DFL-SicherheitskonzeptWarum die ganze Aufregung um sichere Fußballstadien?
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Verbot von Stehplätzen

Wieso bleibt dann nicht alles beim Alten?

Weil die Innenpolitiker den organisierten Fußball vor sich hertreiben. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) droht , die Bundesligavereine müssten künftig die Kosten der Polizeieinsätze selbst tragen, sollte sich nichts ändern. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ( CDU ) fordert einen "Sicherheitseuro" von jedem Zuschauer. Und der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU) setzte unmittelbar vor der DFL-Vollversammlung die Vereine noch einmal unter Druck: "Das Problem ist, dass einige Vereine das Thema nicht ernst nehmen. Sie haben eine Verantwortung, für die Sicherheit der Zuschauer im Stadion zu sorgen. Es kann nicht sein, dass einige Vereine sagen: Gewalt im Fußball? Nie gehört!"

Was passiert, wenn das Konzept verabschiedet wird?

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Fans klein beigeben. Weitere Protestaktionen sind zu erwarten. Schon in den vergangenen Wochen stellten die Fans die wohl flächendeckendsten Proteste der deutschen Fußballgeschichte auf die Beine. Drei Spieltage lang schwiegen sie die ersten zwölf Minuten jedes Bundesliga-Spiels , zur Irritation von Spielern, Trainern und Funktionären. Mittlerweile tragen sie den Protest auch auf die Straße und demonstrierten in Städten wie Dresden , Dortmund oder Köln . Sollte das Konzept durchgehen, befürchten Beobachter gar eine Eskalation der Gewalt : Die gemäßigten Fans könnten sich frustriert zurückziehen und die Kurve den Hardlinern überlassen. Ähnliches war zu beobachten, als der DFB im vergangenen Jahr die Gespräche mit Fans über das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik bei Bundesligaspielen abrupt abbrach . Danach wurde gezündelt wie nie zuvor.

Was passiert, wenn das Konzept nicht verabschiedet wird?

Dann droht dem deutschen Fußball eine Spaltung. Es gilt als ausgemacht, dass die großen, finanzstarken Klubs wie der FC Bayern, der BVB oder Leverkusen dem Konzept zustimmen werden. Gegenwind könnte es vor allem von den kleineren Vereinen wie Union Berlin oder dem FC St. Pauli geben, die schon das Ursprungskonzept hart angingen. Schon jetzt soll diesen kritischen Klubs gesagt worden sein, dass eine Mitgliedschaft in der DFL und die Bundesliga keine Pflicht sei. Zudem würde neuer Druck von der Politik kommen. Bislang regelt der Fußball seine Veranstaltungen selbst. Die Innenminister aber könnten durch Gesetzesänderungen eingreifen und beispielsweise Stehplätze verbieten .
 

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Leserkommentare
  1. Ich habe noch nie verstanden, was Nacktkontrollen vor einem Fußballstadion bringen sollen.
    Als am Flughafen Nacktscanner eingesetzt werden sollten, war die Empörung groß. Wie sähe es dort mit routinemäßigen Nacktkontrollen aus?

  2. Mich stören schon die jetzigen Kontrollen (abgesehen davon, dass sie nicht effektiv sind).

    Aber danke für den Artikel. Er stellt die richtigen Fragen und gibt gute Antworten.

    Das absurde an diese ganze Diskussion: es gibt überhaupt keinen Grund zu diskutieren.

    • Unimaas
    • 11. Dezember 2012 17:46 Uhr

    Ich finde die Idee eines "Sicherheitseuros" gut. Ich habe mit Fußball nichts zu tun, aber die Kosten für Sicherheit werden vom Staat getragen, nicht von den Vereinen oder Zuschauern. Somit zahle Ich für die zahlreichen Polizeikräfte die die "0,005%" erst ermöglichen ohne auch nur einmal zu einem Spiel zu gehen.

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    Ist es nicht normal, dass man Steuern für eine Menge Einrichtungen zahlt, die man selbst nicht benötigt?

    • lxththf
    • 11. Dezember 2012 20:42 Uhr

    profitieren Sie vom Fußball, denn die Steuern, die die Vereine zahlen übersteigen bei Weitem die Ausgaben des Staates für Sicherheit. Anders ausgedrückt. Der Staat macht ein dickes fettes Plus und das nutzt wem? Richtig. Selbst den Nicht-Fußballfans.
    zum Artikel. Sehr schön die Punkte zusammengefasst, aber sowohl die Politik, wie auch die DFL werden hart bleiben und das sieht man aktuell an Dresden.
    Ich dachte bei den "Nacktzelten" muss man nur seine Jacke ausziehen?

  3. 4. Und??

    Ist es nicht normal, dass man Steuern für eine Menge Einrichtungen zahlt, die man selbst nicht benötigt?

  4. ...hat sich im Bereich innere Sicherheit in der letzten Zeit nicht unbedingt gut angestellt...am deutlichsten wird das wohl beim Thema NSU.

    Jetzt möchten die Hardliner Ergebnisse zeigen. Ohne Dialog wird jedoch nicht viel Brauchbares bei rumkommen.

    Sollte das Konzept verabschiedet werden, befürchte ich, dass am letzten Spieltag der Hinrunde nicht alle Spiele ohne längere Unterbrechungen zu Ende gespielt werden können.

    • th
    • 11. Dezember 2012 18:55 Uhr

    über Pyrotechnik im Stadion auf den Zuschauertribünen:

    "de.wikipedia.org/wiki/Valley-Parade-Feuerkatastrophe"

    Man muss schon wirklich komplett durchgeknallt sein, um bengalisches Feuer auf den Tribünen zu befürworten.

    Übrigens:
    Es gibt Grund- oder Menschenrecht auf "Action"!

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    Denn: welches Stadion in Deutschland hat noch Holztribünen?

    Die Stehplatztribünen sind in Deutschland überwiegend aus Beton und brennen nicht so schlecht.
    Trotzdem muss man den Einsatz von Pyrotechnik nicht befürworten - das ist kein Spielzeug.

    Der DFB hat sich aber keinen Gefallen getan, zur Eröffnung der Bundesligasaison selbst Pyrotechnik zu verwenden.

    war bei dem Stadionbrand in Bradford (siehe Ihr Link) nicht im Spiel, sondern wahrscheinlich eine Zigarette. Spricht eigentlich eher für die Kontrollierbarkeit von Pyro und die Gefährlichkeit von Zigaretten.

  5. Denn: welches Stadion in Deutschland hat noch Holztribünen?

    Die Stehplatztribünen sind in Deutschland überwiegend aus Beton und brennen nicht so schlecht.
    Trotzdem muss man den Einsatz von Pyrotechnik nicht befürworten - das ist kein Spielzeug.

    Der DFB hat sich aber keinen Gefallen getan, zur Eröffnung der Bundesligasaison selbst Pyrotechnik zu verwenden.

    Antwort auf "Zum Nachdenken ..."
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    • th
    • 11. Dezember 2012 19:26 Uhr

    wer hätte gedacht, dass es beim Brand einer motorlosen Standseilbahn in einem Tunnel zu mehr als hundert Toten kommen könnte?

    Wer hätte gedacht, dass in einem relativ neuen Gebäude, das allen Sicherheitsvorschriften entsprach, elf zum Teil behinderte Menschen wegen einem Leck in einem Gasofen ums Leben kommen würden?

    Es ist einfach keine gute Idee, inmitten einer Menschenmenge in einem umschlossenen Raum Feuerwerkskörper zu zünden, die eine beträchtliche Hitze entwickeln.

    Das versteht auch jeder, der kein "Fan" ist.

    • th
    • 11. Dezember 2012 19:26 Uhr

    wer hätte gedacht, dass es beim Brand einer motorlosen Standseilbahn in einem Tunnel zu mehr als hundert Toten kommen könnte?

    Wer hätte gedacht, dass in einem relativ neuen Gebäude, das allen Sicherheitsvorschriften entsprach, elf zum Teil behinderte Menschen wegen einem Leck in einem Gasofen ums Leben kommen würden?

    Es ist einfach keine gute Idee, inmitten einer Menschenmenge in einem umschlossenen Raum Feuerwerkskörper zu zünden, die eine beträchtliche Hitze entwickeln.

    Das versteht auch jeder, der kein "Fan" ist.

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