Wolfsburg-FansAuf ein Weizenbier mit den Radkappen
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Etwa die Hälfte der VfL-Fans arbeitet bei Volkswagen

Eine Radkappe

Eine Radkappe  |  © Oliver Fritsch

Wolfsburg hat, statistisch erwiesen, den höchsten Frauenanteil unter seinen Fans. Auf Auswärtsfahrten fällt das schon mal auf, weil andere Stadien zu wenig Damentoiletten haben. Und Wolfsburg hat vermutlich die meisten Familienväter. So wie Thomas, Ralf und Rainer, die seit vielen Jahren zum VfL kommen, zum Teil noch die Zweitligazeiten in den neunziger Jahren mitgemacht haben. Manchmal nimmt Ralf seine beiden Jungs, fünf und neun Jahre, mit ins Stadion. Dann gibt er sie beim Spielplatz ab.

"Der Kleine bleibt dort", sagt er, "der Große kommt ab und an zu mir und schaut Fußball". Thomas kommt oft mit seiner Lebensgefährtin. Er war früher St.-Pauli-Fan, aber das Erlebnis Millerntor sei nicht mehr dasselbe wie früher, sagt er. Ralf kommt ursprünglich aus der Nähe von Stuttgart , war mal VfB-Fan.

Alle drei arbeiten für Volkswagen, damit sind sie typische Stadionbesucher. Schätzungen zufolge ist mehr als die Hälfte der Wolfsburg-Fans bei VW beschäftigt. Das hat praktische Auswirkungen. Vor zwei Wochen kamen zum Pokalspiel am Mittwochabend nur 7.500 Zuschauer. "Das wird unter der Woche immer so sein", sagt Thomas. "Denn die Anstoßzeit betrifft gleich zwei Schichten von Volkswagen, die Spät- und die Nachtschicht." Thomas selbst arbeitet im Presswerk in drei Schichten.

Die drei kennen die Klischees, die über Wolfsburg-Fans im Umlauf sind. Sie spielen damit, weil sie wissen, dass ein Stückchen Wahrheit dran ist. Ihr Fanclub trägt den selbstironischen Namen "Die Radkappen". Den haben sie von den Fans von Eintracht Braunschweig übernommen, die die Wolfsburger einst so bezeichneten. "Dreißig Jahre keine Bundesliga, das ist die Tradition der Eintracht", sagt Rainer. Eine Anspielung auf den Lokalrivalen aus Braunschweig, der Verein ist mit seiner großen Fan-Menge und seiner Geschichte ein Gegenstück zum VfL.

Nach dem Spiel sitzen Thomas und Ralf im Fan-Haus neben dem Stadion und trinken Weizenbier. Thomas hat Erna von seiner Kappe abgeschraubt und dem Fan-Beauftragten in die Hand gedrückt, damit der sie im Fernsehen zeigt. Ihr Team hat sich von den Abstiegsrängen distanziert. Sie sind erleichtert über den Sieg, der Gegner war leidenschaftslos. "Die Leverkusener dürfen wiederkommen", sagt Thomas. Das tun sie auch, zum Pokalspiel an einem Dezemberdienstag. "Aber ich komme nur", sagt Thomas, "wenn ich keine Schicht hab."

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Leserkommentare
    • JUKOS
    • 12. November 2012 18:14 Uhr

    Es ist wahrscheinlich die Erleichterung darueber, dass die 100 mio., die den VW Mitarbeitern teilweise vom Lohn angezogen wurden, nicht ganz umsonst ausgegeben wurden.

    Aber auch in Wob gibt es Fans, die aufstehen und unbeliebte Spiler anschreien und auspfeiefen, dabei sehen sie aber noch etwas unbeholfen aus...

  1. Echte Fußballfans halten unabhängig vom Erfolg und Wohnort ihrem Verein die Treue!

    Nur der FCK!

    Eine Leserempfehlung
  2. Niedlich geschrieben, dass es in Wolfsburg unbestätigten Gerüchten zum Trotz doch eine "Fanszene" gibt.

    Allerdings, wenn ich mich bei meinem örtlichen Bezirksligisten umschaue, dann finde ich auch den einen oder anderen mit von der Oma selbstgetricktem Schal und bunter Fahne. Ob eine solche Szene allerdings bundesligareif ist? .......

    Und wenn eine niedrige Zuschauerzahl bei einem Heimspiel mit dem Schichtwechsel bei VW begründet ist, dann stellt sich für mich doch die Frage, wie es die Fans eines Zweitligisten wie Kaiserslautern es organisatorisch hinbekommen, zum zu 99% aussichtslosen Pokalspiel bei Bayern Mittwochsabends annähernd die gleiche Anzahl von Fans im Gästeblock zu haben wie Wolfsburg zu Hause. Und man kann davon ausgehen, dass es sich hier nicht nur um Arbeitslose oder Studenten handelt.

    Zum Vergleich dazu ein Blick in den Wolfsburger Gästeblock bei einem Spiel am Wochenende in Frankfurt:

    http://img398.imageshack.us/img398/9568/unbenanntqj1.jpg

    Da stimmt doch der Satz: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

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    Damit reihen Sie sich in die lange Reihe derer ein, die als Anhänger eines Traditionsvereins neue+reiche Clubs wie den VfL Wolfsburg einfach schon aus Prinzip nicht mögen. Das ist ja auch okay, aber warum "stützen" Sie ihre Ansicht immer auf so abenteuerliche und erfundene Behauptungen wie das mit den Zuschauern?

    Stadion Kaiserslautern: 49.780 Plätze, Zuschauerschnitt 2011/2012: 42.429
    Stadion Wolfsburg: 30.000 Plätze, Zuschauerschnitt 2011/2012: 27.616

    Wo ist da jetzt bitte der Unterschied, der die Fans aus Kaiserslautern so viel toller macht?
    Und übrigens, Spiele gegen Bayern sind in Wolfsburg stets ausverkauft. So wie wohl auch bei so ziemlich jedem anderen Verein. Die Erfolgschancen spielen da keine wirkliche Rolle.

  3. Stimmt, 1. FCK hab ich neulich auch gesehen. Als Aufkleber im Fahrstuhl.

    Ich mag die Wolfsburger Fans. Die wissen sich zu benehmen und gucken Fußball weils halt Fußball ist. Da kann man wirklich auch mit Kindern hin. Und wenn sie zu Gast sind, erkennt man die öffentlichen Verkehrsmittel hinterher auch noch als solche.

    Bringt ja auch nix wenn man in Niedersachsen wohnt und arbeitet, aber krampfhaft am VfB festhält. Da müsste man alle zwei Wochen durch die halbe Republik fahren um mit Leuten in der Kurve zu stehen, mit denen man an den anderen sechs Tagen der Woche sowieso nichts unternehmen kann.

    "Lebenslang Verein XY" ist erfahrungsgemäß die Philosophie zweier Grundtypen von Fans: Die einen sind geistig nicht flexibel genug, um sich mal was Neuem zu widmen. Die anderen sind einfach noch nie aus ihrem Kaff (ist Kaiserslautern eigentlich überhaupt noch Großstadt?) rausgekommen.

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    Bin geistig flexibel und wohn in Frankfurt am Main.
    Tja war wohl nix mit dem Klischee

    Mag ja sein, dass sie eine geisitge Flexibilität vorweisen können, aber offensichltich reicht es nicht. Einfach nicht genug. wie ich schon schrieb.
    QED.

    Ziemlich engstirnig die geistige Flexibilität eines Fussballfans daran festzumachen wie oft er seinen Verein wechselt.

    Und was haben sie gegen Leute die in ihrer Heimat bleiben, und nicht quer durch die ganze Republik ziehen.

    Und ob sie es glauben oder nicht aber Kinder können auch in andere Stadien mitgenommen werden, auch wenn die keinen extra Spielplatz haben.

    • Jo_Zy
    • 23. November 2012 15:19 Uhr

    ...um was tun zu können? Beizeiten die Fahne nach dem Wind hängen und aufs schnellere Pferd setzen ? Beizeiten aus dem schwächelnden Verein austreten den man seit Jahren gefeiert und gelitten, geliebt und verflucht hat und sich einer erfolgversprechenden, neu auf dem Markt erschienenen Marke zuwenden? Oder vielleicht gleich die kranke Frau verlassen und ne jüngere suchen ?
    Bitte die Dramatisierung zu entschuldigen aber müssen wir denn tatsächlich alle zu Fussball-Konsumenten werden? Als "Fan" wird man gerne belächelt, denn der Zeitgeist fordert in allen Bereichen flexibel und möglichst emotional distanziert zu bleiben. Besser ists wohl leider, denn man bietet keinerlei Angriffsfläche und kann sich bequem im Mainstream ausruhen. Wer trotzdem naiv genug ist eine Form von Zuneigung zu einem Verein zu entwickeln die den Voyeurismus eines Kollektiv-Entertainments übersteigt, riskiert auch noch dafür verspottet zu werden dass seine Rumpeltruppe langsam aber sicher von den teuren Spielzeugen eines gelangweilten Konzern-Vorstandes aus dem Fussballalltag verdrängt wird. Bleibt einem offensichtlich wenig anderes übrig als dem Spektakel unbeteiligt zuzusehen. Oder einfach ins Kino gehn, oder fernsehen.Ob Fussball oder Monster Trucks, Popcorn oder Bratwurst.. schmeckt eh überall ähnlich. Aber bitte nicht über die zunehmende Radikalisierung wundern, ein paar Emotionen müssen offensichtlich noch raus, ehe dies nirgendwo mehr möglich ist.

  4. Damit reihen Sie sich in die lange Reihe derer ein, die als Anhänger eines Traditionsvereins neue+reiche Clubs wie den VfL Wolfsburg einfach schon aus Prinzip nicht mögen. Das ist ja auch okay, aber warum "stützen" Sie ihre Ansicht immer auf so abenteuerliche und erfundene Behauptungen wie das mit den Zuschauern?

    Stadion Kaiserslautern: 49.780 Plätze, Zuschauerschnitt 2011/2012: 42.429
    Stadion Wolfsburg: 30.000 Plätze, Zuschauerschnitt 2011/2012: 27.616

    Wo ist da jetzt bitte der Unterschied, der die Fans aus Kaiserslautern so viel toller macht?
    Und übrigens, Spiele gegen Bayern sind in Wolfsburg stets ausverkauft. So wie wohl auch bei so ziemlich jedem anderen Verein. Die Erfolgschancen spielen da keine wirkliche Rolle.

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    Sie werden wohl einsehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Pokalspiel auswärts Abends in München und Heimspiel zu Hause an einem Samstag gegen München? Son Heimspiel gegen Bayern kann jeder Dorfverein ausverkauft kriegen. Das ist keine Kunst.
    Die Golfsburger schaffe es ja nicht mal an einem Mittwoch den Auswärtsblock im Volksparkstadion zu fülllen. Naja da trifft ja der Name "Weekend Boys" der Ultras ja voll ins Schwarze.

  5. Bin geistig flexibel und wohn in Frankfurt am Main.
    Tja war wohl nix mit dem Klischee

    Antwort auf "Ja natürlich"
  6. Sie werden wohl einsehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Pokalspiel auswärts Abends in München und Heimspiel zu Hause an einem Samstag gegen München? Son Heimspiel gegen Bayern kann jeder Dorfverein ausverkauft kriegen. Das ist keine Kunst.
    Die Golfsburger schaffe es ja nicht mal an einem Mittwoch den Auswärtsblock im Volksparkstadion zu fülllen. Naja da trifft ja der Name "Weekend Boys" der Ultras ja voll ins Schwarze.

    Antwort auf "heiße Luft"
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    ...worauf sie hinauswollen. Was für ein Volksparkstadion? Meinen sie damit das HSV-Stadion, das vor 2001 so hieß?
    Und sind die Wolfsburger Fans jetzt irgendwie schlechter als andere Fans, weil sie am Mittwoch/Donnerstag im Werk arbeiten müssen, und daher keine Zeit haben unter der Woche zum Auswärtsspiel zu fahren? Und Ihnen ist schon klar, das Wolfsburg mit 120.000 Einwohnern quasi selbst ein "Dorf" ist? Nee genau, da loben wir uns doch Ihre Ultras, die an jedem beliebigen Tag nichts anderes zu tun haben als quer durch Deutschland zu fahren. Das macht Ihren Verein, welcher auch immer es ist, absolut besser als Clubs wie Wolfsburg. Und gibt Ihnen das Recht, andere Fans und Städte herabzuwürdigen. Armselig.

  7. Mag ja sein, dass sie eine geisitge Flexibilität vorweisen können, aber offensichltich reicht es nicht. Einfach nicht genug. wie ich schon schrieb.
    QED.

    Antwort auf "Ja natürlich"

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