FC MálagaKein Gehalt schießt die schönsten Tore

Der FC Málaga steht mit Gehältern in Verzug. Die Uefa will ihn sperren. Doch die Spieler besiegen gar Real Madrid. E. Kühl über Geld, Trotz und den merkwürdigen Scheich von 

Malagas Francisco R. Alarcon Isco wird beim Spiel gegen Real Madrid zum besten U-21-Spieler geehrt.

Malagas Francisco R. Alarcon Isco wird beim Spiel gegen Real Madrid zum besten U-21-Spieler geehrt.  |  © David Ramos/Getty Images

Er roquet wieder! Roque Santa Cruz sorgte am Samstagabend im Stadion La Rosaleda zu Málaga für einen geschichtsträchtigen Erfolg: Der frühere Stürmer des FC Bayern besiegelte mit einem Doppelschlag in drei Minuten den 3:2-Heimerfolg des FC Málaga gegen Real Madrid . Kurz vor dem Ende der Hinrunde rücken die Andalusier somit bis auf zwei Zähler an den aktuellen Meister heran und befindet sich auf dem vierten Tabellenplatz erneut auf Champions-League-Kurs.

Der Sieg gegen Real ist aber nur die neuste Wendung in einer bizarren Achterbahnfahrt, die der FC Málaga in den vergangenen zwei Jahren hinter sich hat. Eine Fahrt, die ebenso rasant bergauf ging und diesen Sommer fast schon zu Ende schien. Und kurioserweise gerade dann erst richtig begann.

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Dabei waren die Nachrichten vor dem letzten Spiel der Hinrunde alles andere als positiv für die Andalusier. Im Rahmen des Financial Fair Play wurde der Verein diese Woche von der Uefa für die europäischen Wettbewerbe gesperrt , weil er seinen Zahlungen nicht nachkommt. Sollte sich Málaga in den kommenden vier Jahren erneut für die Champions- oder Europa League qualifizieren, dürften sie dort nicht antreten.

Doch der Reihe nach. Um die Entscheidung der Uefa zu verstehen, muss man zunächst in die Vergangenheit des FC Málaga blicken. Der Verein ist eines dieser merkwürdigen sportlichen Konstrukte, das aus einem schier endlosen Geldfluss und persönlichen Ehrgeiz hervorgegangen ist und daran fast gescheitert wäre.

Die meiste Zeit galten die Andalusier als eine typische graue Maus im spanischen Fußball. So lebhaft die Stadt an der Mittelmeerküste ist, so behäbig war der Fußball: Die Mannschaft spielte irgendwo zwischen unterem Mittelfeld und chronischer Abstiegsangst. Das beste Ergebnis in der Geschichte des Vereins war ein siebter Platz – Anfang der Siebziger Jahre. 1992 löste sich der damals drittklassige Verein aufgrund finanzieller Probleme auf. Ein Jahr später übernahm eine Kapitalgesellschaft den Namen des Málaga Club de Futbol. Der Name blieb, das sportliche Mittelmaß auch. Erst 2000 gelang wieder der Aufstieg in die erste Liga, 2006 stiegen sie wieder ab.

Traditionell in finanziellen Schwierigkeiten, suchten die Verantwortlichen des Clubs nach dem erneuten Wiederaufstieg 2008 nach neuen Investoren. Fündig wurden sie im Nahen Osten: Scheich Abdullah bin Nasser al-Thani, Teil der regierenden Familie Katars , übernahm im Sommer 2010 den Verein und glich die bestehenden Schulden auf einen Schlag aus. Mehr noch, al-Thani wollte Málaga zu einer neuen, dritten Fußballmacht in Spanien aufbauen. Ein neues Stadion sollte her, das im Hinblick auf die WM 2022 den Namen Quatar Stadium tragen sollte.

Eine exklusive Nachwuchsakademie sollte der legendären Kaderschmiede des FC Barcelona Konkurrenz machen und den Verein innerhalb von fünf Jahren in Europas Spitze befördern. Málaga, das schien wie einst Manchester City, Anschi Machatschkala oder RB Leipzig zunächst wie ein Fußballprojekt, das mehr auf persönlichem Größenwahn als sportlicher Realität fundierte.

Geschätzte 150 Millionen Euro investierte al-Thani in kürzester Zeit in den Verein. Er holte etablierte Spieler wie die Ex-Bundesligaprofis Joris Mathijsen und Martin Demichelis, frühere Superstars wie Javier Saviola und Ruud van Nistelrooy und aktuelle Talente wie Santi Cazorla nach Andalusien , und setzte ihnen mit Manuel Pellegrini einen erfahrenen Trainer vor die Nase. Und tatsächlich schien der Plan aufzugehen: Bereits die zweite Saison unter der Ägide al-Thanis schloss Málaga als Vierter in La Liga ab und qualifizierte sich anschließend für die Champions League.

Leserkommentare
    • lcamino
    • 23. Dezember 2012 13:24 Uhr

    direkt über die Santander, der spanische Staat indirekt über extrem niedrige Steuersätze für die Spieler, durch Investitionen des Staates bei ACS, indirekt wieder über die Verlustverschiebung dann zu Hoch-Tief (wäre nicht das erste Unternehmen, das sich ACS einverleibt hat, das dann über Verluste Konkurs anmelden musste) - wenn man zynisch wäre könnte man sagen, die zukünftigen Arbeitslosen in Essen finazieren Ronaldos gut sitzende Frisur im Estadio Santiago Bernabéu

    Doch wenn die Uefa daran interessiert wäre müsste sie die halbe italienische Liga vom internationalen Spielbetrieb ausschließen; dagegen sind die Vorgänge in Spanien "Peanuts"!

    PS: ähnliches wie für Real gilt übrigens in geringerem Umfang auch für Barca und Chelsea; aber die zahlen ja wenigstens die Gehälter der Spieler :)

    Eine Leserempfehlung

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