DFB-Präsident : Zwanzigers Skandal-Buch
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Selbstreinigungsprozess und Fifa, das hört sich an wie Fett und Wasser

In den ersten Jahren seiner Präsidentschaft krempelt Klinsmann den Verband sportlich um, Zwanziger gesellschaftlich. Der Julius-Hirsch-Preis, der an die NS-Vergangenheit des Verbands gemahnen soll, wird ins Leben gerufen. Den Hoyzer-Skandal übersteht Zwanziger mit Ach und Krach, mit dem Sommermärchen kommt Glück dazu. Interessant sind die Machtkämpfe mit Klinsmann. Der Schwabe räumt mit Funktionärsprivilegien und mit Kaiserauer Sportschule auf, zeigt sich als Radikalreformer und lässt sich dabei herzlich wenig von der Öffentlichkeit beeindrucken. Zwanziger bleibt hier gemäßigter Stratege.

Vielleicht ist es das stets Diplomatische, das Saubermännische, das ihn bis heute in der Öffentlichkeit nicht allzu beliebt macht. Dass es einen Plan gab, Klinsmann möglicherweise während der WM 2006 zu feuern und durch Sammer zu ersetzen, ist ein Detail. Mehr nicht.

In Krisenzeiten reagierte Zwanziger oft vorschnell. In der Amerell-Affäre fühlt er sich von der Öffentlichkeit missverstanden. Das vorliegende Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Schiedsrichter und seinen Untergebenen habe das frühe Handeln nötig gemacht.

Was die Zukunft des DFB angeht, hinterlässt Zwanziger Ungewissheit: In den Bundesligastadien steuert man zunehmend einem "englischen Modell" entgegen, sagt er. Den gleichberechtigten Dialog mit den Fans hat man mit und nach Zwanziger nicht erreicht. Derzeit hat man das Gefühl, er und seine Nachfolger sind von Jugendkulturen wie den Ultras Lichtjahre entfernt – sie können oder wollen das positive Potenzial, was dort auch schlummert, nicht erkennen. Zwanziger befürwortet die Abschaffung von Stehplätzen in "problematischen" Stadien. Die Frauenfußball-Bundesliga dümpelt vor sich hin, ein reicher Verein wie der HSV meldet sein Team ab. Und die schwulen Fußballer? Sprechen anonym.

Heute ist Zwanziger Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa. Auch beim Weltverband setzt er auf einen Selbstreinigungsprozess. Selbstreinigungsprozess und Fifa, das hört sich an wie Fett und Wasser. Zwanziger aber setzt im Weltverband auf das Reinigungsmittel Ethikkommission. Im Buch beschreibt Zwanziger seine Tätigkeit auf internationaler Ebene als "Auswärtsspiel".

Zwanziger hat es sich zum Teil selbst zuzuschreiben, etwa durch ein zuletzt bisweilen selbstgefälliges Auftreten während seiner Amtszeit, dass man kaum mehr über seine Verdienste spricht. Wenn dieses Buch aber als "Übel des Jahres in die Fußballbranche" (SZ) eingehen sollte, dann sagt das auch etwas über jene, die "Zurück zum Kerngeschäft" wollen: Die von Zwanziger in breiten Teilen ausgeführte inhaltliche Kritik würden sie gerne überlesen – und sich auf die wenigen, angeblich skandalträchtigen Bild-Passagen beschränken.

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Sehr treffend,

skizziert vom Autor. Der größte Aufhänger des Buches wurde die Kritik an Hoeneß und Sammer, was jedoch albern ist, denn man sollte doch meinen, dass man in München darüber steht und der Erfolg (mit Sammer) der Führungsriege recht gibt.
Jemand, der in einer solchen Häufigkeit und vor allem auch Härte austeilt, wie Hoeneß, jedoch keinerlei Kritik zulässt wird zum Meinungsführer und am meisten ärgert es mich, dass hier die Bildzeitung die Berichterstattung über das Buch lenkt.
Im Sport1 Doppelpass saß ein Reporter von jener Zeitung, und verriss das Buch, obwohl er nur die Bildpassagen kannte. So auch die anderen Diskussionsteilnehmer. Man sollte nur darüber schreiben/reden, wenn man es insgesamt gelesen hat.

Bei aller Bescheidenheit, Herr Uthoff,

aber Thomas Kistner von der SZ, den Sie hier wohl gezielt ansprechen, ist bestimmt niemand, der inhaltliche Kritik gerne überlesen würde. Im Gegenteil, er ist wohl immer noch DER Sportredakteur im Lande, wenn es um entscheidende Fragen der Deutschen und Internationalen Fußball- und Sportwirtschaft geht.

Daher finde ich seinen Kommentar in der heutigen "Süddeutschen" absolut treffend. Hier für alle zum nachlesen:

http://www.sueddeutsche.d...