Holland - DeutschlandAngriff bleibt Joachim Löws Verteidigung

Es regt sich Sehnsucht nach Stabilität, Verteidigung, alten deutschen Tugenden. Der Bundestrainer registriert das, bleibt aber seiner Linie treu. Von S. Hermanns von Stefan Hermanns

Joachim Löw einen Tag vor dem Spiel gegen die Niederlande

Joachim Löw einen Tag vor dem Spiel gegen die Niederlande  |  © Koen van Weel/AFP/Getty Images

Es ist das letzte Länderspiel des Jahres, der Bundestrainer steht unter besonderer Beobachtung, nachdem es zuletzt viel Kritik an seiner Spielphilosophie und den vielen Gegentoren gegeben hat. Für die Stimmung im Land wäre es sicher nicht schlecht, wenn zum Jahresabschluss gewisse Fortschritte zu sehen wäre. Tatsächlich zeigt sich der Bundestrainer, sonst ein ziemlicher Sturkopf, einsichtig. Im Training konzentriert er sich diesmal auf die Verteidigung, im Spiel gruppiert er sein Mittelfeld nicht wie üblich als Raute, sondern mit zwei Sechsern als zweite Viererkette vor der Abwehr. Es wirkt. 0:0 spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Paris gegen Frankreich . „Die Entdeckung der Abwehrkunst“ will die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ an diesem 12. November 2005 gesehen haben.

Sieben Jahre später ist die Situation ähnlich: Es ist das letzte Länderspiel des Jahres. Der Bundestrainer steht unter besonderer Beobachtung. Es gibt Kritik an seiner Spielphilosophie und vor allem den vielen Gegentoren. So weit die Parallelen. Doch dass Joachim Löw heute in Amsterdam gegen die holländische Nationalmannschaft einen undurchdringlichen Defensivriegel schmieden wird, wie es sein Vorgänger Jürgen Klinsmann im November 2005 getan hat, das ist eher nicht zu erwarten. „Wir können das, wenn wir wollen“, sagt der Bundestrainer. Aber will er wirklich? Oder sollte sich das Publikum gegen die ebenfalls als spielfreudig bekannten Holländer lieber auf ein munteres 5:6 einstellen? Oder vielleicht ein wahnwitziges 7:4?

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Joachim Löw ist gestern gefragt worden, was ihm denn lieber sei: ein 4:4 wie gegen Schweden oder ein 0:0? Eine klare Antwort blieb er schuldig. Für den Bundestrainer können beide Resultate ihre Reize haben. Für die Stimmung im Volk wäre ein 0:0 sicher besser. Selbst der Nationaltorhüter Manuel Neuer hat sich zuletzt in der Tradition von Oliver Kahn für mehr Defensive ausgesprochen: „Wir müssen lernen, die Prioritäten anders zu setzen.“ Oberstes Ziel solle vor jedem Länderspiel sein, erst einmal zu null zu spielen. Nach 22 Gegentoren in den 13 Länderspielen dieses Jahres steht Neuer mit dieser Ansicht ganz sicher nicht allein da. Es regt sich eine Sehnsucht nach Stabilität, nach Kampfbereitschaft und Lust am Verteidigen, nach den guten alten deutschen Tugenden also. Löw registriert das sehr wohl, erlaubt sich aber weiterhin eine abweichende Meinung: „Wir müssen den Mut haben zu sagen, dass zu den deutschen Tugenden auch technisch guter Fußball gehört. Das wollen wir weiterhin fördern.“

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