Oprah Winfrey : Armstrong gesteht Doping

Der ehemalige Radprofi Lance Armstrong hat bei Oprah Winfrey offenbar eine Doping-Beichte abgelegt. Dabei soll er Vorwürfe gegen den Radsport-Weltverband erhoben haben.
Der ehemalige Radprofi Lance Armstrong © Lucas Jackson/Reuters

Lance Armstrong hat sein Schweigen gebrochen und offenbar über seinen Dopingmissbrauch berichtet. In einem Interview mit US-Moderatorin Oprah Winfrey hat der ehemalige Radprofi eingeräumt, bei seinen Tour-de-France-Siegen leistungssteigernde Mittel genommen zu haben. Das berichtet unter anderem die Zeitung USA Today unter Berufung auf mit der Sendung vertraute Quellen nach der Aufzeichnung des Interviews. Das Gespräch wird am Donnerstag im US-Fernsehkanal OWN ausgestrahlt.

Zudem wolle Armstrong bezeugen, dass Funktionäre des Radsport-Weltverbands UCI von seinem Doping wussten und es möglicherweise sogar unterstützten. Dies berichtet die New York Times unter Berufung auf mehrere Quellen. Armstrong wolle allerdings nicht gegen andere Fahrer aussagen, hieß es weiter. Es gebe außerdem Gespräche zwischen Armstrong und dem amerikanischen Justizministerium darüber, in einem Gerichtsverfahren als Zeuge gegen verschiedene Besitzer von Rennställen zu agieren.

Weder Armstrong noch Winfrey gaben über den Inhalt des Gesprächs Auskunft. Die Moderatorin ließ lediglich über Twitter wissen: "Habe gerade zweieinhalb Stunden mit @lancearmstrong unter Dach und Fach gebracht. Er war VORBEREITET". Man werde derzeit keine genauen Einzelheiten über das Interview bekanntgeben, sagte ein Sprecher von OWN.

Armstrong war mit einer Gruppe von etwa zehn Begleitern zur TV-Aufzeichnung erschienen. An seiner Seite waren unter anderem seine Anwälte Tim Herman und Sean Breen sowie sein langjähriger Berater, Manager und Geschäftspartner Bob Stapleton. Ursprünglich sollte das Gespräch in seinem Haus in Austin (Texas) stattfinden. Da das Grundstück jedoch von etlichen Journalisten umlagert war, entschied man sich, in ein örtliches Hotel auszuweichen.

Armstrong entschuldigt sich bei seiner Krebsstiftung

Armstrong hatte am Samstag gesagt, dass Winfrey fragen könne, "was immer sie will, und ich werde direkt, ehrlich und offen antworten". Im Vorfeld wurde jedoch auch bekannt, dass der 41-Jährige keine umfangreichen Details oder Namen nennen wollte.

Vor dem Gespräch mit Winfrey hatte sich Armstrong bereits bei den Mitarbeitern der von ihm gegründeten Krebsstiftung entschuldigt. Der Texaner besuchte die Büros der Livestrong-Stiftung in seiner Heimatstadt Austin, wo er bei den Mitarbeitern um Verzeihung bat. Armstrong, dem seine sieben Siege bei der Tour de France aberkannt worden waren, habe mehrmals um Fassung gerungen, einige Mitarbeiter hätten geweint, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Auf die Vorwürfe des jahrelangen Dopings als Radprofi sei er jedoch nicht eingegangen, hieß es.

Armstrong hatte in der Vergangenheit immer wieder die Einnahme verbotener Mittel bestritten. Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA hatte ihm jedoch unter anderem dank der Zeugenaussagen ehemaliger Teamkollegen das Gegenteil beweisen können.

Armstrong droht Gefängnisstrafe

Armstrong soll jahrelang gedopt haben, unter anderem mit EPO, Testosteron und Kortison. Außerdem soll er andere Fahrer bei den Rennställen US Postal und Discovery Channel zum Dopen genötigt haben. USADA-Chef Travis Tygart sprach vom "ausgeklügeltsten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm, das die Welt jemals gesehen hat".

Der Radsport-Weltverband UCI hatte im Oktober alle Armstrong-Ergebnisse von August 1998 an im Nachhinein gestrichen und ihn lebenslang gesperrt. Ihm drohen nun Schadensersatzklagen und wegen Meineids sogar eine Gefängnisstrafe.

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Spätfolgen

"Der Mann ist nachweislich bei bester Gesundheit, hat Krebs besiegt, mehrere Operationen hinter sich..."

Schon mal etwas von Spätfolgen gehört? Krebs ist eine Krankheit, die schleichend kommt und nicht von heute auf morgen plötzlich da ist. Was er und andere Sportler sich reingepfiffen haben, ist im höchsten Maße gesundheitsschädlich. Man lese nur mal die Beipackzettel der Medikamente, die im Profisport so zu sich genommen werden. Was mich zum eigentlichen Punkt gibt, weil es ja immer wieder Menschen gibt, die sich für eine Dopingfreigabe aussprechen.

Es gibt keine explizit für den Profisport hergestellten Dopingmittel. Es handelt sich um Medikamente mit Nebenwirkungen. Viagra beispielsweise hat seinen Ursprung eigentlich ganz woanders und durch Zufall hat man eben auch festgestellt, dass es bei erektiler Dysfunktion hilft. Was aber nicht heißt, dass man jetzt wahllos Viagra in sich hineinschütten sollte, weil Viagra eben auch noch andere Nebenwirkungen hat. Genauso verhält es sich mit "Dopingmitteln". Es handelt sich eben um Medikamente mit teilweise schweren Nebenwirkungen. Man nimmt eine Nebenwirkung in Kauf, weil sie das kleinere Übel bei einem Krankheitssymptom ist. Die Krankheit also schlimmer als die Nebenwirkung ist. Deswegen gibt es eben auch Gesetze gegen Medikamentenmissbrauch, was die Freigabe von Doping praktisch ausschließt.