Die Probleme des Forschungsprojektes sind symptomatisch, der deutsche Sport wirkt lasch im Kampf gegen Doping . Weitere Beispiele: Der Großen Kommission der Universität Freiburg zur Aufklärung des Dopings an der Uniklinik sollen entscheidende Akten nicht zur Verfügung gestellt werden. Eine Präsentation der Ermittlungsarbeit lässt seit Längerem auf sich warten.

Die Politik sperrt sich im Bunde mit dem Sport seit Jahren gegen ein Anti-Doping-Gesetz. Zur Prüfung des Arzneimittelgesetzes bestellte das Innenministerium zuletzt einen Gutachter, der schon vorher gesagt hatte, dass er gegen eine Verschärfung der Gesetze ist. Das Ergebnis war dementsprechend.

Auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) wirkt matt. Aus Ermittlungen der Freiburger Staatsanwaltschaft zog sie keinen Nutzen. Das Erfurter Dopingverfahren versucht sie seit Monaten möglichst geräuschlos zu beenden, interpretiert wohlmeinende Einzelmeinungen als endgültige Regeln, stellt sich damit gegen die Welt-Anti-Doping-Agentur.

Die Missstände der deutschen Doping-Aufklärung stechen auch deswegen ins Auge, weil sie von anderen Nationen kontrastiert werden. Die Anti-Doping-Agentur der USA produzierte jüngst mit ihren Ermittlungen zu "Armstronggate" große Schlagzeilen. Sie schöpfte alle rechtlichen Möglichkeiten aus, sparte kein Risiko aus, um das System Armstrong zu zerstören. In Italien ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Padua gegen den reichen Doping-Arzt Michele Ferrari .

DOSB und BISp behaupten zwar jetzt, sie hätten das Projekt überhaupt nicht ins Leben gerufen, wenn sie an den Ergebnissen kein Interesse gehabt hätten. Doch die Unterfinanzierung und die juristische Gegenwehr lassen eher darauf schließen, dass das Projekt ohnehin nie mehr als ein Feigenblatt sein sollte. Alibi-Forschung, drittklassig, unrealistisch – mit diesen Etiketten musste das Projekt seit Beginn leben. Die Kritiker dürfen sich bestätigt fühlen .