Füchse BerlinHandball-Training auf dem Smartphone
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Das "Youtube der Füchse"

Alexander Haase holt seinen Laptop aus der Tasche, startet das Gerät und wenige Augenblicke später ein Programm namens "Sideline". Die Oberfläche der Software erinnert an ein Email-Programm, nur dass man Begriffe wie "Posteingang" oder "Gesendete Nachrichten" vergeblich sucht. Stattdessen gibt es andere Felder: "Übungen" steht auf der linken Seite des Bildschirms, darunter "Trainingspläne" und wiederum ein Feld tiefer "Dokumente". Haase öffnet die Dokumente mit einem Doppelklick, dutzende Video-Zusammenschnitte bauen sich auf, die Liste scheint gar kein Ende zu nehmen.

Der Co-Trainer navigiert durch jene Plattform, die Trainer Sigurdsson im Interview mit dem Tagesspiegel im März als eine Art "Youtube der Füchse" beschrieben hat und die von ihm und Haase regelmäßig mit Informationen gefüttert wird. Diese Video-Clips dienen den Füchse-Spielern schließlich zur persönlichen Spielvorbereitung. Auf ihren Laptops können sie sich die Sequenzen jederzeit und überall ansehen, einzige Voraussetzung ist ein Internet-Zugang. "So können die Spieler in Mitte im Café sitzen und sich trotzdem auf das Spiel vorbereiten", sagte Sigurdsson im Interview. Selbst als App für Smartphones ist das Programm mittlerweile erhältlich, einige Spieler greifen bereits auch auf diesen technischen Fortschritt zurück.

Auch Alexander Haase empfindet die Software als enorme Arbeitserleichterung. "Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als ich mit Zettel und Stift an der Seitenlinie saß und jede kleinste Kleinigkeit mitgeschrieben habe", sagt er. "Das ist zum Glück vorbei, auch wenn das Gesamtpensum für uns dadurch nicht wirklich weniger geworden ist." In der Saison 2011/12 absolvierten die Füchse beispielsweise 53 Pflichtspiele. "Ein irrsinniges Programm", sagt Haase, der mittlerweile dauerhaft die Bilder einer ganzen Saison unter seinem Arm umherträgt, auf seinem Rechner sortiert nach Gegnern, Situationen und einzelnen Akteuren aus dem 19-köpfigen Kader der Berliner.

Bei all der Datenflut erscheint es umso wichtiger, die Spieler in den personalisierten Videos nicht zu überfordern. Zieht der gegnerische Spielmacher lieber zur Hand oder gegen die Hand? Wo parkt der Konkurrent seinen Kreisläufer am liebsten? Welcher Spieler löst mit welcher Aktion welche Handlung aus? Und, für die Torhüter enorm wichtig, welches Wurfbild weisen die Rückraumschützen des Gegners auf? "Zentrale Fragen", sagt Haase, "aber für uns ist etwas anderes entscheidend: die richtige Mischung." Idealerweise sollen die Spieler genug Informationen bekommen, um gut vorbereitet zu sein, andererseits sollen es nur so viele Tipps sein, dass sie auch verarbeitet werden können. "Dagur überträgt den Spielern eine enorme Eigenverantwortung, ohne die Zügel aus der Hand zu geben", sagt Haase.

Sigurdsson selbst übernimmt dabei für gewöhnlich die taktische Vorbereitung, Haases Arbeit beginnt im Regelfall nach dem Schlusspfiff. Ob es für ihn weniger Arbeit bedeutet, wenn die Füchse das zu analysierende Spiel siegreich gestaltet haben? Haase schmunzelt. "Die Annahme liegt nahe", sagt er, "aber so ist es nicht." Allerdings räumt der 36-Jährige ein: "Der Spaßfaktor ist natürlich wesentlich höher, wenn wir gewonnen haben."

Erschienen im Tagesspiegel

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