Es wird Eishockey gespielt in Nordamerika. Ohne dass viel Geld im Spiel ist. Wie jede Saison laufen Tausende Nachwuchsspieler und Profis in Ligen wie der East Coast Hockey League dem Puck hinterher. Nicht mal alle Aktiven der National Hockey-League (NHL) sind inaktiv, viele von ihnen spielen für europäische Klubs. Nur die Fans der NHL leiden unter dem Lockout, der Spielaussetzung wegen des Streits zwischen Spielergewerkschaft und Vereine.

Vor ein paar Tagen protestierten Anhänger der New York Rangers vor dem Hauptquartier der Liga in Manhattan. Auf einem Fan-Transparent war zu lesen: "All I want for Christmas is hockey!" Dieser Wunsch geht nicht Erfüllung. Am Montag strich die Liga aufgrund des nun mehr als 80 Tage dauernden Arbeitskampfes alle Spiele bis zum 30. Dezember.

Die Anzahl der ausgefallenen Begegnungen erhöht sich damit auf 526, das sind über 40 Prozent. Eine komplette Absage der Saison ist wahrscheinlich. Die Verluste der Klubs sind astronomisch. In Boston etwa beläuft sich das Minus in den Bars rund um den Garden, der Heimspielstätte der Bruins, auf bis zu eine Million Dollar pro ausgefallenem Spiel. Dem Klub gehen pro Nicht-Spieltag drei Millionen Dollar verloren. Der NHL-Chef Gary Bettman rechnet vor, dass alle Spieler zusammen täglich zehn Millionen Dollar verlieren – die Klubeigner doppelt so viel. Dabei ist die Sache absurd: Die Liga verliert Geld, weil um Geld gestritten wird. Es geht darum, wie die Jahreseinkünfte von 3,3 Milliarden Dollar aufzuteilen sind zwischen Klubs und Spielergewerkschaft. Es geht um wenige Prozente. Und es geht nur ums Geschäft.

Die NHL entfremdet sich vom Eishockey. Einst hat sie ihren Sport erhöht. Jeder gute junge Eishockeyspieler der Welt träumt davon, in der stärksten Liga der Welt zu spielen. Inzwischen ist die Liga, die vergangenes Jahr mehr verdient hat als jede Fußballliga der Welt, vor allem Sklave des Geldes. Zu horrenden Eintrittspreisen schauen sich die Fans über 80 Vorrundenspiele an, deren sportlicher Wert eher zweitrangig ist – 16 von 30 Klubs erreichen die Play-offs.

Sicher, weil so viel Geld gezahlt wird, spielen die besten Eishockeyprofis der Welt in der NHL. "Allerdings spielen die besten Spieler nicht immer das schönste Eishockey", sagt Matthew Foy. Der Kanadier brachte es einst auf ein paar Spiele in der NHL, weil er nicht gut genug war, stürmt er nun für die Eisbären Berlin. Und das macht er gern, weil das Spiel auf der größeren Eisfläche viel mehr Platz für die technischen Vorzüge seiner Sportart lasse.