Noch zwei letzte Sprints, dann kommt endlich das Handzeichen des Trainers: kurze Pause. Björn Lindemann und seine Kollegen trotten zur Kühlbox mit den Wasserflaschen, die am Spielfeldrand bereitsteht. Die Trinkpause kommt für die Profis des Bangkoker Fußball-Erstligisten Army United gerade recht. 35 Grad zeigt das Thermometer noch immer an, es ist heiß. Dabei ist es schon fast 17.30 Uhr, und das Sonnenlicht macht schon leichter Dämmerung Platz.

"Man verliert bei diesem Klima ungeheuer viel Flüssigkeit", sagt Lindemann, "das regelmäßige Trinken war auch so eine Sache, die ich erst lernen musste". Seit knapp einem Jahr spielt Lindemann nun Fußball im tropischen Klima.

Als der 28-Jährige im Januar 2012 beim deutschen Drittligisten FC Carl Zeiss Jena ausschied, war dies gleichzeitig sein Ende in Fußball-Deutschland. Lindemann wagte den ganz großen Schritt: Er wechselte nach Thailand zu Army United in die dortige Premier League. "Ich bin in Deutschland fußballerisch einfach nicht zurechtgekommen. Ich hab am Ende keinen Spaß mehr am Fußball gehabt", sagt Lindemann.

Lindemann ist einer, den man gern "Straßenfußballer" nennt. Brillante Technik, mächtiger Schuss, gelegentlich die geniale Idee. Doch auf den vielen Stationen seiner Karriere, die sich bei Klubs der Zweiten und Dritten Liga abspielte, gab es stets auch Phasen, in denen es für den Mittelfeldregisseur nicht lief.

"Klar habe ich schwächere Spiele gehabt. Aber vieles wurde auch übertrieben schlechtgeredet", findet er. Im Frühsommer 2011 bekam er bei Zweitligist Osnabrück den Laufpass nach einer durchzechten Nacht. Anschließend das Scheitern beim Drittligisten Carl Zeiss Jena. "Ich habe sogar an das Ende meiner Karriere gedacht. Doch dann erzählte mir mein Agent vom Angebot aus Thailand. Das hat mich neugierig gemacht."

Die Thai Premier League boomt, seit ihrer Gründung im Jahr 2009 verdoppelte sich jährlich der Etat der Vereine. Kamen vor drei Jahren durchschnittlich 500 Zuschauer zu den Spielen, liegt der Zuschauerschnitt bei den fünf Top-Klubs aktuell bei über 6.000. Alle Partien sind live im Fernsehen zu sehen, von den TV-Sendern bekommt jeder Verein in dieser Saison rund 150.000 Euro. Und viele Thai-Fußball-Fans haben ihr obligatorisches Manchester-United-Trikot mittlerweile gegen das ihres thailändischen Lieblingsklubs getauscht.

Die meisten Vereine sind Werksklubs, maximal sieben Ausländer aus nichtasiatischen Staaten dürfen thailändische Erstligisten unter Vertrag nehmen, meist sind diese Stellen mit Kickern aus Afrika, Brasilien oder Osteuropa besetzt. Army United, der Klub, der der königlichen Armee untersteht, wollte vor der Saison unbedingt einen Spieler aus Deutschland.

Nur: Thailand ist weit weg, das Klima heiß, die Liga unbekannt. Zudem wirkt die Hauptstadt Bangkok mit ihren fast neun Millionen Einwohnern wie ein chaotischer Moloch. Deutsche Fußballprofis winken da normalerweise dankend ab.

Lindemann, dessen Auslandserfahrungen sich bis vor Kurzem im Wesentlichen auf jährliche Mallorca-Urlaube beschränkt hatten, reiste im Januar auf Einladung von Army United nach Bangkok. "Am Flughafen waren gleich vier Kamerateams. Wie herzlich ich empfangen wurde, das war schon beeindruckend. Ich hab eine Woche mittrainiert, dann hat mir der Verein ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte", erinnert er sich.

Lindemann zog zunächst in einen Hochhauskomplex etwas außerhalb der City, in dem alle Army-Spieler untergebracht sind. Ein schlichtes Leben: Einzimmer-Appartements, mittags und abends gemeinsames Essen in der Kantine, dazu meist zweimal am Tag Training. Armys einheimische Kicker sind fast alle beim Militär angestellt, spielen Fußball für ein paar Hundert Euro im Monat. Auf den neuen Kollegen aus Deutschland waren sie in den ersten Wochen nicht gut zu sprechen.

"Klar waren die erst mal neidisch. Ich war der reiche Deutsche. Die wollten erst einmal nichts mit mir zu tun haben. Auch beim Fußball nicht", sagt Lindemann. Kaum einer redete mit ihm, auf dem Platz lief der Ball auffällig oft an ihm vorbei. Die anderen Ausländer im Team waren ihm keine Hilfe: "Das ist eine Gruppe von Brasilianern, die blieben einfach unter sich."