Fett wie ein Turnschuh / Fett wie ein Turnschuh : Ich werde das Adlon nicht verlassen

Verstecktes Erotikspielzeug, Kirgisen auf rotem Teppich und demonstrierende Linke: Unser Fitnesskolumnist Tuvia Tenenbom steigt im Berliner Adlon ab. Und wundert sich.
Tuvia Tenenbom im Berliner Hotel Adlon © Isi Tenenbom

Diese Kolumne feiert ihren ersten Geburtstag.
Gelegentlich haben manche von Ihnen zurückgeschrieben, in den Kommentaren oder per E-Mail. Jetzt bin vielleicht wieder ich an der Reihe zu antworten und Ihre Kommentare zu kommentieren.

An die unter Ihnen, die etwas Nettes zu sagen haben: zigtausend Dank!
An die unter Ihnen, denen so witzige Formulierungen einfallen: danke, dass Sie mich zum Lachen bringen!
An die unter Ihnen, die eine andere Meinung vertreten: Ich bin Ihnen dankbar, dass sie mir eine andere Perspektive ermöglichen.
An die unter Ihnen, die zu fiesen Mitteln greifen und mit Wikipedia- oder Google-Seiten beweisen wollen, dass sie recht haben: Wachen Sie auf!
An die unter Ihnen, die per Copy-and-paste aus absurden Internetquellen zitieren und behaupten, es handele sich um exakte Zitate aus meinem Buch: Sie sind auf dem besten Weg zum Literaturkritiker.
Und an die unter Ihnen, die alles absolut wörtlich nehmen, die immerzu hochintelligent und ernst sind: Dazu sage ich nichts, Sie drehen mir die Worte eh im Munde herum.

Davon abgesehen, vielen Dank an Sie alle, dass es Sie gibt!

Ich bin gerade in Deutschland. Um genau zu sein: in Berlin , im Adlon Kempinski . Obama war auch hier, sagen mir die Hotelangestellten, und ich bin so politisch korrekt, dass es fast unerträglich ist: Was immer Obama tut, das tue ich auch. Ja, wirklich. Ich betrete mein Hotelzimmer.

Als Amerikaner öffne ich als erstes instinktiv die Schublade und erwarte, das Buch Mormon darin zu finden. Bloß ist das hier Deutschland und nicht die USA . Hier hat man sich vermutlich gedacht: Religion ist Privatsache, da sollte man sich als Hotel nicht einmischen. Sehe ich ganz genauso.

Glücklich wie ein Baby öffne ich jede Schublade und jede Schranktür meines Zimmers.

Nirgendwo Mormonen, nur Joole. Joole hat die Form einer Cola- oder Bierdose, unter "Zutaten" ist der Inhalt aufgeführt: "Massage Gel, drei Latexkondome, ein Mini-Vibrator, ein Vibrator-Ring, eine Feder. Um Ihre Privatsphäre zu schützen, wird auf Ihrer Rechnung 'Minibar' oder ein anderer Code ohne weitere Einzelheiten erscheinen." Kostenpunkt: 25 Euro.

Man kann es kaufen, ohne dass es jemand erfährt. Wenn der Ehepartner fragt, sagt man: Das Buch Mormon.

Genial!

Ich frage mich, ob sich Obama ein Joole gekauft hat. Ich frage das Personal des Adlon, ob Obama im Hotel übernachtet hat: "Kein Kommentar", antworten sie. Alles muss ich selbst rauskriegen. Hier muss man Detektiv sein.

Aber als erstes muss ich ein bisschen trainieren, sonst werde ich wieder fett. In diesem Hotel gibt es sehr viel zu essen, die Süßigkeiten sind hervorragend, und wenn ich mich nicht unter Kontrolle habe, nehme ich pro Tag mindestens fünf Pfund zu. Gar nicht gut. Ich haste in den Fitnessraum.

Eine 60-jährige Dame, die versucht 16 zu sein, schwitzt auf dem Laufband. Der Anblick ist unvergesslich, aber noch besser sind Kekse. Nach weniger als fünf Minuten bin ich wieder draußen. Die Kekse in der Hotellobby lachen mich an und versprechen mir große Zärtlichkeit.

Ich sehe sie an, meine Geliebten, und frage mich, ob das Hotel auch ein Joole für die Zärtlichkeit zu Keksen im Angebot hat. Das wäre doch toll, oder? Ich könnte alles essen, was mein Bauch sich wünscht, ohne ein Gramm zuzulegen. Dafür würde ich 25 Euro zahlen!

Traurigerweise gibt es im Adlon kein Joole fürs Essen. Es könnte natürlich sein, dass andere Hotels in Berlin Joole-Essen haben. Ich beschließe, es auszuprobieren.

Doch als ich gerade hinausgehen will, wird im Eingang zum Adlon ein roter Teppich ausgerollt. Für mich? Leider nein.

Der rote Teppich ist für den Präsidenten von Kirgisistan bestimmt. Haben Sie je von Kirgisistan gehört? Das ist eine der ehemaligen Sowjetrepubliken.

Der Präsident kommt mit einer Delegation herein, gut 30 Männer in teuren Anzügen, einige haben goldene Einkaufstüten dabei. Das muss ein sehr reiches Land sein, dieses Kirgisistan, schließe ich daraus. Und mir kommt ein Gedanke: Wenn Kirgisistan hier ist, sollte ich vielleicht auch hier bleiben.

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

naja,

so wie ich das lese, ist die frage nach den juden in bahrein der dynamik des gesprächsverlaufs geschuldet und als aufhänger für ein witziges statement gebraucht. man kanns natürlich auch anders lesen.
oder man stellt fest, dass wir gerade einen medialen religious turn erleben. das thema des islam wird seit jahren von den medien gepusht. und der nahostkonflikt tut sein übriges.