Manipulation im FußballAfrika – Schlaraffenland für die Wettmafia

Zimbabwe hatte jüngst seine gesamte Nationalelf suspendiert. Nun muss Südafrikas Fußballpräsident gehen: Afrika scheint für Wettbetrüger ein ideales Umfeld. von Olaf Jansen

Südafrikas Fußballer während des Eröffnungsspiels der WM 2010

Südafrikas Fußballer während des Eröffnungsspiels der WM 2010  |  © David Cannon/Getty Images

Als Anfang Dezember dieses Jahres Philemon Setshedi, ehemaliger Assitenzcoach der südafrikanischen Nationalmannschaft, wegen Manipulation eines Fußballspiels auffiel, war der Aufschrei in Südafrikas Fußball groß. Der ehemalige Trainer war verhaftet worden, nachdem ihm nachgewiesen worden war, das Ergebnis eines Drittliga-Playoff-Spiels in Kapstadt abgesprochen zu haben. "In Zusammenarbeit mit dem Weltfußballverband Fifa wollen wir alle warnen: Es gibt eine Null-Toleranz-Politik, was Korruption und Spielmanipulationen betrifft", befand Südafrikas Fußballpräsident Kirsten Nematandani seinerzeit.

Zwei Wochen später ist Nematandani selbst ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Laut einem Fifa-Bericht soll er an Spielmanipulationen im Vorfeld der WM 2010 beteiligt gewesen sein. Es geht um vier Vorbereitungsspiele der südafrikanischen Nationalmannschaft. Der Weltverband sieht es laut einem Untersuchungsbericht als erwiesen an, dass die Testspiele gegen Thailand (4:0), Bulgarien (1:1), Kolumbien (2:1) und Guatemala (5:0) zugunsten der asiatischen Wettmafia beeinflusst worden sind. Neben Nematandani, der am Montag vorläufig von seinem Amt als Verbandsboss suspendiert wurde, stehen vier weitere Mitarbeiter des südafrikanischen Fußballverbandes unter Verdacht, an dem Betrug beteiligt gewesen zu sein. Unter ihnen auch Südafrikas Sportdirektor Dennis Mumble, 2010 einer der lokalen Chef-Organisatoren der WM. Weitere Untersuchungen sollen folgen.

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Die Details des aktuellen Manipulationsskandals belegen wieder einmal, mit welch einfachen Mitteln die Wettmafia vom Tan-Dan-Syndikat aus Singapur in der Vergangenheit zum Ziel ihrer Betrügereien gekommen ist. Über die Scheinfirma Football4U hatte der Vermittler Wilson Perumal aus Singapur 2009 Kontakt zum südafrikanischen Fußballverband aufgenommen. Perumal bot an, im Rahmen von Vorbereitungsspielen der WM-Gastgeber auch Schiedsrichterschulungen vornehmen zu wollen. Die von ihm vermittelten Unparteiischen aus Kenia, Togo und Niger leiteten die betroffenen Spiele und trugen mit etlichen fragwürdigen Elfmetern offensichtlich zu den gewünschten Ergebnissen bei.

Südafrikas Offizielle in diesem Fall als Opfer anzusehen, verbot sich rasch, nachdem die Fifa die Untersuchungen zu diesen Fällen im März dieses Jahres aufgenommen hatte. Der Manipulator Perumal ist seit Jahren kein unbeschriebenes Blatt in der Szene. Schon 1995 wurde er in seiner Heimat erstmals wegen Bestechung eines Fußballers verurteilt. Und es gab weitere erwiesene Manipulationsversuche. In Singapur steht er seit 2009 auf der Fahndungsliste, nachdem er der Polizei am Flughafen von Changi entwischen konnte. In Finnland wurde er 2011 zu zwei Jahren Haft verurteilt, nachdem er elf finnische Fußballprofis zu bestechen versucht hatte.

Der in Südafrika beteiligte Fifa-Referee Ibrahim Chaibou aus dem Niger ist allerdings erst seit 2010 auffällig. Beim Länderspiel Ecuador gegen Venezuela im November 2010 verhängte er beim 4:1 zwei äußerst fragwürdige Elfmeter, mit dem Resultat wurden in Asien millionenschwere Gewinne gemacht. Im Spiel Südafrikas gegen Guatemala am 31. Mai 2010 war es noch auffälliger: Chaibou gab drei Elfmeter wegen vermeintlichen Handspiels gegen Guatemala – mindestens zwei waren deutliche Fehlentscheidungen.

Beim Spiel Südafrikas gegen Kolumbien (2:1) vier Tage zuvor, das vom kenianischen Referee Langat Kipngetich geleitet wurde, fielen alle drei Tore nach Elfmeterentscheidungen. Dieses Match war seinerzeit das offizielle Eröffnungsspiel des Soccer-City-Stadions in Johannesburg, wo sich einige Wochen später Spanien und die Niederlande im WM-Endspiel gegenüberstanden. Laut Fifa-Bericht sind zumindest diese beiden Testpartien verschoben worden. Der Weltverband notiert in seinem Bericht allerdings, dass keine Spieler dieser Partien unter dem Verdacht stehen, ebenfalls an der Manipulation beteiligt gewesen zu sein. Die Schiedsrichterbestechung scheint der Mafia in diesem Fall ausgereicht zu haben.

Leserkommentare
    • Legatus
    • 21. Dezember 2012 0:57 Uhr

    Allerdings ist es in Europa nicht viel besser, bei einigen Verbänden herrschen mafiaähnliche Strukturen vor und machen sich teils nicht einmal damit strafbar.

  1. Die Zuschauer: nein, sie haben ein interessantes oder manchmal auch seltsames Spiel gesehen

    Die Buchmacher: nein, die gewinnen immer

    Die Wett-Gewinner: was für ne Frage

    Die Wett-Verlierer (die große Anzahl): ja, aber werden sie aus Schaden klug?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Südafrika | Afrika-Cup | Elfmeter | Guatemala | Nationalmannschaft | Niger
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