Sportlerin des JahresMagdalena Neuner, Biathlon-Rentnerin mit 25 Jahren

Magdalena Neuner ist Sportlerin des Jahres, weil sie ihre Karriere beendete wie sie ist: ohne Brimborium. Seitdem wirkt sie wie eine Selbst-Befreite. Von K. Schulze von Katrin Schulze

Magdalena Neuner beim DFB-Pokal-Finale im Mai 2012

Magdalena Neuner beim DFB-Pokal-Finale im Mai 2012  |  © P. Stollarz/AFP/GettyImages

Auftritte wie diese kann sie inzwischen genießen. Seit sie weniger geworden sind, eher mal Kür als ständige Pflicht, charmiert Magdalena Neuner nur so bei öffentlichen Auftritten. Sie ist so frei, auch am Sonntag bei ihrer Krönung zur Sportlerin des Jahres. Sie hat sich befreit vom Druck. Vom Leistungssport. Vom Dasein als Biathletin.

Die Sportler-Wahl

Die Wahl zum Sportler des Jahres findet in Deutschland seit 1947 statt. Die Agentur Internationale Sport-Korrespondenz (ISK) erfand die Ehrung und führt sie bis heute durch. Seit 1998 werden die Sieger in einer ZDF-Show geehrt. Bei der 66. Abstimmung der ISK wählten in diesem Jahr rund 1500 Sportjournalisten das Gewinner-Trio: Robert Harting (bester Sportler), Magdalena Neuner (beste Sportlerin) und der Ruder-Achter (beste Mannschaft).

Zum dritten Mal nach 2007 und 2011 hat Magdalena Neuner die Wahl nun schon gewonnen. Das liegt natürlich an den sportlichen Erfolgen, an ihren zwei Goldmedaillen bei der Heimweltmeisterschaft in Ruhpolding und dem Sieg im Gesamtweltcup. Die Entscheidung für sie ist aber diesmal auch eine Verneigung vor so viel Mut und Konsequenz.

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Nicht vielen Sportlern gelingt es, aufzuhören, wenn sie am besten sind. Noch weniger schaffen es, ohne später wehmütig ein Comeback zu starten. Magdalena Neuner nimmt man es tatsächlich ab, dass sie ihren Gang in die Biathlon-Rente mit gerade mal 25 Jahren noch nicht bereut hat, so gelöst wie sie seither daherkommt. Leichter und entspannter fühle es sich an, sagt sie. Man müsse sich nicht mehr so einen Kopf machen wie damals, als sie noch durch die Loipen spurtete und meist allen anderen davonlief. Es spielt heute keine Rolle mehr, ob sie rechtzeitig ins Bett kommt, dass sie sich strikt an den Ernährungsplan hält oder den so und so vielten Kilometer abspult und danach möglichst kluge Fernsehkommentare abgibt.

Als Sportlerin war Neuner nie jemand, der das große Brimborium geliebt hat. Sie hat zuweilen regelrecht darunter gelitten, dass so viel Zirkus um ihre Person veranstaltet wird, weil es einfach nicht passte zu ihrer im Prinzip urbodenständigen Art. Allein ihr Abtritt: Eine showlose Nachricht auf ihrer Homepage kündete vor genau einem Jahr vom Abschied und schockierte die Fans ebenso wie den Ski-Verband.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. "Die Entscheidung für sie ist aber diesmal auch eine Verneinung vor so viel Mut und Konsequenz."

    Verneinung???? Echt lustig.

    2 Leserempfehlungen
    • lichud
    • 17. Dezember 2012 15:55 Uhr
    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Magdalena Neuner | Leistungssport | Sportler | Tagesspiegel | Zirkus | Wahl
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