WintersportDer Sprung in die Freiheit
Seite 2/2:

Dueck: "Das ist reine Physik"

Die Medaille war für Dueck dennoch Gold wert, gehört er doch zu den wenigen behinderten Hochleistungssportlern, die große Sponsoren an ihrer Seite wissen. Er wird auch regelmäßig von großen Firmen als Motivationscoach gebucht und ist Repräsentant großer Wohltätigkeits- und Arbeitssicherheitsverbände.

Doch die größte Herausforderung, die war bisher der vermeintliche Kamikazesprung im Februar. Wie kann man bitte einen Rückwärtssalto haushoch über dem Schnee steuern, wenn man keine Macht über den eigenen Unterkörper besitzt? Das wurde der Extremsportler jüngst auch in einer US-Talkshow gefragt. "Das ist einfach Wissenschaft, reine Physik", sagte Dueck. Und jede Menge Übung. Dafür hat er seinen Alltagsrollstuhl mit den Stollenwinterreifen ganz schön oft aus seinem Pick-up-Truck in den Skigebieten dieser Welt zum Training ein- und ausgeladen. Sonst ist er damit auch gern durch Flussbäche unterwegs, dabei hat ihn auch schon mal seine Freundin in Gummistiefeln begleitet. Vergangenes Jahr feilte der Querschnittgelähmte mit einem Trainer des kanadischen Freestyleteams, spezialisiert auf Kunststücke, an der Technik in der Luft.

Mehrere Anläufe bis zur Befreiung

Langsam wurde es ernst. "Das Letzte, was ich wollte, war aber, dass das Ding schiefgeht und ich mich hinterher in einer womöglich mieseren Lage wiederfinde, als ich vorher war." So sprang er immer und immer wieder in ein Becken voll Schaumstoff, wie es etwa auch die BMX-Radsportkünstler handhaben, bevor sie auf die echte Halfpipe gehen. Und dann war der Moment gekommen.

Die Spezialisten vom "Powder Mountains"-Schneecamp in Whistler an der Westküste Kanadas baggerten ihm eine steile Rampe im weichen Tiefschnee auf. "Dann war es Zeit", sagt Dueck. Mehrfach holte der Freestyler Schwung, bremste aber am Rampenrand doch wieder ab, glitt zurück, ließ sich wieder den Hang hinaufschieben. Dann kam die Befreiung.

Das Adrenalin treibt ihn noch heute an, im Frühjahr ist er bei Wettkämpfen in Sestriere und St. Moritz , im Februar testet er schon mal beim Weltcup-Finale die Paralympics-Piste von Sotschi. Der Sender ESPN von Freund und Produzent Mike Douglas drehte einen Film über Josh Dueck. "Der Typ haut mich immer wieder um", sagt Douglas. Der Titel seines Filmes: "Rollstuhl der Freiheit".

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Artikel Auf einer Seite lesen
    • Schlagworte ESPN | Paralympics | Kanada | British Columbia | Sotschi | St. Moritz
    Service