Vendée GlobeDie Extremisten der Weltmeere

Nonstop, allein, ohne Hilfe um die Welt: Zwanzig Skipper setzen ihr Leben aufs Spiel, um beim monatelangen Vendée Globe das Ziel zu erreichen. Von Johannes. K. Soyener von Johannes. K. Soyener

Der Start der Vendée Globe in Les Sables

Der Start der Vendée Globe in Les Sables  |  © Fred Tanneau/AFP/Getty Images

Es gibt Regatten die Ruhm versprechen, Regatten, bei denen man sein Leben aufs Spiel setzt, um an das Versprechen "Ruhm" zu gelangen. Die Vendée Globe ist so ein Versprechen. Sie ist nur qualifizierten Einhand-Seglern vorbehalten. Periodisch. Alle vier Jahre. Im aktuellen Rennen sind es zwanzig Skipper aus sechs Nationen, die bereit sind das Versprechen auf Glaubwürdigkeit zu testen. Die Regeln sind von biblischer Einfachheit, das Prinzip benötigt nicht einmal eine Zeile: "Nonstop, allein und ohne Hilfe um die Welt". Wer das nicht leisten kann, ist ausgeschieden. Wie auch immer.

Das Mekka aller Offshore-Regatta-Enthusiasten ist in diesen Tagen der Yachthafen von Les Sables d’Olonne, einer kleinen Stadt am Atlantik, nahe Nantes. Knapp eine Million Menschen sind gekommen. Links und rechts an den breiten Potons haben zwanzig der modernsten High-Tech-Yachten der Welt festgemacht, wegen der Länge von 60 Fuß Open Sixties genannt. Besucher haben sich jeden Tag in langer Reihe geduldig angestellt, gedrängt und gestaut, um einen Blick auf die "Racer" zu werfen. Heute, wenn die Festmacherleinen losgeworfen werden, wird sie der Atem der Sportgeschichte streifen. Der Start der 7. Vendée Globe steht bevor.

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Die französisch-englisch-schweizerisch-spanisch-polnisch-italienische Skipper-Elite hat den eher behäbigen Yachtsport in eine Extremdisziplin verwandelt. Die Vendée Globe ist gewagter als die Durchquerung von Eiswüsten, aber genauso entbehrungsreich wie die Ersteigung des Everest. Sie hat so gar nichts mit dem Snob-Appeal zu tun, der noch immer die Elite der deutschen Hochseesegler umgibt. Die altehrwürdigen Yachtclubs setzen eher auf Teamwork und Sicherheit. Für viele gilt die Vendée Globe, oder jedes andere Einhandrennen als "unseemännisch". Vielleicht erklärt dies die Tatsache, warum auch diesmal beim Ozeanmarathon nicht ein einziger Deutscher am Start ist.

Im seit Wochen stark pressefrequentierten Yachthafen in Les Sables kursiert ein Spruch unter den Offshore-Helden, die auch als "Extremisten der Weltmeere" bezeichnet werden: "Wenn du über die Startlinie segelst und das Race für dich endlich losgeht, hast du den schwierigsten Teil deiner Reise schon hinter dir!" Gemeint sind nicht nur die aufreibenden Jahre der Sponsorensuche, die Millionen für den Yachtbau gespendet haben, sondern vor allem der medienspezifische Eventcharakter in Form von TV- und Fototerminen und Audioaufnahmen. Nicht zu vergessen die permanenten Tests am laufenden und stehenden Gut der Schiffe, das Manöver-Training in jeder Wetterlage, Erprobung der neuesten Bordhydraulik und -mechanik, meteorologische Seminare, spezielle Kenntnisse über mögliche Verletzungen/Erkrankungen an Bord und deren Therapien, die sensible Elektronik an Bord und was es sonst noch alles rund um das psychologisch enorm wichtige Schlafmanagement während des Rennens gibt.

Leserkommentare
  1. einmal anders-ich wünsche allen Teilnehmern das sie unbeschadet ihr Ziel finden.

    • mjakobs
    • 12. November 2012 16:02 Uhr

    All diese Segelregatten haben etwas Unerquickliches, das die sportliche Begeisterung oder die Träume von der grenzenlosen Seefahrt erstickt:

    das Sponsorentum, das solche Fahrten nur zulässt, wenn sie (und ihre Betreiber) nur dann starten lässt, wenn sie kompatibel sind mit den werblichen Interessen ihrer Sponsoren: sie müssen also der kommerziellen Vermarktung der jeweiligen Gewinninteressen irgendwelcher Hersteller oder Konzerne zugänglich sein und geeignet für die Darstellung auf hochglanzbedruckten Werbebroschüren.

    Wer dem Traum der Freiheit der Weltmeere folgt ist damit also fehl am Platz, wenn er sich bei Events, wie dem Vendee Globe umschaut.

    Anders verhielten sich die Dinge noch beim "Golden Globe Race" 1968, an dem u.a. Bernard Moitessier teilnahm - allerdings bereits damals mit gewissen Vorbehalten, die seine Teilnahme an Vendee Globe usw. definitiv ausgeschlossen hätten.
    Allein die Bedeutung des millionenschweren Finanzmanagements, das für die Teilnahme beim Vendee Globe erforderlich ist, zerstört jegliche Illusion, die man sich machen könnte.

    Dagegen stehen andere Akteure, wie etwa der Schwede Yrvind (www.yrvind.com) oder der Brite Roger Taylor, die mit ihren Mini-Yachten, etwa der "Ming-Ming" (http://www.youtube.com/us...), transozeanische Reisen unternehmen.

    Die werden jedoch ungeachtet ihrer Erfolge vorzugsweise von den Medien als Hazardeure stigmatisiert: sie sind untauglich, der Industrie Kundschaft und Umsätze zu generieren.

  2. der kann sich unser diesem Link über das Spektakel informieren: http://www.vendeeglobe.or...
    Hier gibt es alle aktuellen Infos, Live-Videos, Tracking etc.

  3. ..sind nicht dabei, weil die Regatta "zu wenig seemännisch" ist, ist wohl nicht der Grund. Eher ist es so, dass der Deutsche Segler eher das Abenteuer an der Bar seines Yachtclubs sucht.

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  • Schlagworte SMS | Antarktis | Nantes
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