NationalmannschaftBundestrainer Löw räumt Fehler ein

Joachim Löw würde im Nachhinein eine andere Aufstellung im EM-Halbfinale gegen Italien wählen, sagt er. Zugleich kritisiert er bewegungsfaule Spieler der Nationalelf. von dpa

Bundestrainer Joachim Löw hat hinsichtlich des EM-Halbfinal-Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien erstmals Fehler eingeräumt. "Mit dem Wissen von heute würde ich im Halbfinale gegen Italien wahrscheinlich eine andere Aufstellung wählen", sagte Löw der Süddeutschen Zeitung . "Ich hatte ja einen klaren Plan für dieses Spiel. Und natürlich muss ich jetzt zugeben, dass der Plan nicht aufgegangen ist", sagte Löw .

Zudem sagte Löw, er müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, beim 1:2 gegen die Italiener und beim 4:4 gegen Schweden in der WM-Qualifikation nicht eingegriffen zu haben. "Vielleicht hätte ich tatsächlich durch irgendwelche Maßnahmen noch etwas bewirken können", sagte er. Aber es komme vor, dass ein Trainer nach einem Spiel einräumen müsse, dass er an diesem Tag nicht die richtigen Lösungen parat gehabt hat.

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Die beiden Partien hätten laut Löw die Schwächen des DFB-Teams aufgezeigt. "Wenn der Gegner eine Veränderung in seinem Spiel vornimmt, dann verliert meine Mannschaft manchmal ihre Sicherheit und ihren Spielstil." Gegen Italien sei Deutschland 15 Minuten lang gut im Spiel gewesen, dann seien die Italiener plötzlich weiter nach vorne gerückt. Dies hätten die Schweden nach 60 Minuten ebenfalls gemacht. "Und beide Male hat meine Mannschaft das vernachlässigt, was sie eigentlich mit am besten kann auf der Welt", sagte Löw, "sie hat ihren Spielaufbau nicht mehr durchgezogen. Sie hat einfach ihre größten Trümpfe aus der Hand gegeben."

Kritik an manchen Spielern

Löw wirft einigen Spielern zudem vor, beim Vorrücken der gegnerischen Mannschaft , sich nicht mehr freizulaufen oder den Ball zu fordern. Dabei wären die Automatismen doch eigentlich dieselben, sagte Löw. Mann könne den Ball genauso weiter hinten rausspielen. Stattdessen entdeckte Löw in der Nachbetrachtung und Auswertung Spieler, "die sich eine halbe Minute lang gar nicht mehr bewegen", sagte er der Frankfurter Rundschau .

Beim EM-Aus gegen Italien hatte Löw die Startelf auf drei Positionen im Vergleich zum 4:2-Sieg im Viertelfinale über Griechenland verändert. Unter anderem saß der gegen die Griechen überragende Marco Reus bis zur 46. Minute nur auf der Bank. Zu diesem Zeitpunkt führten die Italiener durch zwei Tore von Mario Balotelli bereits 2:0. Im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden Mitte Oktober hatte Deutschland einen 4:0-Vorsprung in der letzten halben Stunde noch verspielt.

Löw hofft, dass er und die Mannschaft stärker aus dem durchwachsenen Länderspieljahr 2012 hervorgehen . "Manchmal müssen Dinge richtig wehtun, damit man daraus lernt", sagte er. Alle müssten lernen, damit umzugehen, so Löw: "Wenn man mal solche negativen Dinge erlebt hat, will man sie mit aller Gewalt verhindern."

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Leserkommentare
  1. Ich schaue Fußball der deutschen Nationalelf, um rasanten Mannschaftssport zu genießen. Sehr oft in letzter Zeit wird er mir geboten, manchmal nicht.
    Beim Trainer habe ich allerdings das Gefühl, daß die vorbereitende umfassende Analyse des Gegners nicht auf ein Ziel für die deutsche Mannschaft gerichtet ist, sondern selbstverliebt um ihrer selbst und seiner, des Löwchens Selbsterhöhung willen betrieben wird. Sie scheint mir also häufig der Bestätigung und Darstellung seiner Analysekompetenz zu dienen und nicht zuallererst den Erfolg der Mannschaft zum Ziel zu haben. Herr Löw, Sie sind gewiß kein schlechter Trainer, zeigen Sie doch bitte nur noch, daß Ihre Arbeit neben dem Beweis ihrer Qualität auch eine sehr gute und erfolgreiche Mannschaft zum Ziel hat.

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    • dacapo
    • 23. Dezember 2012 5:35 Uhr

    Um zum Erfolg zu kommen, muss die Mannschaft die Qualität haben, für die Löw mit Kliensmann zusammen gearbeitet hat. Über solch einer langen Zeit gab es bisher noch keine deutsche Nationalmannschaft mit der Spielqualität. Ein Titel zu holen, ist nicht mehr so leicht wie in früheren Zeiten, die Qualität des Fussballs hat sich in der Breite stark verbessert. Früher konnte man schon mal einen Titel gewinnen, wenn man eine Durchschnittsmannschaft war und eine sogenannte Turniermannschaft war. Und Glück gehört sowieso immer dazu, so wie 1974, als die Holländer die spielstärkste Turniermannschaft war. Die starke Zeit der Deutschen war zu der Zeit schon wieder abgelaufen.

  2. Dieser Bundestrainer, hat die besten Spieler seit 50 Jahren . Herr Löw hat bereits 2 Titel verspielt...und er wird keinen Titel holen....mit dieser Mannschaft holt ein guter Trainer Titel am Fließband ....

    3 Leserempfehlungen
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    • dacapo
    • 23. Dezember 2012 5:26 Uhr

    Das ist in der Tat ein Witz, Ihre Feststellung. Titel wie auf dem Fließband holen zu können. Was glauben Sie wohl wieviel Mannschaften das ausser den Deutschen wollen und es auch können?

  3. Man kann Löw ja manches vorwerfen, aber altmodisch ist er sicher nicht. Er hat aus der Fussballnationalmannschaft seit 2004 ein erstklassiges Spektakel gemacht, bei den allermeisten Spielen, alles andere als altmodisch. Er arbeitet systematisch mit den jüngsten Spielern, wenn sie mithalten können, und mit den Alten, solange sie mithalten können: Ballack, Klose.
    Selbstbewusst hält er an seinen Vorstellungen fest bis zum Scheitern(Spanien 2008 und 2010, Italien 2012) bevor er einen Fehler eingesteht. Selbst in diesem Interview betont er seine Einschätzung, dass die Spieler das Match verloren haben, indem sie sich aus dem Konzept haben bringen lassen. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie er sich so die Entlassungen bei den Klubs in Deutschland, Österreich und in der Türkei eingehandelt hatte. Aber ehrlich gesagt: Hat er nicht recht? Es sind Defizite einer Mannschaft mit fantastisch talentierten Spielern.

    2 Leserempfehlungen
    • dacapo
    • 23. Dezember 2012 5:35 Uhr
    7. erfolg

    Um zum Erfolg zu kommen, muss die Mannschaft die Qualität haben, für die Löw mit Kliensmann zusammen gearbeitet hat. Über solch einer langen Zeit gab es bisher noch keine deutsche Nationalmannschaft mit der Spielqualität. Ein Titel zu holen, ist nicht mehr so leicht wie in früheren Zeiten, die Qualität des Fussballs hat sich in der Breite stark verbessert. Früher konnte man schon mal einen Titel gewinnen, wenn man eine Durchschnittsmannschaft war und eine sogenannte Turniermannschaft war. Und Glück gehört sowieso immer dazu, so wie 1974, als die Holländer die spielstärkste Turniermannschaft war. Die starke Zeit der Deutschen war zu der Zeit schon wieder abgelaufen.

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    Antwort auf "Die ewige Analyse"
  4. Naja der beste den wir haben könnten ist wohl etwas überzogen. Ich würde jederzeit einen Klopp einem Löw vorziehen. Aber ob Klopp das irgentwann macht ist fraglich.

    Man kann Löw schon einiges vorwerfen. Vorallem die Auswahl der Spieler ist manchmal mehr als altmodisch.

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    Man kann Löw ja manches vorwerfen, aber altmodisch ist er sicher nicht. Er hat aus der Fussballnationalmannschaft seit 2004 ein erstklassiges Spektakel gemacht, bei den allermeisten Spielen, alles andere als altmodisch. Er arbeitet systematisch mit den jüngsten Spielern, wenn sie mithalten können, und mit den Alten, solange sie mithalten können: Ballack, Klose.
    Selbstbewusst hält er an seinen Vorstellungen fest bis zum Scheitern(Spanien 2008 und 2010, Italien 2012) bevor er einen Fehler eingesteht. Selbst in diesem Interview betont er seine Einschätzung, dass die Spieler das Match verloren haben, indem sie sich aus dem Konzept haben bringen lassen. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie er sich so die Entlassungen bei den Klubs in Deutschland, Österreich und in der Türkei eingehandelt hatte. Aber ehrlich gesagt: Hat er nicht recht? Es sind Defizite einer Mannschaft mit fantastisch talentierten Spielern.

    • dacapo
    • 23. Dezember 2012 5:26 Uhr

    Das ist in der Tat ein Witz, Ihre Feststellung. Titel wie auf dem Fließband holen zu können. Was glauben Sie wohl wieviel Mannschaften das ausser den Deutschen wollen und es auch können?

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    Antwort auf "Ein Witz"
  5. er versteht es nicht die individuellen Qualiäten der talentierten "zugetragenen" Spieler in ein Spielsystem einzubauen. Er verbiegt ja geradezu Potenziale, die sich dann in einem System wiederfinden, dass den Spielern nicht gerecht wird. Er hält zur Zeit zu lange an Schweinsteiger fest, der seinen Zenit deutlich überschritten hat und um seine Nicht-Berücksichtigung bettelt aber trotzdem aufgestellt wird.
    Löw ist nicht in der LAge den Zeitdruck in einem Turnier gerecht zu werden und schient dann am Rande eines Burnout zu sein. Die Aufstellung gegen Italien ist dazu ein empirischer Beweis....
    Die Besten der Deutschen Mannschaft haben einen besseren Trainer verdient.....

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Joachim Löw | Bundestrainer | DFB-Team | Italien | Nationalmannschaft | Schweden
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