Holland - DeutschlandAngriff bleibt Joachim Löws Verteidigung
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Löw bleibt ein trotziger Idealist

Der Bundestrainer hat zuletzt eine Charmeoffensive in eigener Sache betrieben, nachdem sich seine Sympathiewerte seit dem EM-Aus rapide verschlechtert haben. Löw hat sich nach dem 4:4 gegen Schweden öffentlich gemacht, er hat – für seine Verhältnisse – exorbitant viele Interviews gegeben, um sich nicht wieder wie nach der EM dem Vorwurf auszusetzen, er sei abgetaucht; er hat Fehler eingestanden („Ich muss mir auch an die eigene Nase fassen“) und dem Volk mit der Nominierung von Torhüter René Adler einen Herzenswunsch erfüllt. Der Kern seiner Philosophie aber, das offensive, mutige Spiel, ist für ihn nicht verhandelbar. „Dieser Spielstil ist alternativlos“, sagt der Bundestrainer. In dieser Frage bleibt Löw, wie der Kicker geschrieben hat „ein trotziger Idealist“.

Selbst gegen die Holländer wird es allenfalls in Nuancen Veränderungen geben, und die sind in erster Linie der Personalsituation geschuldet. Gleich sechs Defensivspieler (Boateng, Badstuber, Schmelzer, Khedira, Schweinsteiger, Kroos) fallen aus. „Wir müssen erst mal gut stehen und von Anfang an das Hauptaugenmerk auf Stabilität legen“, sagt Löw. „Wir müssen aber auch versuchen, die Holländer unter Druck zu setzen.“ Die defensive Organisation verbessern, ohne das druckvolle Spiel aufzugeben, offensiv die volle Kraft entfalten und trotzdem alles unter Kontrolle zu halten: Das ist das, was Löw vorschwebt.

Generell fände der Bundestrainer es fahrlässig, die offensive Wucht, die der deutsche Fußball inzwischen besitzt, in irgendeiner Weise zu beschneiden. Für Löw ist Angriff immer noch die beste Verteidigung. „Wenn wir unseren Spielstil durchziehen, haben wir defensiv weniger Probleme“, sagt er. Gegen Schweden war das am Ende nicht mehr der Fall: „In den letzten 30 Minuten haben wir 25 hohe Bälle geschlagen, die alle beim Gegner gelandet sind.“ Es ist ein Muster, das Löw nicht zum ersten Mal beobachtet hat. „Meistens haben wir Probleme, wenn es Unwägbarkeiten gibt“, sagt er. Dann weicht die Mannschaft von ihrer Linie ab, anstatt sie noch konsequenter zu verfolgen. Etwas überspitzt könnte man auch sagen: Dass die Deutschen gegen Schweden vier Gegentore kassierten, lag nicht daran, dass sie zu offensiv spielten. Sie spielten – im Gegenteil – für Löws Geschmack nicht offensiv genug.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • lxththf
    • 14. November 2012 10:45 Uhr

    der Jogi. Die beste Verteidigung ist es, denn Ball in der gegnerischen Hälfte zu halten.
    Es mutet auch irgendwie seltsam an. Seit Jahrzehnten wird die Unattraktivität des dt. Fußballs bemotzt und dann, nun endlich, gibt es da ein Team von Fußballern, die am Ball wirklich alles können und man kommt wieder mit dem Wunsch nach Defensive um die Ecke???
    Die "deutschen Tugenden" sind nichts weiter als eine hohle Phrase, denn sprinten und kämpfen können mittlerweile alle Teams, vor allem auf dem Niveau und darum ist es genial, Technik und Esprit als neue Tugenden auszuloben, als bitte nie wieder zurück zum Holzfällerfußball. Lieber ein 4:4, als ein 0:0, wobei soetwas wohl auf absehbare Zeit nicht nochmal passieren wird. Im Übrigen lohnt ein Blick auf die Bundesliga und die Ergebnisse. Es wird offensiver und schöner (man denke an Hannover, Bayern, Dortmund und und und) gespielt und das sollte nicht durch die Nationalelf konterkariert werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Letztendlich ist es zwar Geschmackssache, aber ich finde das ausdauernde Ballherumgeschiebe wie es bspw. auch der FC Bayern anwendet, unendlich langweilig und nervtötend. Dieses Gefühl können selbst die beindruckenden Ballkünstler wie Özil und Götze bei mir nur kurzfristig in den Hintergrund drängen.
    Warum nicht einfach mal ein paar lange Bälle einstreuen oder Elemente des Kick & Rush anwenden, das tut doch eigentlich nicht weh und die passenden Spieler sind im deutschen Fußball dafür auch vorhanden. Man muss auch nicht gleich von einem Extrem ins Andere rutschen.

    Nein, der Herr Löw versucht leiter högschd alternativlos weiter den FC Barcelona zu kopieren, mit all seinen Schwächen (mangelndes Flügelspiel und damit verbundene uneffiziente Standardsituationen, fehlende physische Spielweise), obwohl man keine einzigartigen Spieler wie Messi, Xaviniesta oder Busquets besitzt.

    Daher "freut" mich diese ominöse Absagewelle gewissermaßen, gibt sie doch einigen deutschen Talenten eine Chance, sich zu beweisen und das deutsche Spiel mal etwas vom Ballbesitzcredo zu emanzipieren und - besonders im Fall der vielen Dortmunder und Schalker - mal etwas Gefährlichkeit in die furchtbare Standardverwertung zu bringen.

    Vorallem hoffe ich auf eine Aufstellung von Roman Neustädter in der Starformation als DMF, imho ein Talent mit außergewöhnlicher Spielintelligenz und situativer Antizipationsfähigkeit, der keine Anweisungen benötigt um Löws taktische Schwächen ausgleichen zu können.

  1. Letztendlich ist es zwar Geschmackssache, aber ich finde das ausdauernde Ballherumgeschiebe wie es bspw. auch der FC Bayern anwendet, unendlich langweilig und nervtötend. Dieses Gefühl können selbst die beindruckenden Ballkünstler wie Özil und Götze bei mir nur kurzfristig in den Hintergrund drängen.
    Warum nicht einfach mal ein paar lange Bälle einstreuen oder Elemente des Kick & Rush anwenden, das tut doch eigentlich nicht weh und die passenden Spieler sind im deutschen Fußball dafür auch vorhanden. Man muss auch nicht gleich von einem Extrem ins Andere rutschen.

    Nein, der Herr Löw versucht leiter högschd alternativlos weiter den FC Barcelona zu kopieren, mit all seinen Schwächen (mangelndes Flügelspiel und damit verbundene uneffiziente Standardsituationen, fehlende physische Spielweise), obwohl man keine einzigartigen Spieler wie Messi, Xaviniesta oder Busquets besitzt.

    Daher "freut" mich diese ominöse Absagewelle gewissermaßen, gibt sie doch einigen deutschen Talenten eine Chance, sich zu beweisen und das deutsche Spiel mal etwas vom Ballbesitzcredo zu emanzipieren und - besonders im Fall der vielen Dortmunder und Schalker - mal etwas Gefährlichkeit in die furchtbare Standardverwertung zu bringen.

    Vorallem hoffe ich auf eine Aufstellung von Roman Neustädter in der Starformation als DMF, imho ein Talent mit außergewöhnlicher Spielintelligenz und situativer Antizipationsfähigkeit, der keine Anweisungen benötigt um Löws taktische Schwächen ausgleichen zu können.

    Antwort auf "Recht hat er"
  2. Die Philosophie fuer erfolgreichen Fussball lautet:
    Du verlierst ein Spiel im Angriff, du gewinsst es in der Verteidigung. Wer Prioritaet auf Verteidigung baut, der verliert, weil im Fussball musst du mehr Tore machen als der Gegner. Punkt. Das Ergebnis halten koennen ist dann die andere Kunst. Prioritaeten setzen statt Spiel aus einem Guss zu fordern, das ist ein Grundfehler des Sportjournalismus.

  3. 4. na ja

    wieder so ein märchen vom juri und seiner linie.
    welche linie bitte.

    die ganze bundesliga spielt seit vielen jahren offensiv. das spielen die jungs auch in der natinonalmannschaft. da macht löw gar nichts. dazu ruht er sich seit seiner amtzeit auf den bayern aus, deren achse das spiel macht, deren laufwege das spiel sind. der rest muss sich selber drumrum bauen, gibts widerstand in tunieren wie gegen kroatien, serbien, türkei, österreich, ghana ... spanien ;-), hält die konstruktion dem druck nicht stand, wir gewinnen mit zähneklappern oder verlieren.

    unter juri ist nichts neues hinzugekommen, sondern die tuniermannschaft deutschland hat ihren ruf verloren. die schweden schreiben treffend zur entwicklung unter löw, aus arroganten siegertypen sind sympathische loser geworden.

    richtig, wenn man in tunieren sieben mal 0:1 zurückliegt und nur ein spiel in neunzig minuten noch drehen kann. und so spotten auch die ukrainer nach der em, indem sie meinen, fusball ist wenn 22 spielen und deutschland gewinnt nie ...

    vielleicht wachen ja auch unsere sportjournalisten mal auf und outen die mediale mogelpackung löw/dfb als das was sie ist, ein erfolgsmärchen ....

    • Hehehe4
    • 15. November 2012 22:43 Uhr
    5. lol

    "Für die Stimmung im Land " Als ob man nichts besseres Zutun hat als seine Laune von Fußball abhängig zu machen. Nicht falsch verstehen, ich bin großer Fußball- Fan, aber differenziere das von meinem verhalten und meiner Laune. So nen Müll hab schon lang nicht mehr gelesen abgesehen von der twilight Saga

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