Ich bin mir aber noch nicht sicher, ich muss die Sache weiter untersuchen. Ich stehe da und hoffe, Würdenträgern zu begegnen, als mich plötzlich eine coole Armbanduhr in der Auslage des Hotels anstarrt. Kostenpunkt? 20.700 Euro. So viel Geld habe ich nicht, aber ich würde mich freuen, wenn sie mir jemand zu Weihnachten schenkte.

(An die Kommentatoren: Erinnern Sie mich, oder sonst jemanden, bitte NICHT daran, dass ich kein Christ bin!)

Ich sehe mich um, in der Hoffnung, dass noch ein Präsident oder etwas in der Art hereinspaziert – vielleicht kauft er oder sie mir ja diese Uhr –, doch anstelle von Präsidenten kommt nur ein Haufen scheinbar gelangweilter Menschen vorbei. Das ist Die Linke und sie sind gekommen, um am benachbarten Brandenburger Tor zu demonstrieren. Sie halten rote Schilder hoch, auf denen nur ein Wort steht: "Nein."

Das Brandenburger Tor ist bestimmt schon ganz verwirrt. Vor ein paar Jahren liefen Leute mit Schildern, auf denen riesengroß "Ja" geschrieben stand, herum. Soviel kann ich Ihnen sagen, wenn ich das Brandenburger Tor wäre, würde ich die Leute anschreien: 'Entscheidet euch endlich: Ja oder Nein!' Aber dieses Tor kann nicht sprechen, zumindest keine Sprache, die ich verstehe.

Die Linke, erzählen mir Passanten, vermisst das Sowjetsystem. Die müssen Kirgisistan lieben.

(An die linksgerichteten Kommentatoren: Ganz ruhig, nicht persönlich werden!)

Während Die Linke weiter "Nein" ruft, klärt mich ein englischer Tourist mit dem neuesten iPhone darüber auf, dass Kirgisistan eines der ärmsten Länder der Welt ist. Ganz klar ein von Neid zerfressener Mann, der den Namen des reichen Kirgisistan beschmutzen will.

Der Tag vergeht und ich bleibe stundenlang draußen. Plötzlich kommt mir die allerbeste Idee: "Die Adlon-Diät". Es ist so einfach!

Man steht viele Stunden lang vor dem Adlon und beobachtet die Wesen, die vorbei gehen und lauter lustige Sachen machen. Dabei isst man nichts, trinkt nichts und setzt sich so gut wie nie hin. Keine Kalorien. Null. Man steht einfach nur da, amüsiert sich, und die Kalorien im Körper verflüchtigen sich in der kühlen Berliner Luft vor dem Adlon.

Probieren Sie es aus! Ich tu's. Und ich schwöre, es funktioniert.

Natürlich ist es nach so vielen Stunden Amüsier-Diät Zeit, etwas zu essen. Gibt es im Adlon noch etwas anderes als lachende Kekse?

Ich habe Glück, heute ist Bahrain-Tag im Adlon. Das beste Lamm, die besten Falafel und das beste Baklava, das man in der westlichen Welt bekommen kann. Alles bezahlt von der Demokratischen Republik Bahrain .

(An die Kommentatoren, vor allem die, die alles wörtlich nehmen: Korrigieren Sie mich nicht!)

Wie es der Brauch vorschreibt, muss ich mich, bevor ich mich auf diese himmlischen Köstlichkeiten aus Nahost stürze, ein bisschen mit dem Gastgeber unterhalten, Seiner Exzellenz dem Botschafter Ebrahim Abdulla.

Erzählen Sie mir von Bahrain!
"Bahrain ist eine Demokratie: Wir haben ein Parlament, einen Schura-Rat und Religionsfreiheit."

Wie viele Religionen gibt es denn?
"Es gibt Christen und es gibt Juden."

Juden?
"Unsere Botschafterin in den USA ist eine jüdische Dame."

Wie heißt sie?
"Nonoo."

Gibt es wirklich Juden in Bahrain?
"Ja."

Viele?
"Ja."

"Wie viele?"
"Insgesamt 30."

Wow.
Ich werde das Adlon nicht verlassen. Auf keinen Fall.

Ihnen allen ein frohes neues Jahr. Und schreiben Sie weiter: Freundliches, Böses oder irgendwas. Ich freue mich über alles!

Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler