Magnus Carlsen Ein bescheidener 22-Jähriger dominiert die Schach-Elite
Der "Kampf zwischen den Ideen" ist für Magnus Carlsen die Essenz des Schachs. Beim Weltklasseturnier in London bricht er damit den seit 13 Jahren bestehenden Elo-Rekord.
© T. Kluiters/AFP/Getty Images

Der Norweger Magnus Carlsen während eines Schachturniers im Januar
In seinem vorletzten Spiel beim Weltklasseturnier London Chess Classic schaffte Magnus Carlsen gegen Hikaru Nakamura, die Nummer eins der USA, nur ein Remis. Doch in den vorangehenden Runden hatte er gesiegt, fünf Mal. Jetzt, mit seiner dritten Punkteteilung, hatte Carlsen nicht nur das Turnier vor Exweltmeister Wladimir Kramnik gewonnen. Er schaffte noch mehr: Er brach den seit 13 Jahren bestehenden Elorekord.
"Es ist ganz schön cool. Das ist das größte, was ich bisher erreicht habe", sagte der Norweger mit der Coolness eines 22-Jährigen.
Die Elozahl, das Ratingsystem im Schach, wurde in den sechziger Jahren vom Mathematiker Arpad Elo entwickelt. Der Elopunke-Gewinn berechnet sich aus der Differenz zwischen Erwartungswert und tatsächlichem Ergebnis eines Schachspiels. Den bisherigen Rekord errang Garri Kasparow 1999 mit einer Elozahl von 2.851. Carlsen hat nun nach seinem Londoner Sieg 2.861 Punkte im aktuellen Ranking.
Im Videointerview mit Chessvibes drückte sich der Norweger bescheiden über seinen historischen Erfolg aus. Eigentlich sehe er derzeit kaum einen Qualitätsunterschied zwischen seinem Spiel und dem seiner engsten Konkurrenten, analysierte er. "Ich habe sehr gute und mittelmäßige Resultate. Die anderen erwischen auch mal ein schlechtes Turnier."
Tatsächlich kam Carlsen in London eher durch Kampf und Zähigkeit zu seinen Punkten als durch großes Schach. Eine Partie für die Lehrbücher gelang ihm nur gegen die Ungarin Judit Polgar, die in London zwar auf 2.696 abrutschte, aber bereits seit ihrem zwölften Lebensjahr die Frauenweltrangliste anführt.
In der letzten Runde des Turniers quälte Carlsen am Dienstag den Weltmeister Viswanathan Anand über fünfeinhalb Stunden, eroberte zwischenzeitlich einen Bauern und opferte ihn zurück, um mit wenigen verbliebenen Figuren, zwei Türmen und einem Springer einen gefährlichen Angriff gegen Anands König zu starten. Doch der Inder fand einige Verteidigungszüge und erreichte ein Remis durch dreimalige Wiederholung der Stellung.
- Datum 11.12.2012 - 13:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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danke für die Schach-Artikel!
ich als Gelegenheitsspieler habe nicht die Muße mich ausgiebig damit zu beschäftigen, aber doch Freude an den Nachrichten aus der Schachwelt!
Schoener Artikel - aber bzgl. der ELO-Berechnungsweise bitte noch einmal recherchieren!
Die im Artikel beschriebene Punktevergabe fuer Sieg, Unentscheiden und Niederlage hat nichts mit ELO zu tun. Letzterer berechnet sich aus der Gewinnwahrscheinlichkeit, welche durch die Differenz der ELO-Werte der gegeneinanderspielenden Spieler gegeben ist. Ganz grob beschrieben: Fuer einen Sieg gegen einen staerkeren Spieler gibt es mehr Punkte, fuer einen Sieg gegen schwaechere Gegner weniger.
Lieber Variatio,
vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die Passage daraufhin im Text angepasst.
Viele Grüße aus der Redaktion
Lieber Variatio,
vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die Passage daraufhin im Text angepasst.
Viele Grüße aus der Redaktion
Es ist kein Wunder, dass Kasparov so verkrampft ist, denn er wurde von der Sowjetunion sozialisiert. Für ihn war Schach immer auch ein Überlebenskampf. Wenn Magnus es schafft, so gut zu sein und das Spiel trotzdem als Spaß anzusehen, dann macht er meiner Meinung nach alles richtig. Weiter so!
"Es ist kein Wunder, dass Kasparov so verkrampft ist, denn er wurde von der Sowjetunion sozialisiert."
Oh ja, es werden wieder Ammenmaerchen erzaehlt.
"Es ist kein Wunder, dass Kasparov so verkrampft ist, denn er wurde von der Sowjetunion sozialisiert."
Oh ja, es werden wieder Ammenmaerchen erzaehlt.
"Verpflichtet, das Talent der Schachwelt zu geben"?
Carlsen ist ein freier Mensch. Kasparow offensichtlich nicht.
Lieber Variatio,
vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die Passage daraufhin im Text angepasst.
Viele Grüße aus der Redaktion
"Er hat ein enormes Talent und ist in gewissem Maße verpflichtet, dieses Talent der Schachwelt zu geben."
Dies ist eine Aussage, die ideologisch weit über Schach hinausgeht und eine interessante, allgemeinere gesellschaftsphilosophische Debatte anstoßen könnte.
Liebe Redaktion, ich wünsche mir zu Weihnachten einen Artikel im Ressort Meinung, der diese Frage thematisiert!
seit Bobby Fisher aufgehört hat zu spielen. Das Ergebnis: Schade, aber man kann ihn nicht zwingen.
seit Bobby Fisher aufgehört hat zu spielen. Das Ergebnis: Schade, aber man kann ihn nicht zwingen.
Magnus = Magnates = der Große/Größte
Was mir bei Magnus im Gegensatz zu seinen engsten Konkurrenten auffällt ist dass er ansonsten ziemlich normal redet und sich benimmt, eben nicht abgehoben, sonderbar und keine Schraube locker hat.
gibt es im schach eine "frauenweltrangliste"?!
.
Man möchte vermutlich nicht per Quote 50% Frauen in die Weltrangliste zwingen, daher sind zwei getrennte Weltranglisten einfacher ;)
Eine Antwort auf Ihre Frage versucht das Schachmagazin caissa zu geben:
"Frauen sind aus eher unerfindlichen Gründen immer noch das „schwache“ Geschlecht im Schach. Einige haben es aber immerhin schon in die vorderen Gefilde der Weltrangliste geschafft, eine einzige Spielerin, Judit Polgár, schaffte es jemals in die Top Ten."
Die Antwort ist unbefriedigend. Ich würde Frauen nun keine mangelnde Kreativität im Denksport gegenüber Männern unterstellen. Vielleicht interessieren sich einfach nicht genug Mädchen für Schach, analog zu den viel zitierten MIND-Fächern?
Entfernt, bitte beteiligen Sie sich konstruktiver. Danke, die Redaktion/se
Sie stellen eine sehr wichtige Frage, und ich muss mich immer wieder wundern, wie wenig Beachtung dieses Thema im Allgemeinen findet. Die Beantwortung der Frage, weshalb nur 1% der Schachgroßmeister weiblichen Geschlechts ist, kann vor dem Hintergrund einer gesamtgesellschaftlichen Fragestellung nämlich interessante Implikationen beinhalten. Vielleicht schrecken auch viele vor der Antwort zurück. Dabei gibt es dafür keine Veranlassung.
Judit Polgar, die einzige Frau, die am Männerschach teilnimmt und zeitweise etwa 600 Rangplätze vor der zweitbesten Frau platziert, gab in einem Interview auf diese Frage einmal sinngemäß zur Antwort, Frauen seien nicht im selben Maße wie Männer bereit, ihr Leben für eine Sache zu opfern. Das deckt sich auch halbwegs mit der Beobachtung, dass von der Gesamtheit der schachspielenden Frauen prozentual weniger Spielerinnen in den Wettkampfschach einsteigen. Männer sind im Mittel sehr viel mehr wettkampforientiert.
Eine interessante Studie dazu ist Chabris & Glickman (2006). Sex Differences in Intellectual Performance.
Eine sachliche Begründung für Herren- und Damenschach kann ich nicht ersehen. Ich finde sie mir als überflüssig. Warum hat sich Frau A. Schwarzer nicht damit beschäftigt?
http://ratings.fide.com/t...
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Man möchte vermutlich nicht per Quote 50% Frauen in die Weltrangliste zwingen, daher sind zwei getrennte Weltranglisten einfacher ;)
Eine Antwort auf Ihre Frage versucht das Schachmagazin caissa zu geben:
"Frauen sind aus eher unerfindlichen Gründen immer noch das „schwache“ Geschlecht im Schach. Einige haben es aber immerhin schon in die vorderen Gefilde der Weltrangliste geschafft, eine einzige Spielerin, Judit Polgár, schaffte es jemals in die Top Ten."
Die Antwort ist unbefriedigend. Ich würde Frauen nun keine mangelnde Kreativität im Denksport gegenüber Männern unterstellen. Vielleicht interessieren sich einfach nicht genug Mädchen für Schach, analog zu den viel zitierten MIND-Fächern?
Entfernt, bitte beteiligen Sie sich konstruktiver. Danke, die Redaktion/se
Sie stellen eine sehr wichtige Frage, und ich muss mich immer wieder wundern, wie wenig Beachtung dieses Thema im Allgemeinen findet. Die Beantwortung der Frage, weshalb nur 1% der Schachgroßmeister weiblichen Geschlechts ist, kann vor dem Hintergrund einer gesamtgesellschaftlichen Fragestellung nämlich interessante Implikationen beinhalten. Vielleicht schrecken auch viele vor der Antwort zurück. Dabei gibt es dafür keine Veranlassung.
Judit Polgar, die einzige Frau, die am Männerschach teilnimmt und zeitweise etwa 600 Rangplätze vor der zweitbesten Frau platziert, gab in einem Interview auf diese Frage einmal sinngemäß zur Antwort, Frauen seien nicht im selben Maße wie Männer bereit, ihr Leben für eine Sache zu opfern. Das deckt sich auch halbwegs mit der Beobachtung, dass von der Gesamtheit der schachspielenden Frauen prozentual weniger Spielerinnen in den Wettkampfschach einsteigen. Männer sind im Mittel sehr viel mehr wettkampforientiert.
Eine interessante Studie dazu ist Chabris & Glickman (2006). Sex Differences in Intellectual Performance.
Eine sachliche Begründung für Herren- und Damenschach kann ich nicht ersehen. Ich finde sie mir als überflüssig. Warum hat sich Frau A. Schwarzer nicht damit beschäftigt?
http://ratings.fide.com/t...
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