Jahresrückblick 2012 : "Ich wusste: Dieses Foto wird etwas Besonderes!"

Die Pose von Mario Balotelli im EM-Halbfinale gegen Deutschland ging um die Welt. Der Fotograf Leonhard Foeger hat sie festgehalten. Uns erzählt er von diesem Juni-Tag.
Mario Balotelli nach seinem 2:0 im EM-Halbfinale gegen Deutschland © Leonhard Föger/Reuters

Als ich Mario Balotelli zum ersten Mal wahrgenommen habe, war er mir ein wenig unsympathisch. Er wirkte ein bisschen arrogant. Ich wusste, dass er ein ausgezeichneter Fußballer war, aber auch schon den einen oder anderen Skandal produziert hatte. Während dieser Fußball-Europameisterschaft ist er mir sympathischer geworden. Vor allem natürlich im Spiel gegen Deutschland, bei dem dieses Bild entstand.

Ich arbeite seit 1993 für die Bildagentur Reuters und war schon bei vielen großen Sportveranstaltungen dabei. Solch ein Bild habe ich aber noch nie geschossen. Das war schon herausragend. Obwohl ich natürlich nicht der einzige Fotograf war, der Balotelli fotografiert hat.

Leonhard Foeger

Leonhard Foeger aus Österreich startete 1993 als freier Fotograf bei Reuters, mittlerweile ist er Chief Photographer Austria. Foeger ist 47 Jahre alt und lebt und arbeitet in Wien.

So ein EM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien ist natürlich etwas Besonderes. Die Spannung und Nervosität war sogar für uns Fotografen zu spüren. Schon lange vor dem Match bauten wir im Stadion unsere ferngesteuerten Kameras auf und machten letzte Leitungstests.

Meine Kollegen waren rund um das Spielfeld eingeteilt. Ich bezog meinen Posten auf der Tribüne, eine ungewöhnliche, aber interessante Perspektive.

Man kann von dort oben sehr schöne grafische Fotos machen. Diese Bilder sind bei unseren Kunden, den Zeitungen, Magazinen und Onlinemedien, extrem beliebt, weil man das kräftige Grün des Rasens als Hintergrund hat. Es gibt auf diesen Fotos meist auch keine störende Bande oder Werbung. Zudem hat man auf der Tribüne den Vorteil, dass man Szenen vor beiden Toren einfangen kann, weil man ziemlich mittig steht.

Nach nur 20 Minuten hat Balotelli sein erstes Tor gemacht, per Kopf, und jubelte entsprechend. 16 Minuten später gelang ihm das 2:0 und uns Fotografen ein Bild, wie es noch nicht dagewesen war.

Es ging alles sehr schnell. Balotelli jubelt und reißt sich das Leiberl runter und steht so da. In dem Moment denkt man nicht groß nach, aber ich wusste schon damals: Dieses Foto wird etwas Besonderes! Dieses Bild wird Symbolcharakter haben! Es war ja auch das 2:0, also schon so etwas wie eine Vorentscheidung. Vor allem aber war es eine sehr imposante Pose.

Das Bild ging sofort danach an meinen Editor in Berlin und nach wenigen Minuten um die ganze Welt. Nach dem Spiel habe ich gleich nachgeschaut, wie das Spiel auf den Online-Nachrichtenseiten bebildert wurde. Und schon da habe ich gesehen, wie wichtig dieses Bild war. Ein Bild, das ein bisschen länger leben wird als die anderen.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Dieses Foto, schön eingerahmt,

wäre doch ein sinnvolles Weihnachtsgeschenk der Nationalelf für ihren Trainer Löw gewesen, bei dessen Anblick er nicht nur immer wieder an seine Fehler erinnert würde, sondern sich darüber auch permanent kräftig schwarz ärgern müßte .... um es dann beim nächsten Mal hoffentlich besser zumachen.

Schlechtes Foto

Dieses Foto suggeriert die Überheblichkeit einer Rasse. Man stelle sich einen deutschen Spieler in dieser Pose vor.
Prügel ohne Erbarmen wäre die Folge gewesen.Rassismus und Nationalismus die Vorwürfe. Ich stelle mir unter einem guten Foto etwas Völkerverbindendes vor. Dieser Balotelli ist ein "fieser Kerl", welcher seine menschlichen Qualitäten
in der englischen Primär- League unter Beweis gestellt hat.
Als Anhänger der deutschen Fußball-Nationalmanschaft lehne ich das Foto vollständig ab.

Für Ihre rassistische Betrachtungsweise kann niemand was

Tut mir echt leid, aber die Suggestion entsteht hier leider allein in Ihrem Kopf. Über die Ursachen kann man spekulieren, das führte aber zu weit.

Ansonsten:

Gut gemacht, Bruder!!! Den Deutschen zwei Tore reingeknallt. An deiner Stelle hätte ich mir nicht nur das Trikot ausgezogen und deine Siegerpose eingenommen, ich hätte mir vermutlich unmittelbar nach dem Spiel noch richtig einen drauf runter...

That day you made my day!