FC MálagaKein Gehalt schießt die schönsten Tore
Seite 2/2:

Der Scheich verliert das Interesse

Was anschließend geschah, gehört zu den bizarrsten Wendungen der jüngeren Fußballgeschichte. Es ist etwas, das eigentlich nicht sein kann, nicht sein darf in der schönen neuen Fußballwelt: Nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte drehte der Scheich den Geldhahn zu – unangekündigt und scheinbar ohne Grund. Die Verantwortlichen blieben ratlos zurück. Um das wirtschaftliche Aus abzuwenden, blieben ihnen nur Spielerverkäufe. Und so mussten im Sommer die beiden Leistungsträger Santi Cazorla (zu Arsenal London) und José Rondon (zu Rubin Kasan) gehen, zwischenzeitlich schien gar ein Verkauf des Clubs wahrscheinlich. Der albanische Geschäftsmann Rezart Taci wurde ebenso genannt wie David Beckham.

Seitdem wird über die Beweggründe al-Thanis gemutmaßt: Ging dem Scheich etwa das Geld in der Portokasse aus? Unwahrscheinlich für einen der reichsten Männer der Emirate. Vielmehr scheint es, als hätte der Scheich einfach das Interesse am Projekt Malaga verloren – auch wenn es die Sprecher des Clubs dementieren.

Sicher ist, dass es al-Thani von Anfang an um mehr ging als nur den Fußball. Al-Thani, so glauben inzwischen einige, hätte den Verein nur genutzt, um sich einen guten Ruf in der touristenreichen Region zu erarbeiten. Ein Mittel zum Zweck, um seine ambitionierten Immobilienpläne an der Costa del Sol durchzusetzen, zu denen neben einem Luxushotel auch der Ausbau des Hafens von Marbella zählte . Doch die spanischen Behörden zeigten sich weniger enthusiastisch als die Fußballfans und die Genehmigung der Bauprojekte benötigt – auch der spanischen Wirtschaftskrise geschuldet – mehr Zeit, als von al-Thani erwartet.

Und dann wären da noch die TV-Gelder, deren Vergabe der Emir als unrechtmäßig empfindet. Im Juli äußerte er sich auf Twitter erbost über die Bevorzugung der großen Clubs aus Madrid und Barcelona . Er sprach von Korruption, von einer gleißenden Ungerechtigkeit im spanischen Fußball und forderte eine Untersuchung. Doch statt aktiv zu werden, ließ er seinen Verein in Verbindlichkeiten stecken, die sich auf den laufenden Betrieb auswirkten: Gehälter und Prämien konnten plötzlich nicht gezahlt werden, die Uefa schaltete sich schließlich ein.

Ein Geldgeber, der keine Gehälter zahlt, ein Verband, der mit Sanktionen droht, eine Fangemeinde, die zunehmend argwöhnisch wird und wichtige Spieler, die den Verein verlassen – es klingt wie eine Anleitung für ein sportliches wie wirtschaftliches Desaster.

Doch inmitten der turbulenten Zeit zeigten die Spieler im Verlauf der Saison etwas, das man von den verwöhnten Fußball-Millionären nicht erwartet: Sie spielen Fußball, erfolgreichen Fußball. Statt mit Streiks und Argwohn aufzuwarten, scheinen sich die Profis entschlossen zu haben, die Antwort auf das Chaos in der Vereinsführung buchstäblich auf dem Platz zu geben. Der FC Málaga spielt die beste Hinrunde der Geschichte und mischt nebenbei die Champions League auf.

Gut möglich, dass es eine sportliche Reaktion ist, um den abtrünnigen Scheich wieder zurückzuholen. Möglich ist aber auch, das die Spieler ihr Schicksal in die eigene Hand genommen haben und nun Eigenwerbung betreiben: für sich, für den Verein, vielleicht aber auch für den Fußball im Allgemeinen. Als wollten sie den Beweis bringen, dass sie es sind, die Spiele entscheiden und nicht bloß das Geld, das auf ihr Konto fließt. Das macht den FC Málaga zu einem der aktuell spannendsten Vereine in Europa. Zu einem Verein, gegen den eigentlich alles spricht – und der sich trotzdem wacker schlägt. Zusammenschluss statt Zusammenbruch.

Die Vereinsführung des FC Málaga wehrt sich derweil gegen die Sanktionen der Uefa. Man habe die ausstehenden Gehälter inzwischen beglichen und das Finanzmanagement verbessert, heißt es in einer ersten Stellungnahme . Die Sperre sei demnach unzulässig.

Und überhaupt sei auch Scheich Abdullah al-Thani weiterhin mit Leib und Seele der Inhaber des Clubs. Sicher ist: Ein Sieg gegen die Königlichen aus Madrid sollte jedenfalls auch in Katar für eine schöne Bescherung sorgen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. 1. Huch!

    Die Uefa macht also tatsächlich ernst! Wie beeindruckend. Malaga muss also dran glauben und soll das Exempel abgeben. Wie mutig, liebe Uefa! Dann kann man ja Real, Barca und Chelsea weiter unbehelligt lassen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Langweilig.

    Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven, sachlichen Beitrag leisten möchten. Danke, die Redaktion/ls

    ... dass Real, Barca und Chelsea ihre Gehälter zahlen. Ich denke, der Messi hätte sonst nicht nochmal unterschrieben.

  2. Langweilig.

    Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven, sachlichen Beitrag leisten möchten. Danke, die Redaktion/ls

    Antwort auf "Huch!"
  3. ... dass Real, Barca und Chelsea ihre Gehälter zahlen. Ich denke, der Messi hätte sonst nicht nochmal unterschrieben.

    Antwort auf "Huch!"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lcamino
    • 23. Dezember 2012 13:24 Uhr

    direkt über die Santander, der spanische Staat indirekt über extrem niedrige Steuersätze für die Spieler, durch Investitionen des Staates bei ACS, indirekt wieder über die Verlustverschiebung dann zu Hoch-Tief (wäre nicht das erste Unternehmen, das sich ACS einverleibt hat, das dann über Verluste Konkurs anmelden musste) - wenn man zynisch wäre könnte man sagen, die zukünftigen Arbeitslosen in Essen finazieren Ronaldos gut sitzende Frisur im Estadio Santiago Bernabéu

    Doch wenn die Uefa daran interessiert wäre müsste sie die halbe italienische Liga vom internationalen Spielbetrieb ausschließen; dagegen sind die Vorgänge in Spanien "Peanuts"!

    PS: ähnliches wie für Real gilt übrigens in geringerem Umfang auch für Barca und Chelsea; aber die zahlen ja wenigstens die Gehälter der Spieler :)

    • lcamino
    • 23. Dezember 2012 13:24 Uhr

    direkt über die Santander, der spanische Staat indirekt über extrem niedrige Steuersätze für die Spieler, durch Investitionen des Staates bei ACS, indirekt wieder über die Verlustverschiebung dann zu Hoch-Tief (wäre nicht das erste Unternehmen, das sich ACS einverleibt hat, das dann über Verluste Konkurs anmelden musste) - wenn man zynisch wäre könnte man sagen, die zukünftigen Arbeitslosen in Essen finazieren Ronaldos gut sitzende Frisur im Estadio Santiago Bernabéu

    Doch wenn die Uefa daran interessiert wäre müsste sie die halbe italienische Liga vom internationalen Spielbetrieb ausschließen; dagegen sind die Vorgänge in Spanien "Peanuts"!

    PS: ähnliches wie für Real gilt übrigens in geringerem Umfang auch für Barca und Chelsea; aber die zahlen ja wenigstens die Gehälter der Spieler :)

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • fse69
    • 23. Dezember 2012 13:56 Uhr

    "...PS: ähnliches wie für Real gilt übrigens in geringerem Umfang auch für Barca und Chelsea; aber die zahlen ja wenigstens die Gehälter der Spieler :)..."

    ... Es war bei einem Ligaspiel im November: in der 13. Minute hatte sich Dani Alves verletzt, für ihn kam Montoya ins Spiel. Es war ein historischer Augenblick im modernen Profifußball. Denn in jenem Moment standen 11 Barca-Spieler auf dem Platz, die ihre Wurzeln samt und sonders in der Jugendabteilung des Vereins haben. Wohlgemerkt: nicht etwa um arrivierte Stammspieler zu schonen, sondern als in jenem Augenblick beste verfügbare Elf. So paradox es auch klingen mag: wenn Barca hohe Ausgaben hat, dann deswegen, weil der Club eine solch fantastische Jugend- und Nachwuchsarbeit leistet. Absolute Weltklasse auszubilden und vor allem dann auch im eigenen Verein zu halten, kostet eben Geld. So sehr sie sich auch mit dem Club identifizieren mögen, die Xavis, Iniestas und Messis würden wohl nicht mehr für Barca auflaufen, wenn der Verein ihnen nur einen Bruchteil dessen zahlen würde, was die nationale oder internationale Konkurrenz in Madrid, London, Manchester, Mailand oder München aufwendet.

    Alleine schon deswegen tut man Barca m.E. großes Unrecht, wenn man sie in einer Reihe mit Mannschaften aufzählt, die sich ihre Kader regelmäßig mit Hunderten Millionen von Euro auf dem internationalen Markt zusammenkaufen.

  4. Die FIFA muss sich überlegen , ob sie nicht in der Zukunft die Spieler bezhalen soll . Da wird der Fußball bestimmt Gerechtigkeit geniessen .

  5. ... kommen noch 2 Spieltage Anfang 2013.

    Ansonsten ein interessanter und informativer Artikel über einen Club dessen Spieler ihn durch ihre Leistung finanziell retten könnten.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Freier Autor

    Lieber norbertZ,

    Sie haben Recht - wir haben die Stelle in "kurz vor Ende der Hinrunde" geändert.

    Grüße,

    • fse69
    • 23. Dezember 2012 13:56 Uhr

    "...PS: ähnliches wie für Real gilt übrigens in geringerem Umfang auch für Barca und Chelsea; aber die zahlen ja wenigstens die Gehälter der Spieler :)..."

    ... Es war bei einem Ligaspiel im November: in der 13. Minute hatte sich Dani Alves verletzt, für ihn kam Montoya ins Spiel. Es war ein historischer Augenblick im modernen Profifußball. Denn in jenem Moment standen 11 Barca-Spieler auf dem Platz, die ihre Wurzeln samt und sonders in der Jugendabteilung des Vereins haben. Wohlgemerkt: nicht etwa um arrivierte Stammspieler zu schonen, sondern als in jenem Augenblick beste verfügbare Elf. So paradox es auch klingen mag: wenn Barca hohe Ausgaben hat, dann deswegen, weil der Club eine solch fantastische Jugend- und Nachwuchsarbeit leistet. Absolute Weltklasse auszubilden und vor allem dann auch im eigenen Verein zu halten, kostet eben Geld. So sehr sie sich auch mit dem Club identifizieren mögen, die Xavis, Iniestas und Messis würden wohl nicht mehr für Barca auflaufen, wenn der Verein ihnen nur einen Bruchteil dessen zahlen würde, was die nationale oder internationale Konkurrenz in Madrid, London, Manchester, Mailand oder München aufwendet.

    Alleine schon deswegen tut man Barca m.E. großes Unrecht, wenn man sie in einer Reihe mit Mannschaften aufzählt, die sich ihre Kader regelmäßig mit Hunderten Millionen von Euro auf dem internationalen Markt zusammenkaufen.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... sollte man doch mal gewaltig relativieren. Die spanische 1. Liga ist mit der Kleinigkeit von 3,5 Milliarden € verschuldet. Ein Drittel dieser Peanuts dürfen das stolze Real und der verehrungswürdige FC Barcelona verbuchen. Bei den Katalanen all dies nur, weil St. Barca die Jugendarbeit fördert? Wohl kaum.

    Zum Vergleich: Der FC Bayern kauft seine Spieler vom Festgeldkonto. Aus der eigenen Jugend stammen darüber hinaus: Müller, Lahm, Schweinsteiger, Badstuber, Contento, Alaba, Kroos, Can. Nicht so schlecht.

    Barcelona und Real werden seit jeher von der Politik protegiert. 2001 verkaufte Real mal eben kurzerhand sein Vereinsgelände für 480 Mio. €, nachdem der spanische Staat sich nicht kleinlich zeigte und die sportlich genutzte Fläche als Baugrund deklarierte. Das Gelände wurde dem Verein dann wieder "zurückgeschenkt". Wie nett. Nur so konnte sich Real mit seinem größenwahnsinnigen Präsidenten Perez vor der Pleite retten. Man stelle sich Ähnliches samt Geschrei drumherum in Deutschland vor.

    Barcelona und Real profitieren vom spanischen Steuerrecht und werden so indirekt staatlich subventioniert. Von den Kapriolen der englischen Clubs, die zu Spielzeugen von dubiosen Oligarchen und Scheichs mutiert sind, gar nicht zu reden. Die Uefa ist nichts als scheinheilig, wenn sie jetzt das kleine Malaga bestraft. Die Großen in Spanien und England werden von dieser Seite nie das Geringste zu befürchten haben. Financial Fairplay ist ein Plantini-Phrase, sonst nichts.

  6. Freier Autor

    Lieber norbertZ,

    Sie haben Recht - wir haben die Stelle in "kurz vor Ende der Hinrunde" geändert.

    Grüße,

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service