übernehme er" sagte Löw später. Das stellte sich aber nur als leere Phrase heraus, denn Fehler hat er mW keine zugegeben. Wenn er wirklich Rückgrat hätte, dann würde er die Konsequenzen aus diesen ziehen und zurücktreten.
    Wieso er das nicht tut liegt vllt daran, dass er nicht als NM-Trainer in Erinnerung behalten werden will, der es "geschafft hat mit dieser Generation titellos zu bleiben". Ich bin gespannt, ob man Löw nochmal als Vereinstrainer zu sehen bekommt. Dann wird nämlich seine fehlende Klasse zum richtigen Toptrainer auffallen. Natürlich Spekulation, aber meine Meinung.

    "Zu guter Letzt: Wer, wenn nicht Löw, wäre geeigneter? Ich sehe außer Klopp niemanden und der wird es (jetzt noch) nicht machen."
    Damit mögen Sie nicht ganz unrecht haben, aber wie oft ist diese Frage in der Vergangenheit schon gestellt worden und man fand am Ende doch noch einen "Jemand"?
    Slomka wäre ein mE ein Kandidat. Ob er überhaupt Interesse hätte weiß ich natürlich nicht, aber mit ihm könnte man es zumindest ruhigen Gewissens "probieren".

    • JB97
    • 15. November 2012 16:42 Uhr

    1. Gestern spielten Hummels, Götze, Gündogan, Reuss. Sind das Bayern Spieler?

    2. "Die Stimmung nach dem letzten Spiel des Jahres ist bezeichnend, denn sie hat sich gegen die Nationalmannschaft gedreht." Ich mache Sie dafür mitverantwortlich!

    3. "Zweifel an der Mannschaft und ihrer Siegermentalität, Zweifel an ihrem Fußballlehrer Joachim Löw, dem gegen Italien ein entscheidender Coaching-Fehler unterlief" Ich frage mich, welches Motto hier vorliegt? Einfaches Nachplappern von dem, was Journalisten ohnehin schon von sich gegeben haben? Außerdem: Wer spielt den Fußball? Der Trainer?

    4. "[...] die deutsche Grundtugend, das Verteidigen [...]" Das ist/war die des italienischen Fußballs.

    5. "könnte 2013 wieder geschwärmt werden." Sie können heute schon damit anfangen. Bspw indem sie: "Das 0:0 in Amsterdam ein Jahr später verursachte bei vielen Begleitern Ernüchterung, obwohl die Mannschaft ersatzgeschwächt war, obwohl ein Unentschieden in Amsterdam ein gutes Ergebnis ist." dies aufgreifen und positiv ausarbeiten.

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    Redaktion

    @JB97

    Zu 3: Ich fand die Aufstellung gegen Italien fatal, fast eitel. Das brauche ich niemandem nachplappern.

    Zu 1: Das Spiel gestern zählt für mich nicht, das war unbedeutend. Sehen Sie das anders? Ich halte Ihren Einwand daher für nicht substanzvoll.

    Zu 2: Danke, dass Sie mir so viel Macht zutrauen. Ich fürchte, Sie überschätzen mich.

    @wawerka: Ich bin ja gar nicht der Meinung, dass Löw gehen sollte. Aber so sicher wie früher bin ich mir nicht mehr.

  1. Redaktion

    @JB97

    Zu 3: Ich fand die Aufstellung gegen Italien fatal, fast eitel. Das brauche ich niemandem nachplappern.

    Zu 1: Das Spiel gestern zählt für mich nicht, das war unbedeutend. Sehen Sie das anders? Ich halte Ihren Einwand daher für nicht substanzvoll.

    Zu 2: Danke, dass Sie mir so viel Macht zutrauen. Ich fürchte, Sie überschätzen mich.

    @wawerka: Ich bin ja gar nicht der Meinung, dass Löw gehen sollte. Aber so sicher wie früher bin ich mir nicht mehr.

    Antwort auf "Was für ein Artikel.."
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    nach der gestrigen Vorstellung würde ich sagen, für das Spiel hätte es einen Özil, Khedira, Schweinsteiger, Kroos, Klose, Gomez, Badstuber und Boateng gebraucht. 5 davon spielen beim Fc Bayern, der Fc Bayern, der zur Zeit richtig aufdreht. Aber Jogi Löw kann, ja nichts dafür, wenn die 8 tollen Spieler verhindert sind. Das Spiel hat gezeigt, dass eine deutsche B-Mannschaft gegen eine Niederländische Mannschaft, in ihrer Orientierungsphase, immerhin 0:0 spielen kann. Ja, dafür hat es die jungen Burschen vom BVB wirklich gebraucht.

    Ach und wenn das Spiel gestern für die Redaktion nicht zählt, weil es unbedeutend war, warum dann dieser unbedeutende Artikel?

    • wawerka
    • 15. November 2012 18:42 Uhr

    Ich kann Ihre Kritik an Löw durchaus nachvollziehen, meine Kritik bezieht sich ganz allgemein auf die mediale Kritik an Löw.

    Löw hatte schon vor der EM ein paar erwähnenswerte Schwächen (z.B. seine mangelnde Wertschätzung des Trainierens von Standardsituationen),nur kommt es mir inzwischen vor, als kippe die damalige Zurückhaltung jetzt ins absolute Gegenteil und es wird jede Kleinigkeit zur mittleren Katastrophe aufgeblasen.

    Ich persönlich wünsche mir, dass Löw bleibt und zwar als starker Trainer, der sich nicht dauernd für jede Personalentscheidung rechtfertigen muss, was selbstverständlich nicht bedeutet, dass man ihn gar nicht kritisieren darf. Nur frage ich mich nach Spielen wie gegen Schweden, warum der Trainer zwar für den "Zusammenbruch" nach der 60. Minute verantwortlich gemacht wird, für den Zauberfußball der bis dahin gezeigt wurde, allerdings nicht.

    Und auch nach dem gestrigen Spiel gegen einen tatsächlich "Großen" im Weltfußball wird das zugegebenermaßen langweilige Spiel der Deutschen medial zerlegt, dass der Gastgeber entgegen seiner "Tradition" alle Energie darauf verwendet hat, das Spiel zu verhindern, wird dagegen kaum erwähnt.

    Zu guter Letzt: Mich stört die naive Erwartung, wenn Löw durch einen anderen Trainer abgelöst würde, bliebe alles, was er "erschaffen" hat, erhalten und nur die Defizite würden abgeschafft. Dem ist aber nicht so und ich habe Sorge, dass der frühere Rumpelfußball wiederkehrt. Mit "echten Kerlen". Die die Hymne mitsingen. O Gott!

    • cb81
    • 15. November 2012 21:13 Uhr

    Ich denke, dass sich einige Fans der neuen deutschen Mannschaft einfach etwas enttäuscht fühlen. Mir geht es auf jeden fall so, dass ich begeistert von den Talenten bin und viel erwartet habe oder noch erwarte. Wahrscheinlich ist ein bisschen weniger Euphorie sprich Nüchternheit gar nicht mal so schlecht. Dass sich die "Jogi macht alles richtig" -Stimmung vor der em und auch währenddessen musste spätestens nach dem Spiel gg Italien hinterfragt werden. Denn, und da stimme ich Herrn Fritsch voll zu, was sich Herr Löw taktisch gegen Italien geleistet hat, und somit hat der Trainer wirklich gewissen Einfluss auf das Spiel, war eitel und überheblich. Wenn Herr Löw Kritik annehmen und an sich arbeiten würde, dann könnte er auch mit dieser hichveranlagten Mannschaft die spitze erreichen. Aber wird sich jeder in der Mannschaft für einen Trainer, der im zwischenmenschlichen (Ballack, Schmelzer, Wiese...) Schwächen offenbart, im entscheidenden Moment zerreißen?

    Zu 3: Ich fand die Aufstellung gegen Italien fatal, fast eitel. Das brauche ich niemandem nachplappern.

    Fatal war sie, da ist die Fachwelt sich einig und das weiß auch Löw. Eitel war sie höchstens deshalb, weil sich Löw wohl gegen Wiederstände und andere Meinungen im eigenen Trainerteam durchgesetzt hat, aber letztlich trägt er ja nun auch die Verantwortung.
    Fatal war eher der Umstand, dass er mit der Aufstellung übermäßigen Respekt vor den Italienern gezeigt hat, was ich eher als psychologisches Problem sehe. Ein neues System halte ich für eine Mannschaft, die in der Favoritenrolle war und eine bis dahin gute EM gespielt hat, für kontraproduktiv, da man die Spieler zum Nachdenken bringt, was hier wohl eher gehemmt hat. Also eher das Gegenteil von Eitelkeit, da dies ja auch Überheblichkeit und zu großes Selbstbewusstsein suggeriert. Mein Urteil: Die Aufstellung war zu ängstlich.

    Zu 1: Das Spiel gestern zählt für mich nicht, das war unbedeutend. Sehen Sie das anders? Ich halte Ihren Einwand daher für nicht substanzvoll.

    D´accord

    Zu 2: Danke, dass Sie mir so viel Macht zutrauen. Ich fürchte, Sie überschätzen mich.

    Ich denke man traut nicht Ihnen so viel Macht zu, sondern ihnen, also "den Medien" ;-)

    • JB97
    • 16. November 2012 16:49 Uhr

    Vielen Dank, dass sie meinen Kommentar nicht gelöscht haben - eigentlich hätte ich dies erwartet.

    Was genau meinen sie mit "Substanz" bzw. der "Substanzlosigkeit" meiner Kritik an ihrem Artikel? Warf ich ihnen etwaige vor - oder beschränkte sich meine Kritik nicht lediglich auf meinrseits diskussionswürdige Aspekt des Artikels? (ich bitte um Vorsicht: dies ist eine rhetorische Frage!)

    Wirkliche Antworten auf meine Kritik, hätten mich mehr erfreut als ihre Reaktion, nämlich Kritik an meiner Person. Ich könnte jetzt auf sie reagieren, aber wie heisst es so schön:

    1. Getroffene Hunde bellen.
    2. Der klügere gibt nach.

    Mit den besten Grüßen und der Hoffnung auf einen Weltmeisterschaftstitel unter Löw (denn dieser hat ihn verdient!),

    Ihr JB97

    • Kelhim
    • 15. November 2012 17:00 Uhr

    Früher hätten sie sich die Finger danach geleckt, einer großen Mannschaft ein Unentschieden abzuringen. Heute murren sie, weil die deutsche Mannschaft nicht Europameister geworden ist, wie sie das ja ihrer Meinung nach hätte werden müssen. Als spielten da nicht auch eine ganze Reihe anderer hochklassiger Mannschaften um den Titel, darunter das nun einmal bärenstarke Spanien.

    Ich kann mich noch sehr gut an das elende Geholze vor zehn Jahren erinnern. Damals habe ich mich geschämt - gestern habe ich bloß gelangweilt, weil es nicht so spektakulär war wie vor ein, zwei Jahren.

    Fußball-Deutschland (und gerade diese "Begleiter" von und in den Medien) sollten ihre Überheblichkeit abstellen und anerkennen, dass man gegen die Niederlande nicht immer 3:0 und höchst unterhaltsam gewinnen kann. Außerdem war es ein Testspiel, das niemanden ernsthaft interessierte, weil sie alle in Gedanken in der Bundesliga und in der CL sind.

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    • 0rkrist
    • 15. November 2012 17:17 Uhr

    Dieses "Früher" ist aber eben inzwischen auch schon ein Jahrzehnt her. Die Erwartungshaltung ist mit der Qualität in der Mannschaft gestiegen. Auf dem Papier hat das Team das Zeug dazu, mehr zu holen - das hat sich auch bei der EM angedeutet, in der Quali zuvor sowieso.

    Dass die Erwartungshaltung nur von den Medien gepusht und umgedreht jetzt schlechte Stimmung herbeigeschrieben wird, greift zu kurz. Nach 2008 und 2010 schien die Mannschaft jetzt reif. Einziger Gegner, vor dem man sich wirklich fürchten musste war Spanien.

    Die Fallhöhe war also enorm vor dem Italienspiel, bei dem die Mannschaft völlig von der Rolle war. Dieses Auftreten führt nun eben auch dazu, dass Löw hinterfragt wird - ohne dass gleich sein Kopf gefordert wird. Aber man sieht nun eben Einiges kritischer.

    Dass das 0:0 von gestern abend nicht das Ende der Welt bedeutet, ist klar. Das Spiel war m.E. besser, als es von einigen gemacht wird. Aber was war das gegen Schweden? Was passierte in der Schweiz? Irgendwo ist der NM die Souveränität abhanden gekommen. Und das sorgt für Unmut. Weil es diese Mannschaft besser kann. Und weil das auch jeder weiß.

    • 0rkrist
    • 15. November 2012 17:17 Uhr

    Dieses "Früher" ist aber eben inzwischen auch schon ein Jahrzehnt her. Die Erwartungshaltung ist mit der Qualität in der Mannschaft gestiegen. Auf dem Papier hat das Team das Zeug dazu, mehr zu holen - das hat sich auch bei der EM angedeutet, in der Quali zuvor sowieso.

    Dass die Erwartungshaltung nur von den Medien gepusht und umgedreht jetzt schlechte Stimmung herbeigeschrieben wird, greift zu kurz. Nach 2008 und 2010 schien die Mannschaft jetzt reif. Einziger Gegner, vor dem man sich wirklich fürchten musste war Spanien.

    Die Fallhöhe war also enorm vor dem Italienspiel, bei dem die Mannschaft völlig von der Rolle war. Dieses Auftreten führt nun eben auch dazu, dass Löw hinterfragt wird - ohne dass gleich sein Kopf gefordert wird. Aber man sieht nun eben Einiges kritischer.

    Dass das 0:0 von gestern abend nicht das Ende der Welt bedeutet, ist klar. Das Spiel war m.E. besser, als es von einigen gemacht wird. Aber was war das gegen Schweden? Was passierte in der Schweiz? Irgendwo ist der NM die Souveränität abhanden gekommen. Und das sorgt für Unmut. Weil es diese Mannschaft besser kann. Und weil das auch jeder weiß.

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    • Kelhim
    • 15. November 2012 18:01 Uhr

    Jeder wünscht sich die Dominanz zurück, die wir bei der WM 2010 oder bei der EM-Quali erlebt haben. Aber selbst beim sensationellen Unentschieden gegen Schweden hat die deutsche Mannschaft die meiste Zeit über sicher gespielt. So ärgerlich der anschließende plötzliche Blackout war, so wenig sagt das Spiel über die Qualität der Menschen aus. Das ungeliebte Testspiel gegen die Niederlande, bei dem sich niemand zu sehr in den Dreck werfen wollte, weil wichtigere Spiele anstehen, schon mal gar nicht. Die Ergebnisse der letzten Jahre sprechen für Löw, und wer Alternativen kennt, nicht nur personelle zum Bundestrainer, sondern auch spielerisch, der mag seine Weisheit teilen.

    Davon liest man allerdings erstaunlich wenig. Was sich breitmacht, ist eher ein diffuses Unwohlsein, das wenige in präzise Worte fassen können. Ein Gefühl: "Wir könnten doch eigentlich besser sein, den Titel hätten wir uns verdient, wir haben so viele gute, junge Spieler!", aber andere Mannschaften sind auch gut, titelwürdig und jung.

  2. Löw braucht weder den BVB noch die Bayern extra. Beides hat er bereits hinreichend.

    Löw braucht die Erkenntnis oder vielleicht besser die Einsicht, dass ein Spielkonzept alleine nicht ausreicht, man braucht je nach Bedarf mehrere. Gestern klang dies in der üblichen Nachbetrachtung als Lehre aus dem Schwedenspiel als wahrgenommen an. Im Spiel sah man davon an sich nichts.

    Da ja das Spiel gestern kein Maßstab sein soll, aber Basis für den Artikel ist:

    "Heute vor einem Jahr gewann die DFB-Elf in einem Testspiel gegen Holland 3:0. So gut habe eine deutsche Nationalmannschaft seit vierzig Jahren nicht mehr gespielt, schwärmten Fans und Presse. Das 0:0 in Amsterdam ein Jahr später verursachte bei vielen Begleitern Ernüchterung, obwohl die Mannschaft ersatzgeschwächt war, obwohl ein Unentschieden in Amsterdam ein gutes Ergebnis ist."

    Wäre die Frage zu stellen, warum man in einem Testspiel den Mut nicht aufbringt, beides zu kombinieren. Mit Hurrafussball nach vorne gewinnen wollen und gleichzeitig hinten, Beton anzurührend nicht zu verlieren? A-, B- oder C-Auswahl ist dabei egal. Der sichtbare Wille zählt. In einem Testspiel sollte man testen, gewinnen wollen und dabei auch verlieren dürfen.

    In einem Testspiel den Eindruck zu haben, auf dem Platz agieren sie gebremsten Einsatz, weil man für den Verein noch wichtige Spiele hat und sich nicht verletzen darf ist aus Vereinssicht nachvollziehbar - macht aber Testspiele obsolet.

    Testspiele und Substantielles - real ein Widerspruch!

  3. 8. .....

    Die Riege der Kritiker setzt sich aus zwei Strömungen zusammen: Die, die nur der int. Titel interessiert und denen, die die Art und Weise des Ausscheidens 2010/2012 sauer aufstößt.
    Einen Titel kann man nicht erzwingen. Aber wie man sich in den Finalrunden jeweils gegen Spanien und Italien präsentiert hat war viel zu wenig. Gegen Spanien ist eine Niederlage sicherlich keine Schande, aber man hat sich flott komplett in sein Schicksal ergeben. Da war keinerlei Gegenwehr zu sehen. Aber ok, da begann der "Stern" ja erst aufzusteigen.
    Zwei Jahre später stehst du gegen Italien wieder im Halbfinale und lieferst eine desolate Leistung ab. Dass die Italiener nicht 4:1(=Ehrentor) gewonnen haben ist wirklich alles. Und Löw, der mit seinen genialen taktischen "Geistesblitzen" mehr als ordentlich dazu beitrug, fällt nichts anderes ein als nach Schlusspfiff auf den Spielern rumzuhacken. Die "Verantwortung übernehme er" sagte Löw später. Das stellte sich aber nur als leere Phrase heraus, denn Fehler hat er mW keine zugegeben. Wenn er wirklich Rückgrat hätte, dann würde er die Konsequenzen aus diesen ziehen und zurücktreten.
    Wieso er das nicht tut liegt vllt daran, dass er nicht als NM-Trainer in Erinnerung behalten werden will, der es "geschafft hat mit dieser Generation titellos zu bleiben". Ich bin gespannt, ob man Löw nochmal als Vereinstrainer zu sehen bekommt. Dann wird nämlich seine fehlende Klasse zum richtigen Toptrainer auffallen. Natürlich Spekulation, aber meine Meinung.

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    • wawerka
    • 15. November 2012 18:14 Uhr

    ...aber das Italienspiel sehe ich schon etwas anders. Zwar haben die Italiener durchaus verdient gewonnen, weil sie cleverer agiert haben und, ja, sie hätten auch noch deutlich höher gewinnen können, als die Deutschen hinten aufgemacht haben, aber wenn Buffon sich den Ball in der Anfangsphase selbst ins Tor legt (und dass dies nicht geschah war reines Glück) dann, da leg ich mich fest, verliert Italien dieses Spiel und Löw hätte alles richtig gemacht. Ich glaube, Löw fühlt sich zutiefst ungerecht behandelt, weil seiner Meinung nach dieses Halbfinale nicht wegen seiner fragwürdigen Aufstellung verloren wurde, sondern durch 2 katastrophale individuelle Fehler durch Hummels/Badstuber bzw. Lahm. Und, bei aller Kritik an Löw, man KANN das so sehen. Oder eben auch ganz anders. Die Deutschen standen gegen Italien jedenfalls nicht wie noch 2 (oder auch 4) Jahre zuvor gegen Spanien wie die Schlange vor dem Kaninchen, diesmal war es also nicht überzogene Demut die zur Niederlage führte, das Ausscheiden hatte andere Gründe.

    Ich weiß auch nicht, ob Löw nochmal als Vereinstrainer tätig wird, gehe aber davon aus, da er aller Wahrscheinlichkeit nach nach der WM 2014 so oder so als Trainer der NM aufhören wird (oder aufgehört werden wird). Ob er dann ein guter Trainer sein wird, bleibt abzuwarten, auf jeden Fall ist er ein großer Theoretiker des Spiels. Aber wichtig is' halt auffem Platz.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Joachim Löw | Nationalmannschaft | Bundesliga | Bundestrainer | Fußball | Kredit
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