Bundesliga-RückschauBabbelei vorbei

Heynckes forderte Roman für Deutschland. Schürrle macht die gute Schwalbe, und Markus Babbel, einst Trainer der Zukunft, wartet auf Hopps Urteil. Die Bundesliga-Rückschau von 

Markus Babbel: Was ist aus den guten alten Tagen geworden?

Markus Babbel: Was ist aus den guten alten Tagen geworden?  |  © Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Wer spielte wie gegen wen?

Fortuna Düsseldorf – Eintracht Frankfurt 4:0
Bayer Leverkusen – 1. FC Nürnberg 1:0
FC Augsburg – SC Freiburg 1:1
FC Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach 1:1
FSV Mainz 05 – Hannover 96 2:1
SpVgg Greuther Fürth – VfB Stuttgart 0:1
Bayern München – Borussia Dortmund 1:1
TSG Hoffenheim – Werder Bremen 1:4
VfL Wolfsburg – Hamburger SV 1:1

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Leverkusen gegen Nürnberg. Nicht wegen des Abseitstors, das die Partie entschied. Wegen Andre Schürrle. Der gilt eigentlich als tadellos, fast brav. Nach diesem Spieltag muss man aber nachfragen. Schürrle flog bei einem Zweikampf im gegnerischen Strafraum mit dem Keeper Raphael Schäfer im Bogen über ihn weg. Den Elfmeter, den er anschließend reklamierte, bekam Schürrle nicht. Im ZDF sagte er, dass er sich fallengelassen habe. Schürrle meinte das aber nicht als Geständnis, sondern rechtfertigend. Er sei von Schäfer berührt worden, die Bilder bestätigten ihn. Daher habe er keine andere Wahl gehabt als abzuheben, sagte der Nationalspieler. Also eine Schwalbe zweiten Grades. Er habe nicht fallen müssen, aber fallen dürfen. Sollte es ihn tatsächlich irgendwann zum FC Chelsea verschlagen, von dem Schürrle umworben wird, sollte er sich diese Auslegungen schnell abgewöhnen. In England sind sie von  Schwalben welcher Art auch immer not amused .

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Bayern gegen Borussia. Es war ein intensives Spiel, es ging um viel Prestige und die Frage: Wer ist die Nummer Eins in Deutschland? Man hätte mit Scharmützeln, markiger Rhetorik und Anleihen aus der Effenberg-Schule rechnen können, Zeichen setzen und so, wenn Sie wissen, was wir meinen. Doch nichts von alledem. Kein Gezeter, kein Gegockel, keine Rudelbildung, kaum einmal ein Foul, keine Gelbe Karte. Auch die Trainer gaben sich als Sportsmänner. "Fangen wir mit dem Wichtigsten an", begann Jürgen Klopp sein Statement auf der Pressekonferenz und drückte sein Bedauern über die Verletzung Holger Badstubers aus, "dieses tollen Spielers". Jupp Heynckes erwiderte das Lob. Vor zehn Jahren etwa spielten Bayern und der BVB wesentlich schlechter Fußball, stattdessen flogen regelmäßig Spieler vom Platz . Wenn die beiden besten deutschen Vereine heute aufeinander treffen, spricht man vom "deutschen Clasico", eine Anspielung auf das Duell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Mag sein, dass es diesen Vergleich sportlich noch verliert. Wenn man aber bedenkt, mit welchen Haken und Ösen die Giftspritze Mourinho dieses Duell versieht, dagegen sind die Bayern und die Dortmunder wahre Engel, die gemeinsam Adventslieder singen.

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Wer stand im Blickpunkt?

Roman Weidenfeller . Mehr als achtzig Minuten nahmen ihm seine Vorderleute die meiste Arbeit ab, alleine, wie ein Tormann, kämpfte er in der Münchner Nacht gegen die Russenpeitsche. In der Schlussphase war der BVB-Keeper plötzlich gefragt. Drei Mal tat er Großes. Das macht einen guten Tormann aus, was Weidenfeller zweifellos ist. Aber ist er auch einer fürs Nationalteam? Eigentlich gilt: Der BVB ist mit ihm zwei Mal Meister geworden, aber nicht seinetwegen. Doch diese Debatte kam nach dem Spiel überraschend auf. Die Bayernspieler gratulierten Weidenfeller auf dem Platz. Und Jupp Heynckes forderte Roman für Deutschland. "Ich weiß nicht, was der Junge noch alles machen muss, um mal international zu spielen." Das ist einerseits außergewöhnlich, denn die Nummer 1 im Tor ist Manuel Neuer, Heynckes' Spieler. Andererseits fällt jedem Trainer das Lob für den gegnerischen Tormann am leichtesten, denn es könnte ja auch heißen: Wir waren die bessere Mannschaft, aber Euer Einzelkämpfer zwischen den Pfosten hat unseren Sieg verhindert.

Wie verlief das Topspiel?

ZEIT ONLINE twittert mindestens ein Spiel jedes Spieltags live. Am Samstag haben wir die Partie Bayern gegen Dortmund im Stadion verfolgt. Hier einige der Tweets. Alle Beiträge können Sie hier nachlesen.

zeitonlinesport Um Tabellen und Titel gehts heute nicht. Aber um Prestige, es ist sowas wie das symbolische Endspiel des Fußballjahres.
zeitonlinesport Thumbs up! Auch wenn ich mit diesem Tweet Block Credibility verlieren sollte – die Pressesitze in München sind beheizt.
zeitonlinesport Die Zuschauer, die das Telekom-T bilden, erinnern mich an die Samenzellen in Woody Allens "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten".
zeitonlinesport Endstand #fcbbvb 1:1 Gerechtes Ergebnis, wenn auch Bayern in der Schlussphase gute Chancen hatte. So lässt sich Advent feiern.

Leserkommentare
  1. "Andererseits fällt jedem Trainer das Lob für den gegnerischen Tormann am leichtesten, denn es heißt: Wir waren die bessere Mannschaft, aber Euer Einzelkämpfer zwischen den Pfosten hat unseren Sieg verhindert."

    Ach, ein Bayern-Trainer hat's bei manchen echt schwer. Da macht man dem Gegner mal ein Kompliment, schon wird in der anderen Hand der Dolch vermutet. Einigen kann man's halt nicht recht machen.

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    Bin sehr emotionaler Dortmund-Fan und bei bestem Wille kein Bayern-Sympathisant aber gebe Ihnen 100%Recht. So wie der Autor versteht hat es Heynckes bei bestem Willen nicht gemeint.
    Dann hätte er gesagt "Außer Weidenfeller ist bei Dortmund keiner weltklasse" ;)

  2. Mit der Aussage hat er doch recht. Ich möchte den Schiedsrichter sehen, der Elfmeter pfeifft, obwohl der Spieler weiterläuft.
    Ich habe auch von Schiedsrichtern selbst oft den Spruch gehört "Wer gefoult wird darf auch hinfallen."

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    Ist das nicht und sollte nachträglich rot geben. Der Mann sollte lieber Basketball spielen

    • leoplus
    • 03. Dezember 2012 11:57 Uhr

    fallen lassen heißt manchmal eben einfach kein gewicht auf das standbein geben. hätt ich auch nicht gemacht und der autor schon gar nicht schätz ich mal. klarer elfer.

  3. ... wie sich (Roger Wittmann) Dietmar Hopp entscheidet.

    Warum nicht einfach Wittmann&Co rausschmeissen. Das würde vi€ll€icht endlich etwas Ruhe in den Verein bringen!

  4. Bin sehr emotionaler Dortmund-Fan und bei bestem Wille kein Bayern-Sympathisant aber gebe Ihnen 100%Recht. So wie der Autor versteht hat es Heynckes bei bestem Willen nicht gemeint.
    Dann hätte er gesagt "Außer Weidenfeller ist bei Dortmund keiner weltklasse" ;)

    Antwort auf "Vergiftet?"
  5. Braucht ein Clasico nicht eine gewisse Tradition? Reichen dafür zwei Jahre, um von einem Casico zu sprechen? Und darf ein Clasico dermaßen langweilig sein wie das Spiel vom vergangenen Samstag?

    Das Spiel Bayern vs Dortmund hatte ein sehr überschaubares Niveau, wobei die Münchner über die gesamten 90 Minuten die bessere und engagiertere Mannschaft stellten. Der Punktgewinn der Dortmunder war äußerst glücklich. Besonders intensiv wurde dieses Spiel auch nicht geführt, wenn man von Martinez absieht, der zumindest in der 2.Hälfte Zeikampfstärke und eine gewisse Leidenschaft zeigte. Insgesamt war das Spiel für den neutralen Zuschauer aber recht langweilig.

    Wer die derzeit beste deutsche Mannschaft ist? Nun, vielleicht hilft da ein Blick auf die Tabelle. Die Bayern haben 8 Punkte Vorsprung vor den zweitplatzierten Leverkusenern. Dazu ein imposantes Torverhältnis von 41:6 Toren. Das ist (sollte) auch für den Nicht-Bayernfan beeindruckend sein.
    Waren die Dortmunder in zwei vergangenen Spielzeiten das Maß der Dinge, in dieser Spielzeit sind sie es (Dem Herrn sei's gedankt!) nicht. Für die Dortmunder geht es wie für eine Vielzahl anderer Vereine lediglich um die CL-Quali.

    Also, wer und warum spricht dennoch von einem Casico?

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    Und nach dem Tour wohl auch nochmal. Bayern war definitiv nicht über die gesamte Spielzeit besser. Sie hatten sogar Glück nicht durch Reus in den Rückstand zu geraten

  6. Bitte verschont uns mit diesm Gelaber vom "Clasico"! Der inflationäre Gebrauch nervt schon bei Real und Barca, aber da heißt's nun mal so, auch wenn das früher hier keinen interessiert hat. Die Endloswiederholung bei Bayern vs. Dortmund macht's nicht erträglicher. Wer braucht das?

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    • Pnin05
    • 03. Dezember 2012 14:49 Uhr

    Sie sprechen mir aus dem Herzen! In Spanien gibt es dieses meist meisterschaftsentscheidende Duell seit Jahrzehnten. Vor allem aber ist es dort seit der Franco-Zeit höchst politisch aufgeladen - etwas, das wir hier in dieser Form gottseidank gar nicht kennen.

    Es sind gerade mal drei Jahre, dass entweder der FCB oder der BVB den Meistertitel holen (gut, jetzt kommt dann wohl ein viertes dazu). Aber ist das schon so traditionsstiftend wie in Spanien? Wenn, dann war das in der Bundesliga der Fall, als das der FCB und Gladbach über fast ein Jahrzehnt den Titel unter sich ausgemacht haben.

    Fazit: Die Rede von einem deutschen "Clásico" ist eine ausgewachsene Dummheit (und vermutlich ein gewisser Minderwertigkeitskomplex - die haben was, was wir auch haben wollen; sieht man auf die historische Entwicklung: also ich möchte sowas lieber nicht haben).

    • Pnin05
    • 03. Dezember 2012 14:49 Uhr

    Sie sprechen mir aus dem Herzen! In Spanien gibt es dieses meist meisterschaftsentscheidende Duell seit Jahrzehnten. Vor allem aber ist es dort seit der Franco-Zeit höchst politisch aufgeladen - etwas, das wir hier in dieser Form gottseidank gar nicht kennen.

    Es sind gerade mal drei Jahre, dass entweder der FCB oder der BVB den Meistertitel holen (gut, jetzt kommt dann wohl ein viertes dazu). Aber ist das schon so traditionsstiftend wie in Spanien? Wenn, dann war das in der Bundesliga der Fall, als das der FCB und Gladbach über fast ein Jahrzehnt den Titel unter sich ausgemacht haben.

    Fazit: Die Rede von einem deutschen "Clásico" ist eine ausgewachsene Dummheit (und vermutlich ein gewisser Minderwertigkeitskomplex - die haben was, was wir auch haben wollen; sieht man auf die historische Entwicklung: also ich möchte sowas lieber nicht haben).

    Antwort auf "Koa "Clasico"!"
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    Man könnte sich ja auf einen Kompromiss verständigen. In Anlehnung an den wunderbaren (freudschen?) Tippfehler oben von GEschwätz, könnte ich mich mit CASICO anfreunden. Richtig geschrieben müsste es natürlich KASICO heißen, abgeleitet vom - in Deckung, Nordlichter! - bayerischen KAS für KÄSE, also Schmarrn. Ich finde, diese Bezeichnung wäre in diesem Fall absolut treffend und sollte sich etablieren!

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