Wirbelsturm SandyNew Yorks Bürgermeister sagt Marathon ab

Trotz aller Widrigkeiten sollte am Sonntag der New York Marathon stattfinden. Nach heftiger Kritik hat Bürgermeister Michael Bloomberg sich nun doch anders entschieden. von dpa und dapd

Der Vorjahressieger Geoffrey Mutai (rechts) während des New York Marathons 2011

Der Vorjahressieger Geoffrey Mutai (rechts) während des New York Marathons 2011  |  © Timothy A. Clary/AFP/Getty Images

Zum ersten Mal seit vier Jahrzehnten wird es in diesem Jahr keinen New-York-Marathon geben. Nur 35 Stunden vor dem Startschuss hat die Stadtverwaltung den Lauf doch abgesagt. "Wir möchten nicht, dass ein Schatten über dem Lauf oder seinen Teilnehmern hängt", teilten New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und Veranstaltungschefin Mary Wittenberg mit.

Zuvor war Kritik laut geworden , weil der Lauf nur wenige Tage nach dem Wirbelsturm Sandy wie geplant stattfinden sollte. Angesichts der Verwüstungen und der noch nicht abgeschlossenen Suche nach Toten sei es unsensibel und würde Einsatzkräfte von wichtigeren Aufgaben abhalten, hatten Bürger und Politiker kritisiert. Bloomberg hatten hingegen auf die wirtschaftliche Bedeutung des Marathons verwiesen. Einer Studie zufolge beschert das Rennen der Stadt Einnahmen in Höhe von etwa 340 Millionen Dollar. Von den Veranstaltern hatte er den Untertitel "Lauf für den Wiederaufbau" bekommen.

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In der Erklärung der Stadtverwaltung heißt es nun: "Wir können keine Kontroverse über ein sportliches Ereignis zulassen, die die Aufmerksamkeit ablenken würde von all der wichtigen Arbeit, um New York wieder aufzubauen und unsere Stadt wieder in die Spur zu bringen." Gleichzeitig wurde der seit 1970 jährlich stattfindende Lauf als "integraler Teil des Lebens dieser Stadt" gewürdigt. "Der Marathon hat unsere Stadt immer zusammengebracht und uns inspiriert mit seinen Geschichten des Mutes und der Entschlossenheit."

Nach den Terroranschlägen fand der Marathon statt

In der Tat hatte der Lauf jedes Jahr stattgefunden – auch 2001, nur wenige Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Für dieses Jahr wurden 47.000 Läufer und zwei Millionen Schaulustige erwartet. Viele Teilnehmer waren bereits angereist.

New Yorks stellvertretender Bürgermeister Howard Wolfson sagte, dass über eine Verlegung gesprochen worden sei. "Wir haben das diskutiert. Wir haben auch über eine verkürzte Route diskutiert, etwa eine Zehn-Meilen-Strecke. Aber das wäre nicht unser Marathon." Zum New-York-Marathon gehöre es, dass er durch alle fünf Stadtteile führe: "Es tut mir leid für alle Läufer, die sich auf dieses Ereignis gefreut haben. Bitte kommen Sie nächstes Jahr wieder."

Bei dem Wirbelsturm Sandy waren in der Nacht zum Dienstag mindestens 40 Menschen in New York ums Leben gekommen. Hunderttausende Menschen sind auch Tage später noch ohne Strom und Wasser, Tausende sind obdachlos. Auch Benzin ist knapp . Der Marathon hätte zwar nicht direkt durch das Katastrophengebiet geführt, allerdings ist die Versorgung der Läufer aufwendig.

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Leserkommentare
    • Infamia
    • 03. November 2012 10:08 Uhr

    ...aber in Anbetracht der Umstände wohl die richtige Entscheidung. Zu viele Kräfte wären für so ein Lauf-Ereignis gebündelt, die man momentan an anderer Stelle gut gebrauchen kann.

    Für ambitionierte Läufer sehr ärgerlich, denn so eine Vorbereitung nimmt doch sehr viel Zeit in Anspruch und man trainiert ja für den Tag X. Was soviel heißt, die Form kann man nicht beliebig für andere Läufe mitnehmen. Aber wie gesagt, in Anbetracht der Umstände wohl die einzig richtige Entscheidung.

    • ay.ke
    • 03. November 2012 15:39 Uhr

    zwar schade für alle die sich bereits seit Monaten darauf vorbereiten, dennoch ist dies im Anbetracht der Lage nur die logische Konsequenz. Mit dem Marathon nach 9/11 ist dies nicht zu vergleichen, dieser hatte Signalwirkung nach dem Motto "the show must go on".

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, nf
  • Schlagworte Michael Bloomberg | Benzin | Bloomberg | Dollar | Marathon | Stadt
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