Fett wie ein TurnschuhDumme Blondinen sind das Beste

Ich mag dumme Menschen, schreibt unser Kolumnist Tuvia Tenenbom. Deshalb trifft er sich mit der umstrittenen, aber topfitten US-Kommentatorin Monica Crowley. von Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom und Monica Crowley

Tuvia Tenenbom und Monica Crowley  |  © Isi Tenenbom

Einige der nettesten Liberalen in New York , Menschen, die in der Regel mit einem Strahlen à la Barack Obama im Gesicht herumlaufen, ziehen die bösesten und hässlichsten Grimassen, sobald man den Namen der "dummen Blondine" Monica Crowley erwähnt.

Ich nicht.

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Ich mag dumme Menschen, finde Blond eine schöne Farbe und bin als Mann, der im Nahen Osten geboren wurde, der festen Überzeugung, dass dumme Blondinen das Beste sind, was die Natur zu bieten hat.

Also beschließe ich, die Dame einmal kennenzulernen. Falls Sie noch nie von ihr gehört haben sollten, Monica ist – unter anderem – Gastmoderatorin bei The O'Reilly Factor , der Fox News-Sendung, die man einfach hassen muss, wenn man zurzeit im Weißen Haus arbeitet.

Die dumme Blondine, die so dünn ist, wie es nur geht, schlägt vor, dass wir uns in einem Restaurant an der Upper East Side von Manhattan treffen. Die Dame hat offenbar großen Hunger.

Ich bin früher da als verabredet. Ich will sehen, wie die dumme Dame aus ihrer Limousine aussteigt. Menschen wie sie, das weiß ich aus Erfahrung, werden in Limousinen umherkutschiert.

Ich sehe mir die vorbeifahrenden Autos an, ob Limousine oder nicht, doch von Monica keine Spur. Hat sie mich sitzen lassen?

Bevor ich eine Antwort auf diese Frage finden kann, taucht Monica plötzlich neben mir auf.

"Hallo", sagt sie.

Wie hat diese dumme Blondine es bloß hierher geschafft?

Wir betreten das Restaurant.

Tuvia Tenenbom
Tuvia Tenenbom

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh".

Sie sei am Verhungern, erzählt sie mir, und sie werde ein richtig gesundes Frühstück bestellen.

"Ich bin absolut pro-Israel", teilt sie mir mit, setzt sich hin und bestellt Schinkenspeck mit Eiern.

Ich betrachte die Dame, die mir gegenüber sitzt, und sehe eine göttliche Figur. Wie kommen Sie zu dieser Figur?, frage ich sie.

"Freut mich, dass sie das fragen!", antwortet das dumme Ding.

Unter uns gesagt, ich dachte, sie würde mich umbringen, weil ich sie auf ihren sexy Körper anspreche, als sie gerade über Juden redet, aber sie ist hocherfreut. Es lässt sich vermutlich nie vorhersagen, wie dumme Blondinen sich verhalten.

Also, wie kommen Sie zu dieser Figur?

"Egal, wo ich hin muss, ich gehe in der Stadt immer zu Fuß. Ich schnappe mir meinen iPod, höre Dance-Music, ziehe meine Turnschuhe an – und dann mache ich Power-Walking."

Keine Limousinen, sondern Power Walking. Ich liebe diesen Begriff Power Walking und werde ihn für den Rest meines Lebens verwenden.

Aber Speck essen Sie?

"Ja. Ich brauche Proteine."

Das wusste ich nicht.

"Letztes Jahr", erzählt sie mir, "habe ich ein Event für 'Friends of Israel' moderiert, bei dem 22 Millionen Dollar für den jüdischen Staat gesammelt wurden."

Aber wie war das genau mit den Proteinen?

"Ich versuche, nicht zu viele Kohlenhydrate zu mir zu nehmen", sagt sie, "aber nicht immer erfolgreich."

Haben Sie noch andere Fehler?

"Ich bin verrückt nach Zucker. Ich esse alles, was Raffinadezucker enthält."

Außerdem ist Monica Autorin, und deshalb gibt sie mir jetzt ihr kürzlich erschienenes Buch What the (Bleep) Just Happened . Das "Bleep" steht, falls Sie es nicht wissen, für "Fuck" – eines der Wörter, die man in Amerika nicht in der Öffentlichkeit sagen darf, vor allem dann nicht, wenn man sich für intellektuell hält.

Wie werden Sie von den Linksintellektuellen bezeichnet?

"Als Fotze. Schlampe."

Immer noch besser als "Fuck". Was noch?

"Man hat mir gesagt, ich solle sterben gehen."

Träumen dürfen sie ja. Monica hat nicht vor zu sterben, jedenfalls nicht in nächster Zeit.

Monica Crowley hat eine eigene Radioshow, ist Fox-Gastmoderatorin, Washington-Times-Kolumnistin und blond

Monica Crowley hat eine eigene Radioshow, ist Fox-Gastmoderatorin, Washington-Times-Kolumnistin und blond  |  © Isi Tenenbom

"Ich gehe jeden Tag ein paar Kilometer", vertraut sie mir an. "Ich habe einen Hometrainer, auf dem ich täglich eine halbe Stunde Rad fahre. Außerdem trainiere ich mit Gewichten – Zwei-Kilo-Gewichten –, um meine Arme zu formen."

Was machen Sie am Wochenende?

"Schlafen. Und online shoppen."

Was werden Sie kaufen?

"Kleider und Schuhe, wie jedes New Yorker Mädchen."

Und was für Schuhe?

"Ich gönne mir ein Paar von Manolo Blahnik und eines von Jimmy Choo."

Monica hat eindeutig Geschmack. Diese Schuhe kosten zwischen 500 und 1.700 Dollar pro Paar. Solche Preise geben dem Begriff "Power Walking" eine ganz neue Bedeutung.

"Fett wie ein Turnschuh"

Hantelschwingen und Bodypumpkurse boomen: Allein in Deutschland gibt es knapp 6.000 Fitnessstudios. Dort trainieren mehr als sieben Millionen Menschen – mehr als der größte deutsche Sportverband, der DFB, Mitglieder zählt. Fast jeder zehnte Deutsche packt demnach seine Sporttasche und schwitzt an schwerem Gerät oder in Gymnastikkursen. Wieso ist der Fitnesssport so erfolgreich? Was fasziniert die Menschen daran? Und wieso?

Für unsere Kolumne Fett wie ein Turnschuh schicken wir den (noch) etwas korpulenten New Yorker Autoren Tuvia Tenenbom in die Welt der Fitten und Starken. Er lernt die Fitnessjünger kennen und nimmt ab. Alle zwei Wochen berichtet er auf ZEIT ONLINE von seinen Erlebnissen. Ausgewählte Kolumnen erschienen im illustrierten Buch Fett wie ein Turnschuh.

Ist es Ihnen wichtig, schön zu sein?

"Danke für das Kompliment!"

Keine Ursache. Wie lautet Ihre Antwort?

"Es gehört zu meinem Fernsehjob dazu."

Und wenn Sie den Beruf wechseln würden?

"Schönheit zählt immer!"

Gibt es in Ihrem Leben auch einen schönen Mann?

"Der Mann, den ich bald heiraten werden, hat einen schönen Verstand, ein schönes Herz und eine schöne Seele."

Wenn man im Judentum sagt, dass ein Mann "schlau und nett" ist, bedeutet das, er ist keine Schönheit ...

"Ist ja schrecklich!"

Beschreiben Sie mir doch Ihren Liebsten!

"Er hat schöne Augen."

Ganz ehrlich, in diesem Augenblick bin ich mir nicht sicher, ob sie dumm ist oder genial.

Wollen Sie Kinder haben?

"Wenn der Herr entscheidet, dass das der richtige Weg für mich ist."

Wie viele Menschen verfolgen ungefähr Ihre Sendung?

"Ungefähr sechs Millionen pro Abend."

Ich sehe wenig fern, weder Fox noch etwas anderes, und weiß sehr wenig über Monica – aber sie kommt mir vor wie jemand, der sich um ein ausgewogenes Verhältnis von Sport und Spiritualität bemüht.

Spirituell gesehen, wie wichtig ist der Körper?

"Sehr wichtig."

Und wieso?

"Die Seele wohnt im Körper, und Gott gibt uns den Auftrag, gut auf unseren Körper aufzupassen."

Ich bitte sie, weniger zu philosophieren und Klartext mit mir zu reden. Sie kommt meiner Bitte nach.

"Sport treiben, sich gut ernähren, selten Alkohol, wenn überhaupt, nicht rauchen, keine Drogen – und genügend Schlaf."

Monica könnte recht haben – diese dumme Blondine hat sogar einen Doktortitel von der Columbia University –, doch ich kann ihr nur in den ersten beiden Punkten zustimmen: Sport und gute Ernährung. Denn was nutzt einem eine dumme Blondine, wenn man nicht mit ihr trinken, rauchen oder gemeinsam was durch die Nase ziehen kann, und wenn sie ständig schläft?

Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler
 

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Leserkommentare
  1. Eine Leserempfehlung
  2. 2. [...]

    Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Danke. Die Redaktion/kvk

  3. 3. [...]

    Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Danke. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "[...]"
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    durch "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" ersetzen, dann werden Sie schon fündig. Wobei er´s natürlich nicht ernst meint...

  4. durch "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" ersetzen, dann werden Sie schon fündig. Wobei er´s natürlich nicht ernst meint...

    Antwort auf "[...]"
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    Dann erkennt man aber trotzdem keinen Rassismus...

  5. Ein dicker Journalist der eine Sportkolumne schreibt und von einer dummen Blondine geistreiche Antworten bekommt...
    Sollen die Klischees/Vorurteile provozieren oder ist der Artikel wirklich so flach wie es auf dem ersten Blick erscheint? "Ich mag dumme Blondinen..." Was für ein Satz... wirklich sehr intelligent und provozierend. - Nicht.

    Eine Leserempfehlung
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    "Ein dicker Journalist der eine Sportkolumne schreibt und von einer dummen Blondine geistreiche Antworten bekommt..."
    wo finde ich den Teil mit den geistreichen Antworten. Selbst über das Essen kann man sich intelligenter Unterhalten.

  6. Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    halten linksliberale automatisch (Menschen sind ja bekanntlich Automaten) für vorurteilsbehaftet. Das ist nicht nur im Zeitforum so. Können oder wollen sie nicht differenzierter denken?

    • LaSilas
    • 11. Dezember 2012 1:12 Uhr

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/jp

  7. Dann erkennt man aber trotzdem keinen Rassismus...

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    • Rend
    • 10. Dezember 2012 15:57 Uhr

    *Mit dem Zaunpfahl um sich schlag* Blondinen....

    Ach Nö, der gute Mann hat doch erst kürzlich im SPIEGEL versucht uns den Spiegel des Nazitums vor zu halten.
    Vergeblich, da sich die meisten Deutschen von seinen Anwürfen nicht getroffen fühlten.

    Nun trifft der arme Mann auf eine gut aussehende Blondine.
    Mit Hirn, mit akademischer Ausbildung.
    Die Frechheit ist, dass die es wagt ihm auch noch Widerworte zu geben.
    Keine gute Zeit für Zyniker, die sich anschließend wieder in ihrem Minitheater in Brooklyn verschanzen.
    Aber er hatte seine fünfzehn Minuten Aufmerksamkeit, die lt. Warhol jedem Menschen zustehen.

    • Rend
    • 10. Dezember 2012 15:57 Uhr
    8. Seufz

    *Mit dem Zaunpfahl um sich schlag* Blondinen....

    Antwort auf "Was denn nun?"
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    Sind blonde Frauen neuerdings eine Rasse? Der Spaß heißt Sexismus oder meinetwegen Genderdiskriminierung, aber ganz sicher nicht Rassismus... Es gibt Gründe für diese Differenzierung.

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