Manipulation im FußballAfrika – Schlaraffenland für die Wettmafia
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Komplette Nationalmannschaft suspendiert

In Südafrikas Fußballverband hat seit Nematandanis Suspendierung vorübergehend der Vize Mwelo Nonkonyana die Geschäfte übernommen. "Eine schwierige Situation für unseren Verband", hat Nonkonyana festgestellt. Tatsächlich ist das eine prekäre Situation für Südafrikas Fußballgemeinde, die in wenigen Wochen den Afrika-Cup ausrichten wird. Südafrikas Interims-Fußballpräsident hofft angesichts des bevorstehenden kontinentalen Sport-Höhepunktes auf möglichst wenig schlechte Schlagzeilen: "Wir hoffen, dass die weiteren Untersuchungen dieses Falles ungestört ablaufen können und nicht voreilig Urteile gefällt werden."

Bei den bevorstehenden intensiveren Untersuchungen könnten allerdings durchaus weitere Funktionäre ins Visier der Ermittler geraten. Selbst Fifa-Mitarbeiter scheinen verdächtig. Es ist eigentümlich, dass Schiedsrichter Chaibou aus dem Niger, dessen Verbindungen zum Tan-Dan-Syndikat 2010 immer offensichtlicher wurden, im Juni 2011 auch noch die Partie zwischen Nigeria und Argentinien leiten durfte. Chaibou gab beim Stand von 4:0 für die Westafrikaner Mitte der zweiten Halbzeit einen fragwürdigen Strafstoß für Argentinien, der zum 4:1-Endstand führte. Mit dem Tipp von fünf Treffern in diesem Spiel flossen in Asien Millionenprämien in den Wettbüros. Zudem gab die Fifa laut einem Bericht der FAZ die Informationen erst Ende vergangener Woche an die Südafrikaner weiter. Der Bericht soll aber schon im August fertiggestellt worden sein.

Die Wettmanipulatoren scheinen für ihre Geschäfte in Afrika gute Bedingungen vorzufinden: Afrikanische Fußballer und Schiedsrichter verdienen vergleichsweise wenig Geld und sind daher geradezu ideale Zielpersonen der Betrüger. Als 2008 der mittlerweile verstorbene Reinhard Fabisch, seinerzeit Nationaltrainer Benins, während des laufenden Afrika-Cups in Ghana bestochen werden sollte, holten sich die Betrüger eine Absage.

Doch sie wurden anschließend auf der Suche nach willfährigen Mitarbeitern nachweislich noch fündig. Anfang November dieses Jahres suspendierte Simbabwes Fußballverband gleich sämtliche Profis der Nationalmannschaft. Zudem wurden der frühere Nationaltrainer Sunday Chidzambwa und Verbandsgeschäftsführerin Henrietta Rushwaya entlassen und zu lebenslangen Sperren verurteilt. Seit 2009 sollen Spieler und Funktionäre des südafrikanischen Nachbarlandes systematisch in Manipulationsskandale verwickelt gewesen sein. Auch hier sind die Drahtzieher: Wilson Perumal und das Singapur-Syndikat.

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Leserkommentare
    • Legatus
    • 21. Dezember 2012 0:57 Uhr

    Allerdings ist es in Europa nicht viel besser, bei einigen Verbänden herrschen mafiaähnliche Strukturen vor und machen sich teils nicht einmal damit strafbar.

  1. Die Zuschauer: nein, sie haben ein interessantes oder manchmal auch seltsames Spiel gesehen

    Die Buchmacher: nein, die gewinnen immer

    Die Wett-Gewinner: was für ne Frage

    Die Wett-Verlierer (die große Anzahl): ja, aber werden sie aus Schaden klug?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Südafrika | Afrika-Cup | Elfmeter | Guatemala | Nationalmannschaft | Niger
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