Bundesliga-Vorschau : Der Balljunge mit den 100.000 Followern

In England wird ein 17-Jähriger zur Netz-Berühmtheit. Der Big Spender Felix Magath kritisiert zu hohe Spielergehälter. Und Hannover kommt zu kurz. Alles zum 19. Spieltag.
Swanseas angeschlagener Ballboy Charlie Morgan © Rebecca Naden/Reuters

Wer spielt wann gegen wen?

Borussia Dortmund – 1. FC Nürnberg (Freitag, 20.30 Uhr)
Borussia M'gladbach – Fortuna Düsseldorf (Samstag, 15.30 Uhr)
Hannover 96 – VfL Wolfsburg
FC Augsburg – FC Schalke 04
SpVgg Greuther Fürth – 1. FSV Mainz 05
Eintracht Frankfurt  – TSG Hoffenheim
SC Freiburg – Bayer Leverkusen (Samstag, 18.30 Uhr)
Hamburger SV – Werder Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr)
VfB Stuttgart – Bayern München (Sonntag, 17.30 Uhr)

Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Es ist Derbytag in der Bundesliga. Gladbach gegen Düsseldorf, Hannover gegen Wolfsburg, mit einem zugedrückten Geografie-Auge auch Frankfurt gegen Hoffenheim. Das echteste Derby des Spieltags ist jedoch die Partie Hamburg gegen Bremen. Wenigstens ein kleines Highlight in der trüben Gegenwart der beiden Nordvereine. Werder muss sich noch immer vom vergangenen Wochenende erholen, als sie vom BVB übel vermöbelt wurden. Mit so etwas kennt sich ja auch der Star des HSV Raffael van der Vaart aus. Sein Schlag gegen die eigene Ehefrau half so manchem Boulevardmedium über die Winterpause. Doch anstatt den Aussetzer des Hamburger Fußball-Idols einmal zum Anlass zu nehmen, um über das Thema "Häusliche Gewalt" zu reden, ging es nur darum, ob die Beiden vielleicht doch wieder, und wenn nicht, was das denn nur für den armen Hamburger SV bedeuten könnte. Wir warten auf die Schlagzeile: "Wen schlägt van der Vaart als Nächstes?" (cs)

Welches Spiel dürfen Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Wären wir Spitzenkandidat einer bürgerlich-liberalen Minderheitenpartei, würden wir jetzt einen krachenden Altherrenwitz auspacken. So was wie: "Nicht nur im Dirndl kommt es auf die Größe an!" Da wir zum Glück etwas jünger sind und auch nicht jede Provinzweinkönigin abbusseln, nehmen wir das Problem von Hannovers Manager Jörg Schmadtke ernst. Der ist nämlich etwas zu kurz gekommen. Wobei, genau genommen nicht er, sondern Hannovers Neuzugang Franca. Ein Brasilianer, der kleiner in Niedersachsen aus dem Langstreckenflugzeug gestiegen zu schien kam, als er in seiner Heimat an Bord ging. Mit 190 Zentimetern wurde er in Hannover angekündigt, nach mehrmaligem Nachmessen ist er aber nur 1,82 Meter groß. Und etwas dicker, weil sich sein Gewicht – wenigstens das stimmte – auf weniger Körpergröße verteilen kann. Hannover hat nun den Spott, Franca den Schaden: Für den jungen Brasilianer war das wirklich kein Einstand nach Maß. (cs)

Wer steht im Blickpunkt?

Die Balljungen, die endgültig ihre Unschuld verloren haben. Lange galten sie als letzte, reine Bastion im rauen Geschäft Profifußball, wollten sie doch nur ihren Idolen ganz nahe sein, denen sie dann etwas nervös und tollpatschig den Ball zuwarfen. Die Zeiten sind vorbei, die Balljungen sind keine Balljungen mehr, sondern schon fast Ballmänner. Und sie sind Profis. Am Mittwoch wurde Eden Hazard, Fußballer des FC Chelsea vom Platz gestellt, weil er einen dieser Ballprofis trat. Der 22-jährige Hazard brauchte den Ball, Chelsea musste einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen, doch der 17-Jährige Charlie Morgan lag plötzlich mit seinem ganzen Körper auf dem Spielgerät und wollte es nicht mehr hergeben. Nun ist es natürlich nicht in Ordnung, einem Balljungen einen Tritt in die Rippen zu verpassen. Doch es gibt auch eine andere Seite: Morgan ist der Sohn des Swansea-Präsidenten und kündigte seine Aktion vorher via Twitter an. Mittlerweile hat der selbsternannte "König der Balljungen", der auf seinem Twitter-Profilbild eine Büchse Cider in der Hand hält, mehr als 100.000 Follower. Morgan wurde zur Netz-Berühmtheit. Wir aber glauben, dass nicht dem destruktiven Zeitschinde-Balljungen die Zukunft gehört, sondern dem Mitdenker. (cs)

Spanische Arbeitsmigration auf die Bayern

Worüber werden nach dem Spieltag alle reden?

Dank Felix Magath über Verträge, Geld und Magath-Klauseln. Der Spiegel hat zuletzt einige übergeschnappte Gehälter und Bonus-Listen der beiden letzten Magath-Klubs Wolfsburg und Schalke veröffentlicht, für die er zum Teil verantwortlich ist. Diese Woche wurde zudem bekannt, dass der Vertrag, den Magath mit Diego Benaglios, dem Wolfsburger Tormann, geschlossen hat, ungültig ist. Der Wolfsburger Geschäftsführer Wolfgang Hotze hatte seine Unterschrift verweigert, weil ein Paragraph Benaglio den Vereinswechsel ermöglichen würde, sobald Magath kein Trainer mehr ist. Zuletzt hat Magath am Donnerstag bei Markus Lanz die hohen Spielergehälter zur Debatte gestellt. Die Kompetenz als Fachmann in solchen Fragen dürfte Magath niemand abstreiten. (of)

Was machen die Frauen?

Die machen noch Winterpause und bereiten sich in Trainingslagern auf die Rückrunde vor. Derweil wählten die User von dfb.tv Dzsenifer Marozsan vom 1. FFC Frankfurt zur Schützin des Frauennationalmannschaftstores des Jahres. Der zwanzigjährigen Stürmerin ungarischer Abstammung gelang dieses Kunststück mit einem mächtigen Weitschuss. (of)

Was wird sonst noch wichtig?

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schreibt wieder Rekordzahlen. Erstmals machten die achtzehn Bundesligisten mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr, da sind einige Magath-Gehälter drin. Nichts weiß man allerdings darüber, wie viel offiziell (geschweige denn inoffiziell) an Beraterhonoraren floss. Doch selbst die größten Kritiker der Bundesliga müssen einräumen, dass weniger als vierzig Prozent der Milliarden auf den Konten von Spielern, Trainern und Mitarbeitern landen. Das ist im internationalen Vergleich sehr wenig und gilt als Indikator für wirtschaftliche Vernunft. Unsere GEZ-Gebühren sind gut angelegt. In Spanien hingegen hat die wirtschaftliche Krise den Fußball unterhalb der Großen Zwei, Madrid und Barcelona, längst erreicht. Beim FC Valencia wird wohl der Staat mit über achtzig Millionen Euro einspringen müssen, ihm fallen mehrheitlich Aktien zu, da der bisherige Anteilseigner nicht mehr kreditfähig ist und der Staat als Bürge haftet – als hätte Spanien keine anderen Probleme. Es ist nur ein Beispiel aus dem Land des Welt- und Europameisters. Mit einem Anstieg spanischer Arbeitsmigration nach Deutschland ist zu rechnen, auch im Fußball, siehe Bayern-Bank. (of)

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