In Berlin betrachtet man die ganze Angelegenheit mit der Gelassenheit des Favoriten. Dass Niersbach kürzlich sagte, mögliche Spiele fänden "nicht automatisch in Berlin" statt, wertet man als gutes Zeichen. "Dass auch München geeignet ist, will ich nicht grundsätzlich bestreiten", sagt BFV-Präsident Schultz. "Aber es spricht natürlich einiges für die Hauptstadt, zumal das andere Länder bei der EM vermutlich auch so machen werden."

Schultz weiß seit der WM 2006, worauf es bei internationalen Großereignissen ankommt. Im Anforderungskatalog geht es meist um ein modernes Stadion mit ausreichend (Sitzplatz-)Kapazität, die Hotelinfrastruktur spielt eine Rolle, der Nahverkehr. Diese Vorgaben hat Berlin in der Vergangenheit stets erfüllt. "Bei den Hotels in Berlin gibt es eine große Bandbreite von günstigen bis hochklassigen Unterkünften", sagt Christoph Meyer, der Sprecher des Olympiastadions. Und die Verkehrsanbindung mit S- und U-Bahn "ist in Deutschland einmalig". Um die 80 Prozent der Besucher kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das Olympiastadion selbst hat mit 74.244 Plätzen die höchste Sitzplatzkapazität in Deutschland, auch wenn es bei internationalen Spielen etwas weniger sind. Die Arena wurde von der Uefa in die höchste Stadionkategorie vier einsortiert, was nicht nur zur Austragung des Champions-League-Finals 2015 berechtigt. Auch für eine EM-Endrunde ab dem Halbfinale käme Berlin in Frage – Platini wünscht sich Endspielarenen, die mindestens 70.000 Zuschauern Platz bieten können.

Berlin sieht sich im Vorteil

In Berlin glaubt man zudem, durch Erfahrungen der ständigen Großveranstaltungen – ob Leichtathletik-WM 2009 oder Frauen-Fußball-WM 2011 – im Vorteil gegenüber den Kontrahenten zu sein. "Bei uns hat sich das alles inzwischen eingespielt, auch wegen des jährlichen DFB-Pokalfinales und der vielen Länderspiele", sagt Meyer . "Wir zeigen seit Jahren, dass wir solche Großereignisse ohne Zwischenfälle organisieren können. Durch das Pokalfinale besteht auch ein sehr guter Kontakt zum DFB." Dieser stetige Kontakt soll nun dabei helfen, als Austragungsort vom nationalen Verband auserkoren zu werden.

"Unser großes Interesse ist beim DFB hinterlegt", sagt Olympiastadion-Geschäftsführer Joachim Thomas. BFV-Präsident Schultz sieht aber "sicher auch die Politik gefordert, eine Absichtserklärung zu geben, dass solche Großereignisse in der Stadt erwünscht sind". Die kam bereits am frühen Freitagnachmittag. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte: "Natürlich würde Berlin sich freuen, wenn der DFB sich für die Hauptstadt entscheidet. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden."

Oder zumindest beinahe. Denn da ist doch eine Sache, über die könnte Berlin beim Rennen um EM-Spiele stolpern. Die Uefa legt grundsätzlich Wert darauf, dass die Ausrichterstädte gut per Flugzeug erreichbar sind. "Ich bin ein Optimist", sagt BFV-Präsident Schultz. "Ich hoffe mal, dass der Flughafen bis 2020 fertig ist."

Erschienen im Tagesspiegel