Lance Armstrong hat jahrelanges Doping unter anderem mit Epo, Eigenblut, Kortison und Wachstumshormonen zugegeben. Im TV-Interview mit US-Talkerin Oprah Winfrey gab Armstrong zu, bei all seinen sieben Tour-de-France-Erfolgen zwischen 1999 und 2005 gedopt gewesen zu sein. In den Comeback-Jahren 2009 und 2010 hätte er aber nicht zu verbotenen Mitteln gegriffen, sagte er in dem Gespräch, das in der Nacht zu Freitag ausgestrahlt wurde.

Armstrong bestätigte viele der im Bericht der US-Anti-Doping-Agentur Usada vorgebrachten Vorwürfe. Den Weltverband UCI nahm Armstrong gegen Korruptionsvorwürfe in Schutz. Er stritt ab, dass ein positiver Epo-Test während der Tour de Suisse 2001 vom Dachverband verschleiert worden sei. Teamkollegen hatten zuvor ausgesagt, Armstrong habe im Gegenzug der UCI 125.000 Dollar gespendet. "Die Geschichte ist nicht wahr", sagte er. "Es gab keine positive Probe, keine Bestechung des Labors, kein geheimes Meeting mit dem UCI-Chef", sagte Armstrong. "Manche Dinge waren vielleicht dubios, aber das hier nicht."

In einer 1.000 Seiten umfassenden Anklageschrift hatte die Usada im vergangenen Oktober Armstrong Doping nachgewiesen und ihn lebenslang gesperrt. Außerdem wurden dem 41-Jährigen alle seine Tour-Erfolge und die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen von Sydney aberkannt. Vor seinem Gang zu Winfrey hatte Armstrong laut Medienberichten in einem Gespräch mit Usada-Chef Travis Tygart ausloten wollen, ob er bei einem Geständnis eine Chance auf Reduzierung der Strafe hat.

"Ich sehe den Zorn über den Verrat"

Armstrong entschuldigte sich auch bei seiner ehemaligen Physiotherapeutin Emma O'Reilly, die er verklagt und beschimpft hatte. Die Irin gehörte zu den 26 Zeugen, die in der Anklage gegen Armstrong ausgesagt hatten.

"Ich sehe in den Mienen der Menschen den Zorn über den Verrat, den ich an ihnen begangen habe. Ich werde den Rest des Lebens mit dem Versuch zubringen, Vertrauen zurückzugewinnen und mich bei den Leuten zu entschuldigen", sagte Armstrong im Interview.

Usada-Chef Tygart nannte die Beichte einen "kleinen Schritt in die richtige Richtung". Armstrong habe "endlich zugegeben, dass seine Radsport-Karriere aus einer kraftvollen Kombination aus Doping und Betrug" bestanden hatte. Erledigt sei die Affäre für den Ex-Profi aber noch nicht. Wenn es Armstrong ernst damit sei, "seine Fehler zu korrigieren, muss er unter Eid ein vollständiges Geständnis seiner Doping-Aktivitäten" ablegen.