Major League SoccerEin Prosit auf David Beckhams einmalige Karriere

Nach sechs Jahren und viel Champagner verabschiedet sich der 37-jährige David Beckham aus den USA. Der Glamourboy war nur eine seiner Seiten in der MLS. Von Claus Vetter von Claus Vetter

Nach seinem letzten Spiel für Los Angeles posiert David Beckham mit seinen Söhnen und der MLS-Trophäe.

Nach seinem letzten Spiel für Los Angeles posiert David Beckham mit seinen Söhnen und der MLS-Trophäe.  |  © R. Beck/AFP/Getty Images

David Beckham hat sich verabschiedet. Aus den USA und mit dem bestmöglichen fußballerischen Ende, dem Titelgewinn mit Los Angeles Galaxy in der Major League Soccer (MLS). Sechs Spielzeiten hat es der englische Star in Kalifornien ausgehalten – nicht immer mit letzter Konsequenz.

Gerade anfangs schwang eine hollywoodeske Note bei seinem Engagement in der international belächelten US-Liga mit. Schließlich hat Beckham das auch gefördert, als er 2009 und 2010 zwischendurch lieber für den AC Mailand in der italienischen Serie A gegen den Ball trat.

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Dass der Fußball in den USA große Schritte mit dem Werbeträger Beckham gemacht hat, lässt sich nicht belegen. Genauso wenig lässt sich belegen, dass die MLS ohne Beckham genauso dastehen würde.
Der US-Fußball braucht Persönlichkeiten, die abseits des Platzes strahlen. Da wird so schnell kein anderer als Werbeträger so gut funktionieren können wie der smarte Engländer. Kaum vorstellbar, dass ein Messi zum Karriereausklang abseits des Platzes so glitzert wie Beckham. Unbestritten hat der seinem Klub die Bühne vergrößert. Wie viele Menschen außerhalb der USA wüssten mit Los Angeles Galaxy sonst etwas anzufangen?

Der Glamourboy ist aber nur die eine Seite des David Beckham. Als Fußballer ist er überschätzt aber auch unterschätzt worden. Beckham ist nicht nur ein Spieler, der filigran den ruhenden Ball ins Tor zirkeln kann. Er kann auch dreckig, sich reinhängen und er konnte, obwohl Engländer, auch Elfmeter. Bei der WM 2002 erzielte er per Strafstoß den Siegtreffer gegen Argentinien .
Beckham konnte mitreißen, schon früher bei Manchester United. Aber Beckham konnte auch scheitern. Ein wenig bei Real Madrid , wo er im Team der Galaktischen nicht immer so galaktisch spielte wie später in LA und vor allem im Nationalteam. Da sollte er jene Generation anführen, bei der für seine Landsleute das Versprechen mitspielte, dass endlich nach 1966 wieder ein Titel am Ende eines Turnier steht. Das Versprechen hat Beckham nie eingelöst. WM–Turniere endeten für ihn tragisch – 1998 im Viertelfinale gegen Argentinien sah er Rot. 2006 im Viertelfinale gegen Portugal verletzte er sich, England verlor wie immer im Elfmeterschießen. Einen Tag später trat er als Mannschaftskapitän zurück.

Und dann war da später das Hickhack mit Fabio Capello , der ihn demontierte. Trotzdem hat Beckham 109 Länderspiele gemacht, nur Torwartdauerbrenner Peter Shilton kam auf mehr Einsätze für England (125).

37 Jahre ist David Beckham nun alt. Seine Karriere im Scheinwerferlicht endet nicht, dafür ist der clevere Geschäftsmann zu gut positioniert. Fußballspielen muss er nicht mehr, aber vielleicht möchte er. Auf die Frage, ob er noch weitermache, sagte er nun: "Ich habe keine Ahnung." Er fühle sich allerdings bereit für eine "letzte Herausforderung". Nun hat Beckham erst mal gefeiert. Auf der Pressekonferenz nach dem Titelgewinn der Galaxy hatte er Probleme, sich zu konzentrieren. "Schon zu viel Champagner", sagte er.

Prost auf eine einmalige Karriere. Wie und wo immer sie weitergeht: David Beckham hat dem Fußball viel gegeben, weit über den Platz hinaus.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • lxththf
    • 04. Dezember 2012 13:15 Uhr

    überschätzt und auch medial wurde er mehr als einmal ziemlich geprügelt, aber Fakt ist, er hat bei den großen Klubs in Europa gespielt und vor allem mit ManU Erfolge gefeiert, die ihm kein ManU-Fan vergessen wird. Einer der wirklich Großen, des englischen Fußballs

  1. So wie George Best für seine Zeit ein Symbol war, so steht Beckham für die ausgehenden Neunziger und die Nullerjahre. Celebrity-Marketing bis zum Exzess, stets in Kombination mit seiner reizenden Gattin. Fassade statt Inhalt, Zeitgeist-Grauen at it's Best.

    Dies hat ihn reich gemacht. Als Fußballer zwar von internationalem Format, aber von der Klasse her meist überschätzt , machte er hinter der öden Glitzerfassade stets einen sympathischen und eher zurückhaltenden Eindruck. Man fragte sich stets, warum sich so ein netter Typ so zum Fußball-Ken an Barbies Seite umbauen lässt. Schade, wenn man sich irgendwann an seine Karriere zurück erinnern wird, werden einem eher seine Tattoos und seine Auftritte auf Roten Teppichen als Bilder in den Sinn kommen, weniger seine tollen Freistöße.

    (PS: Dies soll kein Nachruf sein!)

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    • lxththf
    • 04. Dezember 2012 19:28 Uhr

    meinerseits. Woran ich mich erinnern werde ist 99 Cl Sieger. 6 Mal englischer Meister und Leitwolf von ManU. Ich werde mich daran erinnern, dass er in einem Team gespielt hat mit Roberto Carlos, Figo, Zidane, Ronaldo und Raul. Er war Teil eines der aussergewöhnlichsten Teams aller Zeiten. Er hat in seiner Karriere mit den größten Stars ihrer Zeit Fußball gespielt und was seine Bedeutung für den englischen Fußball betrifft und das er überschätzt wurde: Es sei nochmal an dieses Video erinnert
    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.youtube.com/wa...
    Nur nochmal zum mitschreiben. Ein 6maliger englischer Meister, TripleSieger, Weltpokalgewinner, spanischer Meister und langjähriger Kapitän der englischen Nationalmannschaft ist ÜBERSCHÄTZT???

    • lxththf
    • 04. Dezember 2012 19:28 Uhr

    meinerseits. Woran ich mich erinnern werde ist 99 Cl Sieger. 6 Mal englischer Meister und Leitwolf von ManU. Ich werde mich daran erinnern, dass er in einem Team gespielt hat mit Roberto Carlos, Figo, Zidane, Ronaldo und Raul. Er war Teil eines der aussergewöhnlichsten Teams aller Zeiten. Er hat in seiner Karriere mit den größten Stars ihrer Zeit Fußball gespielt und was seine Bedeutung für den englischen Fußball betrifft und das er überschätzt wurde: Es sei nochmal an dieses Video erinnert
    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.youtube.com/wa...
    Nur nochmal zum mitschreiben. Ein 6maliger englischer Meister, TripleSieger, Weltpokalgewinner, spanischer Meister und langjähriger Kapitän der englischen Nationalmannschaft ist ÜBERSCHÄTZT???

    Antwort auf "Beckham und Zeitgeist"
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    So siehts aus. Aus meiner Sicht neigte man eher dazu, David Beckham zu UNTERschätzen, eben, weil er dieser durchgestylte Posterboy mit dem Modelgesicht und der Spice-Girl-Freundin war. Fast so, als ob man ihm aufgrund dessen einfach nicht gönnen wolle, quasi nebenbei noch einer der besten Fußballer seiner Generation zu sein. Aber an einem guten Tag war er das.

    Seine Erfolge mit seinen Teams kann ihm natürlich keiner nehmen. Klar war er ein herausragender Kicker. Aus meiner Sicht war er aber von der individuellen Klasse her selten so stark, wie es der ganze Hype weismachen wollte. Sein rechtes Füßchen war bei Freistößen und Flanken exquisit, aber er war nie der große Gestalter, als der er oft verkauft dargestellt wurde. Eher der mannschaftsdienliche Typ.

  2. So siehts aus. Aus meiner Sicht neigte man eher dazu, David Beckham zu UNTERschätzen, eben, weil er dieser durchgestylte Posterboy mit dem Modelgesicht und der Spice-Girl-Freundin war. Fast so, als ob man ihm aufgrund dessen einfach nicht gönnen wolle, quasi nebenbei noch einer der besten Fußballer seiner Generation zu sein. Aber an einem guten Tag war er das.

  3. Seine Erfolge mit seinen Teams kann ihm natürlich keiner nehmen. Klar war er ein herausragender Kicker. Aus meiner Sicht war er aber von der individuellen Klasse her selten so stark, wie es der ganze Hype weismachen wollte. Sein rechtes Füßchen war bei Freistößen und Flanken exquisit, aber er war nie der große Gestalter, als der er oft verkauft dargestellt wurde. Eher der mannschaftsdienliche Typ.

    • Panic
    • 05. Dezember 2012 0:04 Uhr

    einfach mal aus dem Stand die besten Sniperpässe über 40 und mehr Meter spielen. Das konnte nur David.

    cheers

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    ... recht viel mehr konnte er auch nicht.

    Der Hype um ihn in England - einst und jetzt - zeigt, wie weit die "Fußballmutternation" von vernünftigen Qualitätskriterien abgedriftet ist.

  4. ... recht viel mehr konnte er auch nicht.

    Der Hype um ihn in England - einst und jetzt - zeigt, wie weit die "Fußballmutternation" von vernünftigen Qualitätskriterien abgedriftet ist.

    Antwort auf "Aus dem Fußgelenk"

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  • Schlagworte David Beckham | Karriere | Fabio Capello | Champagner | Elfmeter | USA
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