EM im Roller Derby"MAAAAAAASTER BLAAAAAASTER!"
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"Auf geht's Milli zeig' Dein' Arsch"

Die Sportart erlebte in den USA bereits Ende der neunziger Jahre seine Renaissance. Die erste Roller Derby-Welle gab es dort in den dreißiger Jahren, mit etwas anderen Regeln. Das Londoner Team durfte in diesem Jahr immerhin schon bei der olympischen Eröffnungsfeier dabei sein.

Bei der EM konnte man kaum anders, als von diesem Sport mitgerissen zu werden. Lautstarke Fans unterstützen die Teams, besonders die Bombshells. Die Frauen auf den Tribünen gehen dabei genauso zur Sache wie jene auf der Bahn: "Auf geht's Milli zeig' Dein' Arsch", hallt es da durch die Fankurve – so die Art der Bombshell-Fans, die Spielerin Milli Vandally anzufeuern.

Währenddessen jammen Master Blaster und Apocalypse Meow auf Berliner Seite besonders gut – ein ums andere Mal winden sie sich elegant um des Gegners Pack. Pfeilschnell umkurven sie schon im Vorrundenbout gegen Go-Go-Gent die Defence und lassen ihnen keine Chance. Bei denen fährt PussyPit die meisten Punkte nach Hause.

Später, nach dem Halbfinalsieg der Berliner gegen Stockholm, brechen alle Dämme. Die Fans stürmen an die ovale Bahn. Um die Bombshells bildet sich ein johlender Partypulk. "Fiinale!"-Sprechchöre ertönen. Auch das Abklatschen darf nicht fehlen, ein Ritual in der Roller-Derby-Szene: Dabei sammeln sich die Anhänger am Bahnrand, die Spielerinnen drehen Ehrenrunden. Vielleicht feiern die Berlinerinnen danach ein bisschen zu heftig – am Tag darauf holen sie sich von den Londonerinnen eine ordentliche Klatsche ab. Die sind allerdings auch das Maß aller Dinge im europäischen Roller Derby.

Die Berlin Bombshells gibt es erst seit vier Jahren. Mittlerweile ist der Klub auf 100 Mitglieder angewachsen. Die Bombshells trainieren zehn Stunden in der Woche, nehmen den Sport sehr ernst. Es gibt ein Travel Team, das erste Team, dann gibt es noch B-Team und eine Anfängergruppe. Übermäßig hart findet Gründerin Meyer ihren Sport nicht: "Es ist nicht nur brutal und ruppig. Es kann schon mal 'n bisschen rund gehen, aber es ist auch ein sehr taktischer Sport."

Männer- und Jungenteams sind nach wie vor rar gesät. Die ersten bilden sich gerade erst, während Frauen in Deutschland seit 2007 gegeneinander antreten. Für die Männer sei die Frauendomäne zum Teil einschüchternd, sagt Meyer. "Klar, alle sagen immer, wie cool sie's finden, wenn sich da toughe Frauen umhauen", sagt sie, "aber wenn dann 'ne toughe Frau vor einem steht, sieht's schon anders aus."

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Leserkommentare
  1. ohne Ball??? Vielleicht macht es das ja für Männer uninteressant.

    Aber klar, liegt wahrscheinlich schon eher an den toughen Frauen, die sich dann im Mixed Team (was ja Frau Meyer mit ihrer letzten Aussage wohl impliziert) gegenseitig umchecken und ihren Arsch zeigen ;)

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