Ehrlichkeit - Darf man lügen? Arne Friedrich über Schummeleien

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich , how are you?

Friedrich: Fine!

ZEIT ONLINE: Welch ein verlogener Interviewanfang.

Friedrich: Ich weiß schon, worauf Sie hinaus wollen: kleine Lügen im Alltag. Aber das schöne in neun Monaten Chicago war: Dort ging es mir wirklich immer gut.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie wirklich zuletzt gelogen?

Friedrich: Notlügen passieren häufig und sind auch ok, finde ich.

ZEIT ONLINE: Wieso?

Friedrich: Wenn ich über Ihren Pullover urteilen soll, würde ich sagen, er sieht gut aus.

ZEIT ONLINE: Passt zum Thema Fairness. Sie haben die letzten Monate in den USA gelebt und werden 2013 noch eine Saison für Chicago spielen. Geht es in den USA ehrlicher zu als in Deutschland?

Friedrich: Es wird oft gesagt, die Menschen seien in den USA oberflächlicher. Aber ich habe das besonders in Chicago nicht erlebt. Ohne eine Studie zu kennen, glaube ich, die Menschen lügen in den USA und Deutschland gleich viel.

ZEIT ONLINE: Gilt das auch für Fußballer?

Friedrich: Ein gutes Beispiel ist Miroslav Klose . Der hat schon zwei Mal nach dem Pfiff zum Schiedsrichter zu seinem Nachteil die Wahrheit gesagt. Aber das Thema Fußballer und Ehrlichkeit ist schwierig. Man kann da zwiegespalten sein. Für den Arbeitgeber eines Spielers geht es oftmals um sehr viel Geld.

ZEIT ONLINE: Haben Sie schon einmal betrogen?

Friedrich: Ich bin nie ohne Kontakt gefallen, das ist schon echt dreist. Aber es gab bei mir natürlich auch strittige Situationen. Eine fällt mir dazu spontan ein. Ich spielte mit Hertha in Hannover . Durch den Pfiff haben wir ein Tor per Elfmeter bekommen. Ich wurde berührt, hätte aber dadurch nicht fallen müssen. Der Schiedsrichter hatte mich noch gefragt, ob es ein Foul war. Das habe ich bejaht, obwohl es nicht eindeutig war. Ich glaube, Andre Schürrle ging es vor Kurzem in der Bundesliga genauso .

ZEIT ONLINE: Dafür wurde er kritisiert.

Friedrich: Ich denke, jeder Mensch hat schon mal zu seinem eigenen Vorteil gelogen. In den Neunzigern gab es mal ein Spiel zwischen Schalke und Köln . Ein Schalker Feldspieler verhinderte kurz vor Schluss mit der Hand ein Gegentor. Auf Nachfrage des Schiris hat der Spieler gelogen und behauptet, er hätte den Kopf benutzt. Köln verlor und stieg ab. Im Nachhinein wurde der Spieler vom Sportgericht wegen Unsportlichkeit verurteilt. Bei so klaren Fällen finde ich diese Regel gut.

ZEIT ONLINE: Sie haben den Schiedsrichter auch angelogen?

Friedrich: Das war nicht so eindeutig. Ich habe zugegeben, dass ich berührt wurde. So war es auch. Das kann man regeltechnisch ganz klar als Elfmeter werten.

ZEIT ONLINE: Die berühmte Halb-Schwalbe?

Friedrich: Wenn sie so wollen. Ich möchte mich hier nicht als Heiliger darstellen. Ich habe in meinem Leben schon Hunderte Mal gelogen.