Uli Borowka"Ich habe am Tag einen Kasten Bier, eine Flasche Wodka, eine Flasche Whisky gesoffen"
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"Ich plane, einen Verein zu gründen, um süchtigen Sportlern zu helfen"

Borowka: Das galt für mich ganz besonders. Ich habe mir ja über all die Jahre ein Image aufgebraucht. Ich war der Härteste, die Axt. Von daher war es schwierig, mit Teamkollegen über meine Gefühle zu sprechen, Schwäche zu zeigen. Aber wahrscheinlich wäre ich auch in meinem gelernten Beruf als Maschinenschlosser Alkoholiker geworden. Ich konnte mit Alkohol nicht umgehen. Ich habe es einfach nicht geschafft, nach zwei Gläsern zu sagen, so jetzt reicht es. Am Ende habe ich am Tag einen Kasten Bier, eine Flasche Wodka, eine Flasche Whisky und zum Abschluss noch Magenbitter gesoffen. Den Magenbitter, weil der ja für den Magen gut sein soll…

ZEIT ONLINE: Sie erzählen in Ihrem Buch vom Aufnahmeritual in den Kreis der Mannschaft SV Werder Bremen, bei dem Sie und der andere Neuzugang Kalle Riedle 25 Schnäpse wegkippen mussten. Ist so etwas in der heutigen Zeit noch denkbar?

Borowka: Nein, allein schon deshalb, weil heute nichts mehr unter der Decke bleibt. Die Reporter haben ihre Lauscher überall. Von daher wäre es verdammt schwierig, bei einem Bundesligaklub nur ansatzweise so ein Ritual aufrechtzuerhalten.

ZEIT ONLINE: Die Rückfallquote bei Alkoholikern ist hoch. Wie haben Sie es geschafft, trocken zu bleiben?

Borowka: Das habe ich vor allem meinem starken Willen zu verdanken, der mir schon als Fußballer geholfen hat. Ich war ja nicht gerade mit reichlich Talent gesegnet, sondern musste mir alles hart erarbeiten. Und mein Ehrgeiz hat mir auch in der neuen Situation geholfen. Ich habe nach der Entlassung aus der Suchtklinik meinen eigenen Weg gefunden, ohne Suchtgruppe und so.

ZEIT ONLINE: Es war ein ungewöhnlicher Weg?

Borowka: Kann man so sagen. Eigentlich heißt es ja, man soll sein Umfeld ändern. Ich bin aber zu meinen Eltern zurück. Die hatten eine Gaststätte. Drei Tage später habe ich am Biertresen beim Zapfen geholfen. Alle dachten, der Borowka hat sie nicht mehr alle. Aber ich bin trocken geblieben. Für mich gibt es keinen Mittelweg, nur Schwarz oder Weiß. Also keine Schwarzwälder Kirschtorte mehr. Ich untersuche beim Einkauf alles. Gummibärchen, Tomatensuppe, bestimmte Eissorten, Cocktailsoßen – überall ist Alkohol drin.

ZEIT ONLINE: Wie war die Reaktion auf Ihr Buch, in dem Sie offen über Ihre Alkoholsucht berichten?

Borowka: Die war großartig, es gab jede Menge positive Reaktionen – auch von anderen Sportlern, die ebenfalls Suchtprobleme haben. Es gibt ja viele Formen: Spielsucht, Drogen, Alkohol, Medikamentenabhängigkeit. Ich plane, einen Verein zu gründen, um süchtigen Sportlern zu helfen. Im Januar soll es zudem Gespräche mit dem DFB geben. Ich habe auch schon den Kontakt zu einigen Bundesligaklubs gesucht. Aber die Verantwortlichen dort winkten ab: Das brauchen wir nicht, wir haben keine Probleme dieser Art. Und ich dachte mir, wenn ihr wüsstet, wer sich bei mir gemeldet hat…

ZEIT ONLINE: Bei Ihrem Versuch, als Co- oder Jugendtrainer in den Profifußball zurückzukehren, sind Sie gescheitert.

Borowka: Ich habe unmittelbar nach dem Entzug 20, 30 Bewerbungen geschrieben und immer nur Absagen erhalten, weil man Angst hatte, dass ich rückfällig werden könnte. Das ist schon traurig. In England ziehen die Leute vor Männern wie Tony Adams, die offen über ihre Alkoholprobleme sprechen, den Hut. In Deutschland dagegen wirst du als trockener Alkoholiker wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt.

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Leserkommentare
  1. ein feierabendbier hat noch niemandem geschadet. Ich würde es Ihm wünschen, er könnte sich irgendwann wieder nur dieses eine Bier genehmigen, danach muss aber auch Schluss sein.

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    Als trockener Alkoholiker darf man keinen Alkohol mehr anrühren. Die Wahrscheinlichkeit, einen Rückfall zu erleiden, ist ansonsten ziemlich hoch. Einem trockenen Alkoholiker fällt es in der Regel sehr schwer, nach einem Gläschen Alk zu einem zweiten nein zu sagen. Und wenn Borowka sagt, dass ihm das Aufhören schon früher schwer fiel, wäre es völlig bescheuert, es jetzt auszuprobieren.
    Einem ehemaligem Heroinkranken rät man ja auch nicht, "Och, einen Schuss kannst du dir schon setzten, aber dann ist Schluss" ;)

    Zeitistgeld123, Sie scheinen sich noch nicht mit Alkoholabhängigkeit und ihren Folgen beschäftigt zu haben. Diese Menschen dürfen sich ein Leben lang keinen Fehltritt mehr leisten, sonst sind sie ganz schnell wieder dabei. Ein Feierabendbier hat schon vielen trockenen Alkoholikern sehr geschadet.

    Es geht nicht nur gut ohne Alkohol, es geht sogar alles besser ohne Alkohol! Es bedarf auch keinen Mittelweg.
    Selbst habe und hatte ich keine Probleme mit Alk, trinke gelegentlich mal etwas, kann aber ebenso ohne Reue darauf verzichten und habe dann auch nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
    Wer mit Alkohol nicht umgehen kann, sollte die Finger davon lassen. Wenn sich jemand von dieser Droge losgesagt hat, sollte man keine Hoffnungen auf einen Mittelweg einreden oder in sonstiger Form zum Alkoholgenuss ermutigen.
    Respekt vor Herrn Borowka und maximalen Erfolg bei seiner Vereinsgründung!

    • WABler
    • 04. Januar 2013 22:32 Uhr

    . . . beim Lesen Ihres Kommentars war:
    "Was ist denn das für ein Idiot!"
    Ein Gedanke, der einem kommt, der seine Kindheit und Jugend mit einem alkohlokranken Vater verbracht hat!
    Ich entschuldige mich für diesen Gedanken.
    Ich habe hundertfach erlebt, wie mein Vater aufgehört und wieder und wieder ein bisschen angefangen hat.
    Ich war als 23-jähriger Co-Abhängiger genauso kaputt wie er.
    Möglicherweise haben Sie so etwas nie erlebt, möglicherweise haben Sie sich auch nie ernsthaft mit diesem Thema befasst.
    Aber bitte, bitte, hoffen Sie nie und raten Sie auch nie, nie, nie jemandem auf/zu diesem Mittelweg.
    ES GEHT NICHT!

    nicht eröffnen.

    Noch nie etwas über Alkoholsucht gehört oder gelesen, Zeitistgeld123, oder?

    • vyras
    • 17. Februar 2013 16:13 Uhr

    ... noch Wissen über Alkoholismus. Obwohl man eigentlich erwarten könnte, dass das inzwischen ein Allgemeinplatz ist, dass ehemalige Alkoholiker fast immer nur die Wahl haben zwischen kompletter Abstinenz oder Weitersaufen.

  2. Als trockener Alkoholiker darf man keinen Alkohol mehr anrühren. Die Wahrscheinlichkeit, einen Rückfall zu erleiden, ist ansonsten ziemlich hoch. Einem trockenen Alkoholiker fällt es in der Regel sehr schwer, nach einem Gläschen Alk zu einem zweiten nein zu sagen. Und wenn Borowka sagt, dass ihm das Aufhören schon früher schwer fiel, wäre es völlig bescheuert, es jetzt auszuprobieren.
    Einem ehemaligem Heroinkranken rät man ja auch nicht, "Och, einen Schuss kannst du dir schon setzten, aber dann ist Schluss" ;)

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  3. Zeitistgeld123, Sie scheinen sich noch nicht mit Alkoholabhängigkeit und ihren Folgen beschäftigt zu haben. Diese Menschen dürfen sich ein Leben lang keinen Fehltritt mehr leisten, sonst sind sie ganz schnell wieder dabei. Ein Feierabendbier hat schon vielen trockenen Alkoholikern sehr geschadet.

    21 Leserempfehlungen
    • AndreD
    • 04. Januar 2013 12:05 Uhr

    einer Dame mittleren Alters, die auch trocken ist und auch schräg angesehen wird, wenn sie nichts trinkt.
    Aber das ist einfach Brauchtum: Alkohol und Zigaretten sind in Ordnung in dieser Gesellschaft.
    Gut finde ich es nicht, aber es bringt wenigstens Steuern.

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    • Infamia
    • 04. Januar 2013 12:26 Uhr

    "Aber das ist einfach Brauchtum: Alkohol und Zigaretten sind in Ordnung in dieser Gesellschaft."

    Ich finde schon, dass sich ein Wandel in unserer Gesellschaft eingestellt hat. Durch das restriktive Zigartettenverbot werden Raucher schiefer angesehen also noch vor dem restriktiven Rauchverbot. Und mehr Raucher sind auch rücksichtsvoller, was ihre Gewohnheiten betrifft und fragen öfters nach, ob es in Ordnung ist, wenn sie rauchen.

    Ich gönne jedem seine Sucht, solange er damit andere nicht belästigt und ein Raucher belästigt mit seinem Rauch. Ich furze ja auch nicht in Gesellschaft anderer

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    • AndreD
    • 04. Januar 2013 12:41 Uhr

    dass Flatulenzen das Ergebnis eines körperlichen menschlichen Prozesses sind, was weder von Alkohol und schon gar nicht von Zigaretten behauptet werden kann.

    • AndreD
    • 04. Januar 2013 12:41 Uhr

    dass Flatulenzen das Ergebnis eines körperlichen menschlichen Prozesses sind, was weder von Alkohol und schon gar nicht von Zigaretten behauptet werden kann.

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    zwischen einem Raucher und einem Hülsenfrucht- und Zwiebelfan als Sitznachbar würde ich den Raucher vorziehen.

    Meteoristen sollten auch ihre eigene Ecke mit Abzugshaube im Lokal bekommen.

    verpesten aber beide Peiniger.

    Wenn ich im Sommer morgens lüfte und einer steht mit Zigarette auf der Strasse, ist das so ein übler Geruch für einen Nichtraucher, man mag es nicht glauben. Ist unangenehm und ungesund für alle drumherum.

    • Nihilo
    • 04. Januar 2013 12:43 Uhr

    Keinen Alkohol zu trinken ist gesellschaftlich unerwünscht. Wenn ich Alkohol ablehne, muss ich mich meist erklären: Dass ich kein Antialkoholiker bin und jedem sein Bier lasse, dass ich kein trockener Alkoholiker bin, dass ich nicht noch Auto fahren muss, sondern dass ich das Zeug einfach nicht trinke. Die meisten reagieren mit absolutem Unverständnis, wollen einen dann zumindest zu einem kleinen Schluck überreden. "Schadet doch nicht" oder "Alle trinken doch etwas".

    Ich kann Uli Borowka in seiner Schwarz-Weiß-Entscheidung nur unterstützen und hoffe, dass er mit seinem Verein möglichst vielen Spielern helfen kann.

    18 Leserempfehlungen
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    Ich habe während der vergangenen Advents (= Fasten)zeit auf Alkohol verzichtet, einfach nur so. Ich trinke auch sonst nicht viel, keine harten Sachen, das Feierabendbier allerdings mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Diese Gewohnheit wollte ich einmal herausfordern. Ich habe erleichtert festgestellt, daß es mich keine Überwindung gekostet hat drauf zu verzichten, zum Glück.

    Ich habe in der Zeit keine Reaktionen wie die von Ihnen beschriebenen erlebt, schon gar nicht, dass mich jemand überreden wollte, doch Alkohol zu trinken. Allerdings kommt es wohl sehr auf das soziale Umfeld an.

  4. Aber bei dieser Menge (1 Kasten Bier, 1 Flasche Wodka, 1 Flasche Whisky) würde ein Mann von 180-185cm, 85kg Körpergewicht, 25-35 Jahre alt, bei einem Trinkzeitraum von 24 Stunden einen Promillespiegel von über 7 Promille erreichen...

    5 Leserempfehlungen
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    Diese Rechnungen können Sie getrost in die Tonne kloppen. Wenn der Mann nämlich besonders schnell abbaut - sagen wir, 0,3 Promille pro Stunde - baut er in 24 Stunden auch knapp 8 Promille ab. Da kann problemlos ein Spiegel von 2-3 Promille aufrechterhalten werden, ohne höher zu gehen.

    "Ich habe am Tag einen Kasten Bier, eine Flasche Wodka, eine Flasche Whisky gesoffen."

    Dabei musste ich weniger an das Problem eines zu hohen Promillepegels denken - ein Vorkommentator hat das ja schon ins rechte Licht gerückt - sondern eher an dasjenige einer vollen Blase. Ich meine - ein normaler Kasten Bier, das sind (wenn man jetzt nicht grad die Krombacher Elf nimmt) 12 Liter. Ich käme gar nicht mehr runter von der Toilette.

    Andererseits, als Fußballprofi schwitzt man den Tag über sicherlich wesentlich mehr aus als meinereiner.

    dass Borowka-Supergen, welches ihm einige Stunde nach exessivem Alkoholsprint ermöglicht, wieder nüchtern und ohne Kater zu trainieren (Fußball). Die Leber baut schneller Alkohol ab, als sie damit vergiftet wird. Aha! Ist es nicht auch eine heuchlerische Reaktion von Süchtigen, dass sie oft behaupten, dass ihr Suchtmittel nicht so gefährlich ist, ihr Körper die Mengen verträgt und sie keine Beschwerden haben. Selbsttäuschung. In solchen Äusserungen erkenne ich noch keine Besserung der inneren gesünderen Einstellung gegenüber damaligen Situationen. Diese Lebensphasen sollte alarmierend im Gedächnis haften und nicht als Unfall oder Ausrutscher heldenhaft beschönigt werden (Supergen). So bleibt das Rückfallrisiko hoch.

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  • Schlagworte Otto Rehhagel | Bundesliga | Fußball | SV Werder Bremen | Alkohol | Alkoholsucht
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