FußballEhemaliger Schiedsrichter Amerell ist tot

Ex-Fußballfunktionär Manfred Amerell ist tot in seiner Wohnung gefunden worden. Die Todesursache ist unklar, Fremdverschulden und Suizid schließt die Polizei aus. von dpa

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter und Fußballfunktionär Manfred Amerell ist tot. Er wurde am Dienstagnachmittag in einer Wohnung im Münchner Stadtteil Neuhausen aufgefunden. Ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge ist Amerell nicht durch Fremdverschulden oder Suizid gestorben.

Die genaue Todesursache wollen die Ermittler nun durch eine Obduktion und ein toxilogisches Gutachten herausfinden. Mit den Ergebnissen rechnen sie aber nicht vor Donnerstag. Möglicherweise, so die Polizei, könne es auch noch länger dauern. Der "fortgeschrittene Verwesungszustand" des Leichnams würde die Obduktion erschweren, sagte der Münchner Kriminaldirektor Frank Hellwig.

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Amerell – er hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter – stand zuletzt wegen einer langwierigen rechtlichen Auseinandersetzung mit dem Deutschen Fußball-Bund ( DFB ) im Fokus der Öffentlichkeit. Dabei ging es um seine intime Beziehung zum ehemaligen Fifa-Referee Michael Kempter.

"Meine Lebensqualität geht gegen null"

Dieser hatte Amerell sexuelle Übergriffe vorgeworfen . In mehreren Interviews hatte er behauptet, dem Funktionär stets klar signalisiert zu haben, dass er keine sexuellen Kontakte will. Diese Aussage jedoch hatte Kempter in einem gerichtlichen Vergleich wieder zurückgezogen. Nun meinte er, er habe seine Ablehnung möglicherweise nicht ausreichend wahrnehmbar ausgedrückt. Amerell selbst hatte immer darauf bestanden, dass die Beziehung einvernehmlich war.

Aus dem Fall Amerell/Kempter wurde dann noch ein Fall Amerell/DFB, nachdem sich der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger klar hinter Kempter gestellt hatte – noch bevor irgendeine Schuld Amerells geklärt worden war. Daraufhin kündigte dieser an, den Verband wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte auf Schadenersatz verklagen zu wollen .

Im Zuge der Affäre war Amerell im Februar 2010 von seinem Ämtern im DFB und im Süddeutschen Fußball-Verband zurückgetreten. Über die Folgen sagte er vor einem Jahr: "Meine Lebensqualität geht gegen null. Und das ist bis zum Tod nicht mehr zu korrigieren."

Vor seiner Zeit als Fußballfunktionär war Amerell Geschäftsführer bei den Clubs TSV 1860 München, FC Augsburg und Karlsruher SC. Danach pfiff er als Schiedsrichter insgesamt 66 Bundesliga-Partien. Amerell beendete die Karriere nach der Leitung des Pokalfinales 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiß Essen. Im Anschluss wechselte er zum DFB.

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Leserkommentare
  1. Ich habe Manfred Amerell immer als dominanten Schiedsrichter in Erinnerung, der in ausgewogener Fairness Spiele zu leiten wusste und sich dabei scheinbar schwerelos in eleganter Manier über den grünen Rasen bewegte. Selbst in kurzen Hosen verbreitete Manfred - bei aller Jungenhaftigkeit und sportivier Dynamik - immer Selbstbewusstsein, ja man ist geneigt zu sagen: Selbst-Reflexion. Manfreds Erscheinung war gepraegt vom Esprit maennlicher Kraft und Schaerfe und gleichzeitg doch von individueller Leichtigkeit und artistischer Eleganz.
    Wir werden dich vermissen, Manfred Amerell.
    R.I.P

  2. Er wird vermutlich nicht mit seiner Leistung als Schiedsrichter in Erinnerung bleiben. Wollen wir hoffen, dass nicht der Skandal ihn umgebracht hat.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Manfred Amerell | Bundesliga | DFB | Fußball | FC Augsburg | Karlsruher SC
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