Das Oxford Quidditch Team auf den Besen © Siri Warrlich

Angus Barry ist ständig auf der Jagd: Er will die billigsten Besen der Stadt. "Bei jedem Training gehen so fünf, sechs Stück zu Bruch", sagt der Kapitän des Oxford Quidditch Teams. Da muss wöchentlich Nachschub her, und ein Budget hat sein Club nicht. Quidditch ist noch kein offizieller Unisport. Aber das will Barry ändern.

Vor rund einem Jahr hat der 19-Jährige an der renommierten englischen Uni, an der auch für die Harry-Potter-Verfilmung gedreht wurde, ein Quidditch-Team gegründet. Geboren wurde der Sport in den USA. Studenten des Middlebury College in Vermont haben sich 2005 als Pioniere auf den Besen geschwungen und den Harry-Potter-Sport für Muggel, also Nicht-Zauberer, spielbar gemacht. In den folgenden Jahren ging eine regelrechte Quidditch-Welle durch Nordamerikas Universitäten. 2007 fand der erste Quidditch-World-Cup statt, selbst Harvard spielt heute Quidditch.
In Europa ging es etwas langsamer. Großbritannien, Harry Potters Heimatland, ist aber der klare Spitzenreiter: Rund 60 Teams zählt die International Quidditch Association im Vereinigten Königreich.

In Oxford steht heute nach fast zwölf Monaten Training das erste große Match gegen ein anderes Uni-Team an: Die Truppe aus Reading, einer Stadt 30 Autominuten von Oxford entfernt, kommt zu spät, denn Teamkapitänin Nicole Stone ist mit Krücken unterwegs. Fuß gebrochen, beim Quidditch natürlich.

In den Romanen stürzt Harry Potter manchmal im dramatischen Zweikampf vom Himmel. Aber auch im echten Leben ist Quidditch risikoreich. Beim letzten Training in Oxford eine Woche vor dem Match lautete die Bilanz nach der ersten halben Stunde: Ein Schlüsselbeinbruch, ein Loch im Kopf und drei kaputte Besen.

Trotzdem starten die Spieler heute furchtlos in den Wettbewerb. "Fly seeeexy!", rufen sich Oxfords Kapitän Barry und seine Spieler ihr Motto zu, dann gibt es kein Zurück mehr. Auch der strömende Regen an diesem Nachmittag hält die Meute nicht von ihrer Mission ab. "Besen hoch", brüllt der Schiedsrichter Adi Wright und schon stürmen ein Dutzend Studenten mit Besenstielen zwischen den Beinen aufeinander zu.

Ein, zwei Pässe und der Ball ist in Oxfords Hand, geschickt weicht ein Spieler dem gegnerischen Torwart aus und manövriert den Ball sicher durch einen der Hula-Hoop-Reifen, aus denen das Tor besteht. Wright pfeift, 10 zu 0 für Oxford, ein Reading-Spieler hat einen Besenstiel in den Bauch bekommen. Macht aber nichts, Quidditch-Spieler sind hart im Nehmen. Zähne zusammen beißen, alle zurück auf Anfang und weiter geht’s.

"Quidditch ist wie Rugby, nur mit Besen", hatte Barry vor dem Spiel erklärt. Die Regeln sind gar nicht so einfach: Muggle-Quidditch, die Abwandlung des Harry-Potter-Spiels für Nicht-Zauberer, wird mit je sieben Spielern pro Team und drei verschiedenen Sorten von Bällen gespielt: Einem Quaffle, drei Bludgers und dem goldenen Snitch.