Judit PolgárÜberraschung! Eine Frau als Schachgenie!

Judit Polgár war Experiment ihres Vaters und ein Wunderkind. Ihr Leben wäre zuerst die Geschichte eines Schachgenies. Wenn sie keine Frau wäre. Von J. Himmelreich, London von Johannes Himmelreich

Judit Polgár

Judit Polgár   |  © Judit Polgár

Judit Polgár sei ein fantastisches Talent, sagte Garri Kasparow, aber eben doch nur eine Frau. Und wegen der Unvollkommenheit ihrer Psyche sei die Frau an sich dem zähen Kampf eines Schachspiels nicht gewachsen. Ihre Natur arbeite unausweichlich gegen sie.

Frauen können kein Schach. Jedenfalls nicht so wie Männer. So klang das Ende der Achtziger nicht nur bei Kasparow. Und wäre der Stand der Dinge im Schach heute ein völlig anderer als damals, wäre die Geschichte von Judit Polgár die Geschichte eines Schachgenies. So ist es die Geschichte einer Frau.

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Unter den hundert besten Schachspielern gibt es eine Frau, eben Judit Polgár. Die URL der offiziellen Top100-Liste des Internationalen Schachverbands Fide endet auf "list=men", als sei sie nur für Männer gedacht. Heute spricht zwar niemand Frauen die Fähigkeit ab, Schach spielen zu können, aber die Weltklasse ist immer noch ein Herrenclub.

Genies werden gemacht

Den Beweis, dass Frauen Schach können, erbrachte Judit Polgár zusammen mit ihren älteren Schwestern. In den Neunzigern brach die ungarische Familie in den Männerclub der Schachwelt ein. Dahinter steckte ihr Vater. Von ihrem Geburtstag an sei sie Teil eines Experiments gewesen. Im Ungarn des Gulaschkommunismus der siebziger Jahre nahm er seine Kinder aus der Schule, um sie zu Hause zu Schachgenies zu erziehen. Ein Genie werde nicht geboren, sondern gemacht. Das war seine Theorie und seine Töchter sollten sie bestätigen.

Seine älteste Tochter war die erste Frau, die sich für die Weltmeisterschaft der Männer qualifizierte. Das war 1986, bald darauf erreichte sie den Titel einer Großmeisterin. Die zweite Tochter spielte sich bis zum Internationalen Meistertitel vor. Die jüngste Tochter, Judit, gewann mit neun Jahren ihr erstes internationales Turnier, mit elf schlug sie einen Großmeister, mit 15 war sie selbst einer. Damit war sie schneller als Bobby Fischer.

Heute ist Judit Polgár 36 Jahre alt. Bis Dienstag spielte sie bei einem Turnier in London gegen die Besten der männlichen Schachelite. Unter ihnen waren der amtierende Weltmeister Vishy Anand sowie die Ersten der Weltrangliste: Vladimir Kramnik, Levon Aronian und das norwegische Wunderkind Magnus Carlsen.

Platz 7 von 9

Judit Polgár landete beim London Chess Classic auf Platz 7 von 9. "Ich hab hier einfach nicht den Hunger auf Schach gespürt", sagt sie. Es sei alles momentan etwas außer Kontrolle geraten. "Selbst wenn ich zehn Stunden schlafe, ist mir nicht richtig nach Aufstehen." Die Energie und Ideen, die ein Schachturnier fordert, habe sie momentan nicht.

Das war mal anders. Mit elf Jahren habe sie bei Turnieren mit einem Teddybär am Brett sitzend erfahrene Spieler zermalmt. Nach jedem Zug warf sie ihrem Gegner einen Killerblick zu, schrieben Journalisten damals. "I krraashed them", stellte sie nach solchen Spielen fest. 

Leserkommentare
  1. Ich fordere mit sofortiger Wirkung eine 40%-Frauenquote für Schachweltmeisterschaften. Dieser Diskriminierung muss schließlich gegengesteuert werden!

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    Dieses Patriarchat gilt es zu überwinden! Warum die EU da noch nicht reguliert hat ist mir schleierhaft!!

  2. Ja, da kann man als kommentierender Mann ganz leicht in "vermintes Gelände" geraten.
    Deshalb mal ganz vorsichtig und auch weit hergeholt:
    Schach ist ein strategisches Spiel und die kriegerischen Auseinandersetzungen, die ja vorwiegend von Männern über Jahrtausende geführt wurden und leider immer noch werden,
    haben vielleicht eine Art "evolutive Auslese" bewirkt, die männliche Gehirne in Sachen Strategie verbesserte.

    Wie gesagt, ganz weit hergeholt und ansonsten gilt für Frau Polgar: Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Claus von der Wilhelmshöhe

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    Falls Sie recht hätten, dann wären Frauenquoten für Positionen in denen strategische Entscheidungen gefällt werden unangebracht.
    Dies würde aus meiner Sicht die Politik und leitende Führungspositionen einschließen. Von daher würde ich ihre Hypothese mit der "evolutionären Auslese" erst mal verwerfen, bis das Gegenteil bewiesen werden kann.

    Wenn dies bewiesen würde müssten allerdings in der Politik auch Konsequenzen aus diesem Wissen gezogen werden.

    Lesen sie mal über "ESS - evolutionär stabile Strategien", da kommt in etwa raus, was der Vorkommentator meint. Da gehts drum. dass es in der Natur (Überlebens-)Strategien gibt, die nicht dominant sind, aber trotzdem stabil vorherrschen.
    Damit liesse sich logisch/rechnerisch auch die Behauptung "strategisch/kriegerisches Denken ist männlich und manchmal weiblich" untermauern.

    Die von ihnen übertrieben geforderten Konsequenzen werden dabei bereits in einem politischen Mechanismus umgesetzt: Er nennt sich 'Abwahl', in extremeren Fällen auch mal 'Krieg'.;p

    • zeie
    • 19. Dezember 2012 20:09 Uhr

    sie sei so gut, weil sie täglich so und so viele Stunden Schach trainieren würde. Normale Frauen (bzw. Mädchen, weiss nicht - ich glaube, sie war damals noch ziemlich jung...) liessen sich zu sehr ablenken von Haushalt und Kochen und solchen Dingen.

    Wenn Frauen sich ernsthaft um Schach kümmern würden, wären sie genauso gut wie die Männer. Ich glaube, dem ist nichts hinzuzufügen. Bis auf eines - aber nur für das Verständnis mancher - überwiegend Männer: Frauen werden dazu erzogen, dass sie sich von Haushalt und Kochen ablenken zu lassen haben. Und Männer werden dazu erzogen, dass ihre Natur das nicht sei! V.a. zweiteres ist ein Problem: Denn IRGENDWER muss sich natürlich um Haushalt, Kinder und Kochen kümmern. Und wenn die Männer das nicht tun, weil es angeblich nicht in ihrer Natur ist (sie seien natürlicherweise die Strategen, die Kämpfer, die Krieger, könnten sich auf Grund von massivem Testoteron-Überschuss von Natur aus viel besser Konzentrieren, blablablaba blub... MÜLL!), dann bleibt der Mist leider - wie eh und je - an den Frauen hängen.

    Judith Polgar hat recht und hat mit ihrer "Konzentration auf Schach" und ihrem "Willen zu Schach" in ihrer Jugend sogar Bobby Fischer überholt. Jetzt sind vielleicht andere Dinge dazu gekommen, die sie im Moment mehr/auch interessieren oder sie auch belasten. Das ist - unabhängig vom Geschlecht - ihr gutes Recht.
    Sie hat Recht mit der Ansicht über Frauen und ihr Vater hat recht damit, dass Genies gemacht und nicht geboren werden.

  3. Falls Sie recht hätten, dann wären Frauenquoten für Positionen in denen strategische Entscheidungen gefällt werden unangebracht.
    Dies würde aus meiner Sicht die Politik und leitende Führungspositionen einschließen. Von daher würde ich ihre Hypothese mit der "evolutionären Auslese" erst mal verwerfen, bis das Gegenteil bewiesen werden kann.

    Wenn dies bewiesen würde müssten allerdings in der Politik auch Konsequenzen aus diesem Wissen gezogen werden.

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    Antwort auf "Frauen und Schach"
  4. einmal mehr zeigt es sich, dass frauen egal wo und wie, immer ihren platz in den sogenannten männerdomänen finden und besetzen können.
    die sei gesagt an diejenigen welche wo auch immer auf eine frauenquote setzen.
    man muss also nicht mann sein, sondern lediglich fähig und willens sowie langzeitig beständig und geeignet sein, um führungsposten besetzen zu köennen.

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    • Brako
    • 20. August 2013 15:28 Uhr

    ... das würde ja bedeuten, dass ALLE Männer in Führungspositionen super geeignet für selbige sind und alles ganz toll machen.

    Erklären Sie mir mal eben wie es dann weltweit zu einer Krise 2007 kam? Die Banker und Spekulanten waren nämlich fast ausschließlich männlichen Geschlechts. Waren die nicht Alle ganz kompetent und sind genauso in die Position gekommen wo sie soviel "Gutes" tun konnten?

    Noch eine Frage: in den letzten paar tausend Jahren gab es fast ausschließlich männliche Herrscher. Wie erklären Sie sich verarmte Kontinente (Afrika, Asien, Teile Südamerikas), wenn die Männer immer alles so toll machen. Die Frauen haben ja weniger damit zu tun, als sie sich ja bekanntlich hauptsächlich um Haushalt und Nachwuchs gekümmert haben.

    Noch ein Stichwort: Kriege. Auch wieder so eine Männerdomäne.

    Aber Hauptsache es ist immer die UNTERLEGENHEIT der Frauen, die erklärt warum sie bei dem Desaster nicht mitmischen!

  5. Wir sind viel zu sehr von unseren biologischen Anlagen bestimmt. Grundlegend durch die Gene und in praktischer Anwendung durch Hormone. Uns da ist Testosteron nunmal das beherrschende Element, das wergen der höheren Konzentration vor allem bei Männern durchschlägt. Abstufungen und Ausnahmen (in beide Richungen) gibt es und die gilt es zu respektieren. Aber auf Biegen und Brechen eine Parität erzwingen zu wollen lohnt sich nicht: Man muss nämlich gegen die Natur anarbeiten. Langfristig setzt sich sowas nicht durch, da es übertragen wie wörtlich zu teuer ist.

    Gleichzeitig bringt eine entsprechende paritätsbezogene Erziehung nur, dass sich die Charaktere bei beiden Geschlechtern stärker ausprägen: Alpha-Tiere werden alphaiger und Beta-Tiere werden betaiger. Verbietet man dann den Alphas, ein Alpha zu sein, dann knallts irgenwann. Natur eben...

  6. Das ist mal wieder ein völlig unnötiger Artikel der etwas schüren soll was es nicht gibt, nämlich die bewusste Unterdrückung der Frauen beim Schach. Das ist nämlich völliger Quatsch!

    Herr Himmelreich, sie sollten sich besser beim Kollegen Löffler informieren wie es läuft, denn zum einen hat der Ahnung von der Materie - siehe sein Artikel zu Magnus Carlsen - und er strotzt nicht so mit sinnfreier Polemik.

    Fakt ist, es gibt seit Jahren eine Open-Sektion und eine Frauensektion. Wenn also jemand diskriminiet wird, dann sind es die Herren, die keine Frauenpreise gewinnen können. Umgekehrt steht dies den Frauen jederzeit offen!

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    Es ist ja unbestritten, dass weniger Frauen Schachspielen als Männer, deswegen auch nicht überraschend, dass es auch weniger Frauen in der Weltspitze gibt.
    Eine bewusste Unterdrückung gibt es da meiner Ansicht nach auch nicht.

    Was ich dabei viel seltsamer finde:
    Diese Frauenwertungen beim Schach - Frauen und Männer spielen im selben Feld mit wie Männer, Frauen bekommen aber noch "Extra-Preise" (Kommen sie unter die TOP 3 des gesamten Feldes, bekommen sie diesen Preis, ansonsten gibt es extra Preise für die Top 3 der Frauen).

    Verstehe ich bei physischen Sportarten wie Tennis oder Fußball die Aufteilung nach Geschlecht, ist das doch beim Schach total unsinnig.
    Meiner Ansicht nach impliziert das doch, Frauen seien dümmer als Männer und benötigen daher eine eigene Wertung?

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