EM im Roller Derby"MAAAAAAASTER BLAAAAAASTER!"

Roller Derby – nie gehört? Das werden Sie noch. Dieser fast nur von Frauen betriebene Sport wird bis zur weiblichen Weltherrschaft unumgänglich sein. Von Jens Uthoff von Jens Uthoff

Michaela Lechner, Mitglied der Bembel Town Rollergirls, während des Trainings in einer Turnhalle in Rödermark, Hessen, im Juli

Michaela Lechner, Mitglied der Bembel Town Rollergirls, während des Trainings in einer Turnhalle in Rödermark, Hessen, im Juli  |  © Fredrik von Erichsen/dpa

Die Berlin Bombshells liegen aussichtslos hinten, zehn Punkte Rückstand, letzter Jam. Noch zwei Minuten. Dann kommt die Spielerin namens Master Blaster. Die Stockholmer Gegnerinnen mögen sich wie in einem schlechten Film gefühlt haben, als die flinke, wendige Spielerin immer wieder an ihnen vorbeirauscht. 15 Punkte holt sie im letzten Jam. Das reicht: Berlin erreicht das Finale. Welch ein Finish!

"Ich habe keine Worte dafür", sagt Berlins Blockerin Agent B. Fatale nach dem Finaleinzug. Ein Facebook-Fan schreibt später: "The most mental finish EVER! MAAAAAAASTER BLAAAAAASTER!" Das obligatorische Abklatschen mit den Anhängern in der Halle gerät zur siegestrunkenen Party. Man feiert ein an Spannung kaum zu überbietendes Halbfinale der Roller Derby-Europameisterschaft (EM). Erst im Finale unterliegen die Bombshells den London Rollergirls klar mit 47:448.

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Roller Derby? Nie gehört? Sie werden davon hören, keine Angst. Denn dieser fast ausschließlich von Frauen betriebene Sport wird auf dem Weg zur weiblichen Weltherrschaft unumgänglich sein – die Mädels werden uns schlicht überrollen. Mit untergeschnallten Rollschuhen ziehen sie ihre Kreise, kämpfen um jeden Millimeter, gehen dabei kompromisslos, hart und körperbetont zur Sache. "Absolut feministisch", nennt Janina Meyer, Gründerin der Berlin Bombshells, ihre Sportart. "Das Schöne ist: Klein, groß, dick, dünn – es ist scheißegal, wie und wer du bist – beim Roller Derby findet sich für jede eine Position."

Erstmals fand am Wochenende in Berlin mit dem Track Queens Battle Royal eine EM statt. Dort bekam man eine actionreiche Szenesportart mit hohem Glamourfaktor geboten: Die Spielerinnen haben sich in eigens angefertigte Wettkampfdressen geschmissen, viele Tattoos, einige Spielerinnen sind im Style der Misfits geschminkt. Und jede hat ihren eigenen Künstlernamen. "Ich glaube, Rollerderby ist vor allem interessant für Frauen, weil das Gesamtpaket stimmt. Die Musik und der Lifestyle kommen dazu", sagt Meyer alias Foxy Führer. Das Motto "You rock, we roll" regiert: Punkmusik läuft, während die Track Queens ihre Runden drehen.

Beim Roller Derby treten zwei Rollschuhteams auf einem kleinen, flachen Rundkurs (auf einer Fläche von 30 mal 18 Metern) gegeneinander an. Es geht nicht um Schnelligkeit, sondern um Punkte. Fünf Fahrerinnen pro Team sind gleichzeitig auf der Strecke. Nur eine kann Punkte sammeln: Die Jammerin. Ihre Aufgabe ist es, an den vier Blockerinnen, dem Pack des Gegnerteams vorbeizukommen. Das Pack versucht, sie mit Abdrängen, Rempeln und taktischen Manövern am Durchkommen zu hindern – und gleichzeitig der eigenen Jammerin einen Vorteil zu verschaffen. Die Spielzeit ist 2 x 30 Minuten. Ein Jam dauert jeweils zwei Minuten, dann geht's mit neuer Startaufstellung von vorne los.

Leserkommentare
  1. ohne Ball??? Vielleicht macht es das ja für Männer uninteressant.

    Aber klar, liegt wahrscheinlich schon eher an den toughen Frauen, die sich dann im Mixed Team (was ja Frau Meyer mit ihrer letzten Aussage wohl impliziert) gegenseitig umchecken und ihren Arsch zeigen ;)

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