Sportstreams : Ich streame, also bin ich ein Sport

Viele Sportarten sind es leid, bei den Fernsehsendern um TV-Präsenz zu betteln. Sie übertragen ihre Spiele einfach selbst – live im Netz.
Der Berliner Aleksandar Spirovski gegen Friedrichshafens Max Günthör und Juraj Zatko am 1. Spieltag der Volleyball-Liga © Max Nikelski/picture alliance/dpa

Eigentlich müsste die Sportschau umbenannt werden. Zum Flaggschiff der ARD-Sportredaktion würde der Name Fußballschau besser passen. Zumindest am quotenträchtigen Samstagvorabend besteht die Sportschau komplett aus Fußball: Erste Liga, Zweite Liga, Dritte Liga. Handball, Basketball, Eishockey, Volleyball, Leichtathletik, alles außer Fußball – gibt es nicht. Fußball dominiert so sehr, dass das höchste Aufsichtsgremium der ARD unlängst die eigene Programmgestaltung bemängelte . Der Fußball dürfe die Vielfalt des Sports nicht unterdrücken.

Eigeninitiative, die Geld kostet

Von einer ähnlichen TV-Präsenz wie das liebste Hobby der Deutschen haben die anderen Sportarten schon lange aufgehört zu träumen. Sie müssen um jede Fernsehminute kämpfen. Und zahlen. Anders als beim Fußball, um den es zwischen den Medienunternehmen millionenschwere Bieterschlachten gibt, müssen Randsportarten für Live-Übertragungen bei Privatsendern schon mal draufzahlen. Oftmals ist das finanziell riskant, doch wer nicht mitmacht, gerät in einen Teufelskreis: Keine TV-Präsenz bedeutet keine Aufmerksamkeit, bedeutet wenig Sponsorengelder, bedeutet sportliche Stagnation, bedeutet Unattraktivität, bedeutet keine TV-Präsenz.

Mittlerweile aber haben sich die Vernachlässigten etwas überlegt. Sie produzieren einfach ihre eigenen Bilder und stellen sie ins Internet. Technisch ist das kein Problem mehr, es ist zudem relativ kostengünstig. Vor allem aber ist es derzeit der einzige Weg, den Leuten außerhalb der Turnhallen von ihrem Sport zu erzählen. Die Online-Bewegtbilder belegen überhaupt erst die Existenz der kleineren Sportarten. Getreu dem Motto: Ich streame, also bin ich.

So kann der interessierte Sportfreund die besten Spiele der Deutschen Volleyball-Liga live im Netz verfolgen. Er kann in Echtzeit bei der Tischtennis-Bundesliga , bei allen Spielen der Damen-Basketball-Bundesliga , bei diversen nationalen Tennisturnieren oder auch mal bei einem Judo-Wettkampf dabei sein. Zusätzlich werden Highlightfilme vom Turnen , Handball oder Hockey produziert. "Man kann von einer wahren Explosion von Streams sprechen", sagt Kai Pahl, der sich in seinem Blog allesaussersport.de um Sport und Medien kümmert. "Vor allem die Randsportarten haben begriffen, dass es wenig Sinn macht, immer nur auf ARD und ZDF zu schielen, sondern Eigeninitiative zu zeigen."

Eigeninitiative, die Geld kostet. Beinahe beispielhaft ist die Entwicklung beim Deutschen Volleyball-Verband. Schon seit einiger Zeit versuchen die Volleyballer ihre Liga im Web-TV an den Mann zu bringen. Möglichst ohne zu zahlen. Das ging schief. Die alten Anbieter spobox und capella schafften es nicht, die Streams so zu vermarkten, dass sich der Aufwand für sie lohnt. Spobox forderte daher einen Produktionskostenzuschuss des Volleyball-Verbandes, der lehnte aber ab. Fast ein Jahr lang gab es deshalb kaum Volleyball-Bewegtbilder zu sehen.

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Dann gibt es da noch die E-Sports

Insbesondere in Südkorea hat sich der E-Sport auch im Mainstream-TV durchsetzen können. Die meisten anderen Länder der Welt begnügen sich mit Internet-Streams, wie zum Beispiel via www.twitch.tv. Einfach mal reinschauen, hier werden regelmäßig Turniere aus diversen Spielen übertragen – mein Favorit: Starcraft 2, mit einer lebendigen internationalen Szene. Mit Sicherheit auch eine interessante Erfahrung für Neulinge! ;-)

Kein Thema für Spitzenfußball

Streaming ist aber leider noch kein Thema beim Spitzenfußball. Sky hat zwar eine Streaming-Lösung (Sky Go) aber das kostet auch wieder extra. Gerade was Fußball angeht kommt man unter 50€ / Monat wohl nicht an ein umfassendes und mobiles Programm.

Auch ein Thema: Illegale Streams.

Vorgehensweise: Sky Abonnent mit schneller Internetleitung sendet Programm an einen Webserver, der das Signal als Livestream weiterverteilt.

Eishockey regelmäßig im Free-TV

ServusTV hat mittlerweile eine recht große Verbreitung (über Satellit sowieso deutschlandweit) und zeigt Sonntags auf hohem technischen Niveau (Full HD, Zweikanalton auch ohne Kommentar etc) ein Spiel der DEL. Dazu Freitags abends ein Eishockeymagazin mit Neuigkeiten aus der DEL und EBEL. Das ist für mich Pflichtprogramm, ansonsten schaue ich kaum Fernsehen.

Die Prävalenz des Fußballs bei den Öffentlich-Rechtlichen stört mich insbesondere deswegen, weil hier Gebührenmillionen ausgegeben werden und die Gefahr besteht, dass eine Art Selbstbedienungsladen entsteht, bei dem die Lizenzkosten immer weiter steigen (natürlich immer mit dem Verweis auf die Lizenzkosten in anderen Ländern, die ja "den deutschen Teams keinen internationalen Wettbewerb" möglich machen solen). Natürlich ist Fußball beliebt, aber auch zum Eishockey finden sich in vielen Städten jedes Wochenende mehr als 10.000 Zuschauer im Stadion ein.

Es geht aber nicht um FreeTV

sondern um die öffentlich Rechtlichen und vor allem die Sportsender. Wenn man sich überlegt, wie wenig Sport1 tatsächlich Sport zeigt, wird einem übel. Es gibt so viele großartige Sportarten, die ein Nischendasein fristen, aber stattdessen wird täglich lieber stundenlang das selbe dumme Rätzsel gelöst.
Auch Eurosport begießt sich nicht mit Ruhm, zeigt aber zumindest bei eurosport2 einige andere Sportarten. Aber der Redakteur hat Recht. Die Sportschau hat einiges an Reiz verloren, wenn quasi eine Stunde lang Fußball gezeigt wird, der bereits 4h vorher bei der ARD zu sehen ist.
Aber selbst die Bundesligazusammenfassung ist ein Witz. Von 18:00 - ca. 18:45 wird unterklassiker Fußball gezeigt (den man schon auf den Regionalsendern bewundern kann), dann Werbung, Ankündigungen und von den Bundesligaspielen sieht man effektiv vielleicht ne Stunde.
Die öffentlich Rechtlichen sollten ihr Programmkonzept überdenken.
Und da ich mich gerade aufrege. Mich nervt es, dass bei einem übertragen Livespiel dieses immer durch die 10Min. heutejournal unterbrochen werden in der Pause. Da könnte man auch das Spiel analysieren oder anderweitige Dinge bereden.