Es gibt Regatten die Ruhm versprechen, Regatten, bei denen man sein Leben aufs Spiel setzt, um an das Versprechen "Ruhm" zu gelangen. Die Vendée Globe ist so ein Versprechen. Sie ist nur qualifizierten Einhand-Seglern vorbehalten. Periodisch. Alle vier Jahre. Im aktuellen Rennen sind es zwanzig Skipper aus sechs Nationen, die bereit sind das Versprechen auf Glaubwürdigkeit zu testen. Die Regeln sind von biblischer Einfachheit, das Prinzip benötigt nicht einmal eine Zeile: "Nonstop, allein und ohne Hilfe um die Welt". Wer das nicht leisten kann, ist ausgeschieden. Wie auch immer.

Das Mekka aller Offshore-Regatta-Enthusiasten ist in diesen Tagen der Yachthafen von Les Sables d’Olonne, einer kleinen Stadt am Atlantik, nahe Nantes. Knapp eine Million Menschen sind gekommen. Links und rechts an den breiten Potons haben zwanzig der modernsten High-Tech-Yachten der Welt festgemacht, wegen der Länge von 60 Fuß Open Sixties genannt. Besucher haben sich jeden Tag in langer Reihe geduldig angestellt, gedrängt und gestaut, um einen Blick auf die "Racer" zu werfen. Heute, wenn die Festmacherleinen losgeworfen werden, wird sie der Atem der Sportgeschichte streifen. Der Start der 7. Vendée Globe steht bevor.

Die französisch-englisch-schweizerisch-spanisch-polnisch-italienische Skipper-Elite hat den eher behäbigen Yachtsport in eine Extremdisziplin verwandelt. Die Vendée Globe ist gewagter als die Durchquerung von Eiswüsten, aber genauso entbehrungsreich wie die Ersteigung des Everest. Sie hat so gar nichts mit dem Snob-Appeal zu tun, der noch immer die Elite der deutschen Hochseesegler umgibt. Die altehrwürdigen Yachtclubs setzen eher auf Teamwork und Sicherheit. Für viele gilt die Vendée Globe, oder jedes andere Einhandrennen als "unseemännisch". Vielleicht erklärt dies die Tatsache, warum auch diesmal beim Ozeanmarathon nicht ein einziger Deutscher am Start ist.

Im seit Wochen stark pressefrequentierten Yachthafen in Les Sables kursiert ein Spruch unter den Offshore-Helden, die auch als "Extremisten der Weltmeere" bezeichnet werden: "Wenn du über die Startlinie segelst und das Race für dich endlich losgeht, hast du den schwierigsten Teil deiner Reise schon hinter dir!" Gemeint sind nicht nur die aufreibenden Jahre der Sponsorensuche, die Millionen für den Yachtbau gespendet haben, sondern vor allem der medienspezifische Eventcharakter in Form von TV- und Fototerminen und Audioaufnahmen. Nicht zu vergessen die permanenten Tests am laufenden und stehenden Gut der Schiffe, das Manöver-Training in jeder Wetterlage, Erprobung der neuesten Bordhydraulik und -mechanik, meteorologische Seminare, spezielle Kenntnisse über mögliche Verletzungen/Erkrankungen an Bord und deren Therapien, die sensible Elektronik an Bord und was es sonst noch alles rund um das psychologisch enorm wichtige Schlafmanagement während des Rennens gibt.