SportstiftungenWo Stiftungsspenden zu PR-Zwecken genutzt werden
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Mehr als ein Drittel der Spenden flossen in Öffentlichkeitsarbeit, Mittelbeschaffung und Verwaltung

Ein hartes Urteil, das der Buchautor Stefan Loipfinger ( Die Spendenmafia ) ebenfalls unterstreicht. Er hat den Test in Sachen Transparenz gemacht, fragte bei allen Sportlerstiftungen mit prominenten Namensgebern an: Wohin fließen die Spenden? Wie viel Geld kommt in den Projekten an?

Sein Untersuchungsergebnis: ernüchternd. "Ich bin enttäuscht worden, weil die Mehrzahl nicht offenlegt, was sie mit dem Geld der Spender tut", sagt Loipfinger. "Obwohl viele Sportler es gewohnt sind, zum Teil auch viele persönliche Dinge von sich zu geben, mauern sie, obwohl sie fremdes Geld einsammeln." Viele Sportstiftungen berufen sich dabei auf die Prüfungen vom Finanzamt sowie ihr Recht, als gemeinnützige Organisation nur wenig öffentlich preisgeben zu müssen.

Nur eine Handvoll Stiftungen würde Experte Stefan Loipfinger empfehlen: Die von Mertesacker gehört dazu, auch die von Philipp Lahm und Jürgen Klinsmann , und zum Beispiel die des FC Bayern. Die Auskünfte bei den meisten anderen waren so dünn oder gleich null, dass für den Experten kaum ein Urteil möglich war. In einem Fall aber legt sich Loipfinger fest und geißelt es als "Paradebeispiel für Intransparenz". Nun führt er immer wieder juristische Auseinandersetzungen mit der Katarina-Witt-Stiftung, auch weil Loipfinger im Dezember 2011 für ZEIT ONLINE über das Thema berichtete . Die Stiftung reagierte zuletzt bei Anfragen von Journalisten zum Thema so: kein Interview, die Fragen bitte nur schriftlich. Witts Anwalt verschickte dann einen Brief, in dem er auf mögliche presserechtliche Konsequenzen hinwies und Wert auf die Feststellung legte, die Transparenz sei gegeben.

Auch Wilke bat die Olympiasiegerin um Auskünfte, weil es beim DZI viele Anfragen aufgrund von Spendenbriefen gab, die die Witt-Stiftung verschickte. Doch Wilke bekam keine Zahlen – nun findet sich auf der DZI-Homepage ein Hinweis, den Spender eher als Warnung verstehen können.

Wilke verweist auf eine Zahl, die die Witt-Stiftung selbst in einer Broschüre bekannt gab: Demnach flossen im Zeitraum von 2009 bis 2011 mehr als ein Drittel der Spenden in Öffentlichkeitsarbeit, Mittelbeschaffung und Verwaltung – nur 61 Prozent ins jeweilige Projekt. "Die verfügbaren Informationen der Witt-Stiftung sind spärlich", sagt Wilke, was die Stiftung natürlich nicht so sieht. Wilke sagt weiter: "Aber die Informationen, die es gibt, werfen die Frage auf, ob der Werbe- und Verwaltungskostenanteil erhöht ist, auch aus Sicht der Spender." Andere Stiftungen kämen jedenfalls mit weniger Geld aus.

Zurück in Garbsen. Mertesacker gibt noch Autogramme, schießt Fotos von seinen Projektkindern. Bevor der Nationalspieler zum Flughafen aufbricht, sagt er: "Wir wollen den Leuten, die uns ihr Geld anvertrauen, vor allem eines zeigen: Dass wir es ehrlich meinen." Im kommenden Jahr plant er ein Benefizspiel mit der Stiftung seines Kollegen Lukas Podolski .

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