Nach seinem letzten Spiel für Los Angeles posiert David Beckham mit seinen Söhnen und der MLS-Trophäe. © R. Beck/AFP/Getty Images

David Beckham hat sich verabschiedet. Aus den USA und mit dem bestmöglichen fußballerischen Ende, dem Titelgewinn mit Los Angeles Galaxy in der Major League Soccer (MLS). Sechs Spielzeiten hat es der englische Star in Kalifornien ausgehalten – nicht immer mit letzter Konsequenz.

Gerade anfangs schwang eine hollywoodeske Note bei seinem Engagement in der international belächelten US-Liga mit. Schließlich hat Beckham das auch gefördert, als er 2009 und 2010 zwischendurch lieber für den AC Mailand in der italienischen Serie A gegen den Ball trat.

Dass der Fußball in den USA große Schritte mit dem Werbeträger Beckham gemacht hat, lässt sich nicht belegen. Genauso wenig lässt sich belegen, dass die MLS ohne Beckham genauso dastehen würde.
Der US-Fußball braucht Persönlichkeiten, die abseits des Platzes strahlen. Da wird so schnell kein anderer als Werbeträger so gut funktionieren können wie der smarte Engländer. Kaum vorstellbar, dass ein Messi zum Karriereausklang abseits des Platzes so glitzert wie Beckham. Unbestritten hat der seinem Klub die Bühne vergrößert. Wie viele Menschen außerhalb der USA wüssten mit Los Angeles Galaxy sonst etwas anzufangen?

Der Glamourboy ist aber nur die eine Seite des David Beckham. Als Fußballer ist er überschätzt aber auch unterschätzt worden. Beckham ist nicht nur ein Spieler, der filigran den ruhenden Ball ins Tor zirkeln kann. Er kann auch dreckig, sich reinhängen und er konnte, obwohl Engländer, auch Elfmeter. Bei der WM 2002 erzielte er per Strafstoß den Siegtreffer gegen Argentinien .
Beckham konnte mitreißen, schon früher bei Manchester United. Aber Beckham konnte auch scheitern. Ein wenig bei Real Madrid , wo er im Team der Galaktischen nicht immer so galaktisch spielte wie später in LA und vor allem im Nationalteam. Da sollte er jene Generation anführen, bei der für seine Landsleute das Versprechen mitspielte, dass endlich nach 1966 wieder ein Titel am Ende eines Turnier steht. Das Versprechen hat Beckham nie eingelöst. WM–Turniere endeten für ihn tragisch – 1998 im Viertelfinale gegen Argentinien sah er Rot. 2006 im Viertelfinale gegen Portugal verletzte er sich, England verlor wie immer im Elfmeterschießen. Einen Tag später trat er als Mannschaftskapitän zurück.

Und dann war da später das Hickhack mit Fabio Capello , der ihn demontierte. Trotzdem hat Beckham 109 Länderspiele gemacht, nur Torwartdauerbrenner Peter Shilton kam auf mehr Einsätze für England (125).

37 Jahre ist David Beckham nun alt. Seine Karriere im Scheinwerferlicht endet nicht, dafür ist der clevere Geschäftsmann zu gut positioniert. Fußballspielen muss er nicht mehr, aber vielleicht möchte er. Auf die Frage, ob er noch weitermache, sagte er nun: "Ich habe keine Ahnung." Er fühle sich allerdings bereit für eine "letzte Herausforderung". Nun hat Beckham erst mal gefeiert. Auf der Pressekonferenz nach dem Titelgewinn der Galaxy hatte er Probleme, sich zu konzentrieren. "Schon zu viel Champagner", sagte er.

Prost auf eine einmalige Karriere. Wie und wo immer sie weitergeht: David Beckham hat dem Fußball viel gegeben, weit über den Platz hinaus.

Erschienen im Tagesspiegel