ItalienBoateng verlässt nach rassistischen Rufen den Platz

Fans eines Viertligisten haben Kevin-Prince Boateng so lange rassistisch beleidigt, bis der Ghanaer vom Platz ging. Seine Teamkollegen vom AC Mailand folgten ihm.

Es sollte ein Freundschaftsspiel werden und endete mit einem Eklat: Weil gegnerische Fans den dunkelhäutigen Fußballer des AC Mailand rassistisch beleidigten, verließ das gesamte Milan-Team den Platz – angeführt von Kevin-Prince Boateng.

Die Fans des Viertligisten Pro Patria hatten den ghanaischen Fußballspieler, der gebürtig aus Berlin kommt, von Anfang an provoziert. In der 26. Minute wurde es dem Mittelfeldspieler dann zu viel: Boateng drosch den Ball auf die Tribüne, zog sein Trikot aus und verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten ihm.

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Mailands Trainer Massimiliano Allegri verteidigte nach Abbruch der Partie das Verhalten seiner Spieler: "Ich denke, dass es die richtige Entscheidung war, nicht auf das Feld zurückzukehren – aus Respekt vor unseren Spielern und allen anderen dunkelhäutigen Spielern in jeder Liga." Italien müsse zivilisierter und intelligenter werden.

AC-Kapitän Massimo Ambrosini sagte: "Wir wurden von Beginn an belästigt. Wir haben ein starkes Signal abgegeben." Boateng selbst twitterte, es sei eine Schande, was im Stadion von Busto Arsizio geschehen ist.

Während der Unterbrechung hatten die Spieler des Amateur-Klubs Pro Patria noch versucht, mit ihren Anhängern zu sprechen, um eine Fortsetzung des Spiels zu ermöglichen. Doch nach Abbruch der Partie zeigte auch Klub-Präsident Pietro Vavassori Verständnis für Boatengs Reaktion und verurteilte die rassistischen Rufe.

Bürgermeister verteidigt seine Stadt

Busto Arsizios Bürgermeister Gigi Farioli sagte, seine Stadt sei durch einige wenige Zuschauer in ein falsches Licht gerückt worden: "90 Prozent der Zuschauer haben applaudiert, als die Spieler das Feld verließen", sagte Farioli.

In den italienischen Stadien kommt es immer wieder zu rassistischen Sprechchören gegen dunkelhäutige Spieler. Auf den Tribünen waren auch schon Spruchbänder mit Hakenkreuzen und faschistischen Parolen zu sehen. In Rom zeigten radikale Lazio-Fans vor einigen Jahren sogar einmal ein Spruchband mit der Aufschrift "Auschwitz ist Eure Heimat, die Öfen Euer zu Hause".

Als Reaktion auf diese und zahlreiche weitere rassistische Zwischenfälle weitete die Regierung die Befugnisse der Polizeichefs in den Stadien aus. Neben den Schiedsrichtern können auch die Polizeichefs Spiele im Falle von Ausschreitungen oder Gesetzesverstößen abbrechen.

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Leserkommentare
    • cb81
    • 04. Januar 2013 11:23 Uhr

    Im Unterton war die Antwort vielleicht etwas belehrend, aber in der Sache hat Ndeko schon recht:
    http://www.derbraunemob.info/shared/download/warum_nicht_schwarzafrikane...

    2 Leserempfehlungen
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    Die Unterteilung von Menschen nach der Farbe der Haut ist ungefähr so intelligent, wie eine Einteilung nach der Augenfarbe.

    Es kann aber ggf. bedeutsam sein, ob jemand Ghanaer, Kenianer, Ägypter oder Südafrikaner ist.

    • Ndeko
    • 04. Januar 2013 16:40 Uhr

    Wir haben keinen Bock mehr unterwürfig um jedes kleine Zugeständnis von der weißen Mehrheitsgesellschaft betteln zu müssen und uns dann katzbuckelnd mit unterwürfigen Dankesgesten zurückzuziehen, wenn man so gnädig war und ein kleines Zugeständnischen uns gegenüber gemacht hat.

    Danke, wir haben Forderungen. Wir betteln nicht mehr!

    • AndreD
    • 04. Januar 2013 11:38 Uhr

    Jerome die Rede gewesen....

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    • fse69
    • 04. Januar 2013 11:59 Uhr

    Denn zum Zeitpunkt des Fouls war doch schon fast ein Jahr vergangen, seit er seine Entscheidung kundgetan hatte, für Ghana spielen zu wollen. Unter Vorbehalt hatte ihn Ghana ja sogar schon für den Afrika-Cup 2010 nominiert, wo er nur deswegen nicht spielen konnte, weil die Genehmigung der FIFA auf sich warten ließ.

  1. Die Unterteilung von Menschen nach der Farbe der Haut ist ungefähr so intelligent, wie eine Einteilung nach der Augenfarbe.

    Es kann aber ggf. bedeutsam sein, ob jemand Ghanaer, Kenianer, Ägypter oder Südafrikaner ist.

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    • Tiroler
    • 04. Januar 2013 15:23 Uhr

    Ich finde es überhaupt nicht bedeutsam, ob jemand Ghanaer, Kenianer, Ägypter oder Südafrikaner ist, weil mich mehr interessiert, wie sich das einzelne Individuum verhält. Staatsbürgerschaften sagen darüber ebenso wenig aus wie Haut-, Haar- oder Augenfarbe. Man muss sich schon persönlich ein Bild vom betroffenen Individuum und nicht von einer willkürlich nach irgendwelche Kriterien zusammengestellten Gruppe machen können.

    • Tiroler
    • 04. Januar 2013 15:23 Uhr

    Ich finde es überhaupt nicht bedeutsam, ob jemand Ghanaer, Kenianer, Ägypter oder Südafrikaner ist, weil mich mehr interessiert, wie sich das einzelne Individuum verhält. Staatsbürgerschaften sagen darüber ebenso wenig aus wie Haut-, Haar- oder Augenfarbe. Man muss sich schon persönlich ein Bild vom betroffenen Individuum und nicht von einer willkürlich nach irgendwelche Kriterien zusammengestellten Gruppe machen können.

    • fse69
    • 04. Januar 2013 11:50 Uhr

    "...Das Problem ist gerade, dass selbst privilegierte Vertreter_innen aus der Weißen Mehrheitsgesellschaft Begriffe wie "farbig" oder Schwarzafrikaner_in reproduzieren und damit Rassismus durch Sprache weiter zementieren. Das vermeintlich Weiße gilt dabei als Norm und muss offenbar gar nicht weiter benannt werden. Lediglich die Abweichungen davon werden durch Weiße markiert...."

    ... Schwarzafrikaner weniger im Sinne einer sich selbst als "Weiß" abgrenzenden Mentalität zu deuten sein - schon gar nicht im Sinne einer sich selbst als Norm verstehenden - als vielmehr als rein deskriptive begriffliche Differenzierung zum (weitestgehend) ARABISCH geprägten Nordafrika.

    • turiddu
    • 04. Januar 2013 11:52 Uhr

    Nochmals! CHAPEAU vor Herrn Kevin Prince Boateng und allen anderen, die ihn bei diesem Vorgang, den Platz zu verlassen unterstützt haben.

    Bedauerlich, das diese Vollidioten immer noch ins Stadion gelassen werden, mit der Hoffnung so etwas mehr an Stimmung zu erhalten.

    Das Fussballstadion sollte den Familien, Familienvätern mit Kindern vorbehalten sein. Denn nur daraus rekrutiert sich der Nachwuchs für den Fussball.
    Wie soll sich der Nachwuchs von solchen Leuten distanzieren, wenn diese nur verharmlost werden und teilweise als Fanrat bei Sitzungen darauf bestehenm, Pyrotechnik abzubrennen und möglichst nicht kontrolliert zu werden.
    Ich bin der Meinung, die Gegenmaßnahmen müssen 2 - 4 Spielzeiten sehr drastisch ausfallen, um so einem Gesocks
    das Wasser abzugraben.
    Ich bin dafür gerne bereit, evtl beschlossene Gegenmaßnahmen während dieser Zeit ebenso auszuhalten, wenn dadurch erreicht wird, das diese ANTI-Fussball-Fans in Zukunft dem Stadion fern bleiben.

    Eine Leserempfehlung
    • AndreD
    • 04. Januar 2013 11:52 Uhr

    wenn ich diesen Spieler sehe und daran denke, dass er wegen Loyalität seinen Mitspielern gegenüber aus der deutschen (U21-) Nationalmannschaft geschmissen worden ist. So einen genialen Mann könnte jede, auch die deutsche, Nationalmannschaft gebrauchen.

    Antwort auf "Dachte immer der wäre"
    • fse69
    • 04. Januar 2013 11:59 Uhr

    Denn zum Zeitpunkt des Fouls war doch schon fast ein Jahr vergangen, seit er seine Entscheidung kundgetan hatte, für Ghana spielen zu wollen. Unter Vorbehalt hatte ihn Ghana ja sogar schon für den Afrika-Cup 2010 nominiert, wo er nur deswegen nicht spielen konnte, weil die Genehmigung der FIFA auf sich warten ließ.

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    • AndreD
    • 04. Januar 2013 12:13 Uhr

    war eine Reaktion auf den Kommentar von Quax74 (#2), der so daneben war, dass ich nur mit einer absurden Verschwörungstheorie reagieren konnte.

    • AndreD
    • 04. Januar 2013 12:13 Uhr

    war eine Reaktion auf den Kommentar von Quax74 (#2), der so daneben war, dass ich nur mit einer absurden Verschwörungstheorie reagieren konnte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Italien | Schiedsrichter | Stadion | Trainer | Auschwitz | Berlin
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