Mitte der ersten Halbzeit machte sich Franck Ribéry auf den Weg. Mit dem Ball am Fuß steuerte er von seiner Position im linken Mittelfeld quer über den Platz auf die andere Seite. Dabei legte er den Ball Sven Bender durch die Beine und dann Marco Reus. Das sind die Momente, die Gegenspieler hassen, weil diese Form des Ausspielens, "der Tunnel", den Faktor Demütigung enthält. Die Bayern-Fans in der Arena Fröttmaning schrien zwei Mal wie bei einem Tor.

Ribérys Aktion führte nicht zum Tor, nicht mal zu einer Chance oder einem Schuss. Dennoch waren die zwei Tunnel zwei kleine Siege, dem, so der Plan der Bayern, ein großer, möglichst noch demütigender, folgen sollte: der erste gegen den BVB nach vier verlorenen Bundesligapartien plus Pokalfinale und zwei verlorenen Meisterschaften. Das hat die Identität des FC Bayern angekratzt. Thomas Müller gab vor dem Spiel zu, dass die Dortmunder die Bayern in den vorigen zwei Saisons zur "Weißglut getrieben" hätten.

Darum ging es an diesem kalten Dezemberabend mehr um Revanche als um die Tabelle. Die Bayern sind nach einer sehr guten Hinrunde und dank elf Punkten Vorsprung auf ihren wichtigsten, vermutlich einzigen Konkurrenten ohnehin weit voraus. Selbst eine Niederlage gegen Dortmund würde daran nicht viel ändern. Bayern gegen Dortmund war das symbolische Finale des Fußballjahres.

Konzentriert und entschlossen

Die Bayern wollten die natürliche Hackordnung des deutschen Fußballs auch im direkten Duell wiederherstellen, so traten sie auf. Ständig rotierte das Mittelfeld seine Positionen, Ribéry bot sich in der Mitte an, Bastian Schweinsteiger zog auf den linken Flügel, Thomas Müller in die Mitte, Toni Kroos fand man mal rechts, mal weiter hinten, noch öfter weiter vorne. Dazu gab Javi Martinez das Relais im Zentrum, ließ die Dortmunder bei ihren Pressingversuchen ins Leere laufen. Die Bayern wirkten konzentriert und entschlossen.

Und immer wieder setzten sie Ribéry ein, den besten Spieler dieser Saison. Seinen Gegenspieler, allen voran Lukas Piszczek, brachte er an vielen Orten des Felds mit seinen Dribblings in Verlegenheit. Mario Götze zwang er zu Aushilfsarbeiten im eigenen Strafraum. Zudem gewann Ribéry Bälle in der Bayern-Hälfte. Anfangs grätschte er, wieder sehr zur Freude der Bayernfans, Piszczek den Ball weg, dass einer der Platzwarte in der Halbzeit ein großes Stück Rasen wieder eintreten musste. Ein anderes Mal stahl er Ilkay Gündogan in der Bayern-Hälfte den Ball.

Das belegt, dass sich die Bayern etwas von den Dortmundern abgeschaut, ihrem kontrollierten Ballbesitzfußball das gemeinschaftliche Verteidigen und eine Prise BVB-Konter beigemischt haben. Die ortsansässige Süddeutsche Zeitung hatte vor dem Spiel fast ketzerisch über "Original und Kopie" geschrieben und einer "Lektion in modernem Fußball". Dass die Bayern diese tatsächlich angenommen haben, konnte man an den Laufdaten ablesen: Spulten die Dortmunder bei ihrem Sieg in München vor einem Jahr noch über zehn Kilometer mehr ab, waren es diesmal nur noch zwei.