Fußball-Fans : Das alte, neue Nazi-Problem in den Fankurven
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Vereine wollen nicht politisch sein

Aachen ist ein Extremfall, aber kein Einzelfall. "Wir beobachten solche Auseinandersetzungen in vielen Vereinen", sagt Dembowski. Nicht nur in Duisburg und Dortmund sei die Lage ähnlich, wenn auch in einem früheren Stadium als in Aachen, sagt er. Besonders anfällig sind Städte mit vielen Neonazis wie Dortmund und Aachen. Oder Vereine, die viele Fans zählen, auf eine Tradition zurückblicken und in den vergangenen zwanzig Jahren eher unterklassig spielten, wie Düsseldorf , Braunschweig – und Aachen. "Dort wurde eine wichtige Debatte verpasst", sagt Dembowski.

Die Dortmunder Südtribüne gilt der Neonazi-Szene als Ort der Rekrutierung. Sogar ein Ordner soll ihr angehören, wie der Spiegel berichtete. Auch Eintracht Braunschweig, nächstes Jahr vermutlich Bundesligist, hat ein Neonazi-Problem in der Kurve . Es kommt schon mal vor, dass rechte Hooligans im Stadion antisemitische Parolen grölen. Einige Braunschweiger Ordner sollen Thor Steinar tragen, die Marke der Nazis. Nicht nur in der Innenstadt verzeichnete man in den vergangenen zwei Jahren mehrere Angriffe rechter Fußballfans auf Jugendliche, in Aachen schon länger.

Die Vereine sowie der DFB und die DFL berücksichtigen diese politischen Konflikte in ihrer aktuellen Debatte über Fans und Sicherheit offenbar nicht. Frithjof Kraemer, bis vor Kurzem Geschäftsführer der Alemannia, sprach zwar mit allen Fraktionen aus der Kurve. Aber, so lautet der Vorwurf der Ultras, er habe übersehen, dass es Opfer und Täter gebe.

Die Verantwortlichen von Eintracht Braunschweig reagierten ähnlich. Nachdem die linken Ultras in einer Broschüre die Taten der Rechten aufgelistet und sich öffentlich gegen Nazis und Rassisten ausgesprochen hatten, wendete sich der Verein mit einer Absage an "politischen Extremismus" an die Öffentlichkeit. Damit meinte die Eintracht nicht die Rechten, sondern die Ultras. "Vereine wollen nicht politisch sein", sagt Dembowski, "sie igeln sich lieber ein".

Zeichen der Solidarität vernehmen die Aachener Ultras von Fans von anderen Vereinen, nicht nur von solchen, bei denen linke Milieus die Kultur prägen, etwa St. Pauli, Babelsberg und Münster. Auch Oldenburg , Fürth , Köln , Bremen und andere machen immer wieder auf die heikle Lage der Aachener aufmerksam. Sie laden sie sogar zu Vorträgen ein. Dort sollen sie den Kampf gegen Rechts schildern.

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Kommentare

73 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

wenn die Ordnungsbehörden

die volle Härte der Gesetze anwenden würden und das Ergebnis dann den Vereinen die nicht dazu in der Lage sind Veranstaltungen so auszurichten das es diese Umstände nicht gibt in Rechnung stellen würde wäre das Thema schnell vom Tisch.

Das ist doch keine sportliche Begeisterng mehr sondern hirntotes Handeln das unterbunden werden muß.

@tolerant

Haben Sie eigentlich den Artikel gelesen, dass Sie hier so eine undifferenzierte Meinung liefern? Die Taten wurden lt. Artikel ausschließlich außerhalb der Stadien begangen.

Sie pauschalisieren einfach Hooligans, links und rechts - ist doch egal. Nur darum geht es im Artikel eigentlich nicht, sondern um Rechtsextremismus! Selbst wenn Sie bestimmte Gruppen in den Stadien ausweisen, würden die Taten außerhalb der Stadien trotzdem begangen, und diese Leute ihre Weltanschauung wohl keineswegs ändern.

nuff said

Das sind etwa die Werte der Aachener Ultras. "Die gelten in Aachen als linksradikal", sagt er. Diese Ausgrenzung verstärkte das Problem, nämlich bedeute es "einen imaginären Schulterschluss" der Haupttribüne, der Polizei und des Vereins, sagt Dembowski mit Blick auf Aachen.

Haupttribüne = Bürgerlichkeit
Verein `= Unternehmerinteressen
Polizei = Staatsmacht