Wolfsburg hat, statistisch erwiesen, den höchsten Frauenanteil unter seinen Fans. Auf Auswärtsfahrten fällt das schon mal auf, weil andere Stadien zu wenig Damentoiletten haben. Und Wolfsburg hat vermutlich die meisten Familienväter. So wie Thomas, Ralf und Rainer, die seit vielen Jahren zum VfL kommen, zum Teil noch die Zweitligazeiten in den neunziger Jahren mitgemacht haben. Manchmal nimmt Ralf seine beiden Jungs, fünf und neun Jahre, mit ins Stadion. Dann gibt er sie beim Spielplatz ab.

"Der Kleine bleibt dort", sagt er, "der Große kommt ab und an zu mir und schaut Fußball". Thomas kommt oft mit seiner Lebensgefährtin. Er war früher St.-Pauli-Fan, aber das Erlebnis Millerntor sei nicht mehr dasselbe wie früher, sagt er. Ralf kommt ursprünglich aus der Nähe von Stuttgart , war mal VfB-Fan.

Alle drei arbeiten für Volkswagen, damit sind sie typische Stadionbesucher. Schätzungen zufolge ist mehr als die Hälfte der Wolfsburg-Fans bei VW beschäftigt. Das hat praktische Auswirkungen. Vor zwei Wochen kamen zum Pokalspiel am Mittwochabend nur 7.500 Zuschauer. "Das wird unter der Woche immer so sein", sagt Thomas. "Denn die Anstoßzeit betrifft gleich zwei Schichten von Volkswagen, die Spät- und die Nachtschicht." Thomas selbst arbeitet im Presswerk in drei Schichten.

Die drei kennen die Klischees, die über Wolfsburg-Fans im Umlauf sind. Sie spielen damit, weil sie wissen, dass ein Stückchen Wahrheit dran ist. Ihr Fanclub trägt den selbstironischen Namen "Die Radkappen". Den haben sie von den Fans von Eintracht Braunschweig übernommen, die die Wolfsburger einst so bezeichneten. "Dreißig Jahre keine Bundesliga, das ist die Tradition der Eintracht", sagt Rainer. Eine Anspielung auf den Lokalrivalen aus Braunschweig, der Verein ist mit seiner großen Fan-Menge und seiner Geschichte ein Gegenstück zum VfL.

Nach dem Spiel sitzen Thomas und Ralf im Fan-Haus neben dem Stadion und trinken Weizenbier. Thomas hat Erna von seiner Kappe abgeschraubt und dem Fan-Beauftragten in die Hand gedrückt, damit der sie im Fernsehen zeigt. Ihr Team hat sich von den Abstiegsrängen distanziert. Sie sind erleichtert über den Sieg, der Gegner war leidenschaftslos. "Die Leverkusener dürfen wiederkommen", sagt Thomas. Das tun sie auch, zum Pokalspiel an einem Dezemberdienstag. "Aber ich komme nur", sagt Thomas, "wenn ich keine Schicht hab."