Der ehemalige Realschullehrer hat in den Neunzigern als Trainer des VfL Stade lediglich einmal einen Oberligisten trainiert. Aber: "Ich wollte immer mal im Ausland arbeiten", sagt Klaus-Dieter Pagels. Über den Bruder von Horst Hrubesch, mit dem Pagels befreundet ist, wird 2009 ein erster Kontakt zum DFB hergestellt. Dort war schon lange über ein Projekt in Simbabwe nachgedacht worden. Die Tatsache, dass Pagels Tochter mit einem Simbabwer verheiratet ist, beschleunigte die Angelegenheit.

Im Herbst 2009 fährt Pagels erstmals für drei Wochen in den Südosten des afrikanischen Kontinents, um die Situation vor Ort zu analysieren. Resultat: "Es fehlt an allem. Vor allem an Material. An Bällen, Trikots, Fußballschuhen", erinnert er sich. Mit einem 50-seitigen Bericht kommt Pagels zurück. Und überzeugt so die potenziellen Auftraggeber. Es wird ein Entwicklungshilfeprojekt für Simbabwe gestartet. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes und unterstützt vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sowie dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) siedelt Pagels ein halbes Jahr später nach Simbabwe über. Das Aufgabenprofil: Aufbau des Jugendfußballs, Unterstützung des Mädchen- und Frauenfußballs sowie Trainerausbildung.

Doch Pagels geht nicht mit leeren Händen. Rund um seine norddeutsche Heimat rief er zu Spendenaktionen auf und sammelte alles, was Fußballer gebrauchen können. Und so geht nicht nur Pagels, sondern auch ein mit Bällen, Fußballschuhen und Trikots prall gefüllter Container auf große Reise nach Simbabwe.

Trainerausbildung steht zunächst auf dem Programmzettel. Nicht nur in der Hauptstadt Harare, ebenso in der Provinz des Landes, das flächenmäßig ein klein wenig größer ist als Deutschland. "Ich bin erst einmal sehr viel durch das Land gereist", sagt Pagels. Arbeitstage von 14 Stunden und mehr sind keine Seltenheit. Schnell ist Pagels angetan vom Eifer der angehenden Trainer. "Manche mussten erst einmal einen fünfstündigen Fußmarsch absolvieren, um unseren Trainerkurs zu erreichen. Aber gemurrt hat keiner." Rund 1.200 Trainer bildet Pagels in zwei Jahren aus. Sein Eifer und sein Ehrgeiz sind im Land schnell berühmt. "Mr. Soccer" wird Pagels in Simbabwe nur noch genannt.

Und "Mr. Soccer" kümmert sich intensiv um die Förderung des Jugendfußballs. Auch in Simbabwe gibt es – wie in den meisten afrikanischen Staaten – lediglich organisierten Schulfußball. Nachwuchsförderung auf Vereinsebene oder sogar Auswahlteams sucht Pagels zunächst vergeblich. Also organisiert er Fußballveranstaltungen: Turniere für Schulteams und Sichtungstrainings für besonders talentierte Kicker. Von der Qualität der Kids ist er schnell begeistert: "In Simbabwe gibt es ein riesiges Reservoir von talentierten Kindern. Technisch stark, gewandt, schnell und geschmeidig sind unheimlich viele. Sie müssen nur in die richtige Richtung gelenkt werden. Dann braucht sich um den simbabwischen Fußballnachwuchs niemand Sorgen zu machen."