Radsport : Armstrong erwägt Doping-Geständnis

Lance Armstrong lotet laut "New York Times" die Möglichkeiten einer Doping-Beichte aus. Sie könnte seine Sperre reduzieren, hätte aber auch juristische Konsequenzen.

Lance Armstrong erwägt nach einem Bericht der New York Times ein Doping-Geständnis. Die Zeitung beruft sich auf das direkte Umfeld des Sportlers. Demnach habe sich Armstrong bereits mit dem Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada, Travis Tygart, getroffen. Zudem sei ein Gespräch mit dem Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, David Howman, geplant.

Eine umfassende Beichte Armstrongs, der Doping jahrelang bestritten hatte, ist eher nicht zu erwarten. Armstrong ist noch in mehrere gerichtliche Verfahren verwickelt. Zudem drohen ihm strafrechtliche Ermittlungen der US-Behörden, unter anderem wegen Meineids. Ein spätes Geständnis könnte ihm – wie einst der Sprinterin Marion Jones – sogar eine Gefängnisstrafe einhandeln.

Juristisch könnte ein Geständnis neben dem Vorwurf des Meineids weitere Folgen haben. Vor Gericht unterlegene Kontrahenten sowie ehemalige Sponsoren fordern nun teilweise ihr Geld zurück. Die Versicherung SCA Promotions fordert von Armstrong 12 Millionen Dollar, die britische Zeitung The Sunday Times 1,5 Millionen Dollar.

Armstrongs langjähriger Anwalt Tim Herman wollte nicht sagen, ob sein Mandant Doping zugeben würde: "Lance muss da für sich selbst sprechen", sagte der der Zeitung.

Die New York Times berichtete, keine der Quellen aus dem Umfeld Armstrongs wolle namentlich genannt werden. Tygart lehnte einen Kommentar ab. Howman sei in seinem Urlaub in Neuseeland nicht erreichbar gewesen. Armstrongs Anwalt Herman will mit seinem Mandanten nach dessen Rückkehr von einem Urlaub auf Hawaii über die weiteren Schritte beraten.

Armstrong ließ Einspruchsfrist verstreichen

Armstrong war nach einem Enthüllungsbericht der Usada vom Radsportweltverband UCI im Oktober lebenslang gesperrt worden. Ihm wurden alle sieben Siege bei der Tour de France aberkannt. Die US-Fahnder hatten ihm aufgrund von Zeugenaussagen ehemaliger Teamkollegen, Emails, Geldzahlungen und Labor-Analysen jahrelanges systematisches Doping nachgewiesen. Eine Einspruchsfrist gegen das Verdikt ließ Armstrong Ende 2012 verstreichen.

Sponsoren fordern Geld zurück

Armstrong darf wegen einer lebenslangen Sperre auch an den meisten Rennen des von ihm nun bevorzugten Triathlon-Sports nicht teilnehmen, da die Mehrzahl der Veranstalter die Sanktionen akzeptieren. Wieder an Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen, darin könnte die Motivation Armstrongs liegen, nun doch auszusagen. Ein umfassendes Geständnis kann nach dem Wada-Code zu einer Reduzierung jeder Sperre führen.

Livestrong will weiteren Imageschaden abwenden

Offenbar reichte auch Armstrongs Exteamkollege Floyd Landis – ebenfalls wegen Dopings verurteilt – eine Klage ein, in die laut amerikanischem Recht bei ausreichendem Tatverdacht auch der Staat einsteigen muss. In dem Fall geht es um Steuergelder, mit denen der staatliche Postdienstleiter US Postal Doping finanziert haben soll.

Armstrong soll auch aus dem Umfeld seiner Stiftung Livestrong zu einem Geständnis gedrängt werden, um einen weiteren Imageschaden abzuwenden. Er hatte die Organisation nach einer überstandenen Hodenkrebs-Erkrankung gegründet. Wegen der Dopingenthüllungen zog er sich von der Stiftung, die bis 2012 noch Lance Armstrong Foundation geheißen hatte, komplett zurück.

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Geständnis überhaupt möglich?

Unter Berücksichtigung der juristischen Fallstricke, die in dem Artikel genannt werden, wird ein umfangreiches Geständnis für Armstrong überhaupt nicht möglich sein. Schade, denn dies wäre für ihn und für seinen Sport die beste Lösung.

Ohne eine wirklich umfangreiche Aufarbeitung der Vergangenheit werden sich die Radsport-Fans daran gewöhnen müssen, dass die großen Rennen und Rundfahrten in Zukunft von einer „gemischten Gesellschaft“ bestritten werden: den Ehrlichen und denen, die zwar behaupten, ohne unerlaubte Mittel zu fahren, aber tatsächlich mit dem Doping weitermachen. Es ist zu erwarten, dass unter denen, die an der Spitze fahren und damit die Rennen für Zuschauer interessant und spannend machen, Fahrer der zweiten Gruppe dominieren werden.

Solange sich dies nicht wirklich grundlegend ändert, wird der Radsport an Interesse und Unterstützung verlieren. Auch materiell, denn die Sponsoren, die die bisherige Praxis durch Wegsehen geduldet und gefördert haben, kalkulierten ganz kalt und merken, dass über diesen Sport nicht mehr viel Image zu gewinnen ist. Mit Dankbarkeit ist nicht zu rechnen.