Uli Borowka"Ich habe am Tag einen Kasten Bier, eine Flasche Wodka, eine Flasche Whisky gesoffen"

Uli Borowka galt trotz Alkoholsucht als einer der besten Verteidiger seiner Zeit. Im Interview sagt er, wenn er heute keinen Alkohol trinkt, fühle er sich ausgegrenzt. von 

Uli Borowka im Jahr 2010 während eines Freundschaftsspiels

Uli Borowka im Jahr 2010 während eines Freundschaftsspiels  |  © Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Borowka, wie haben Sie Silvester verbracht?

Uli Borowka: Lecker Essen mit meiner Mutter und meiner Frau. Um halb elf bin ich ins Bett gegangen und habe dann durchgeschlafen. Ich brauche das Ballern nicht.

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ZEIT ONLINE: Meiden Sie Silvesterpartys, weil dort reichlich Alkohol fließt?

Uli Borowka

Uli Borowka wurde 1962 in Menden geboren und startete seine Laufbahn als Profifußballer bei Borussia Mönchengladbach. Schon dort war Borowka nach eigenen Worten "psychisch abhängig vom Alkohol". Mit Werder Bremen, wo er von 1987 bis 1996 spielte, wurde der für seine harte Spielweise berüchtigte Defensivspezialist ("die Axt") jeweils zweimal deutscher Meister und DFB-Pokalsieger und gewann 1992 den Europapokal der Pokalsieger. Borowka, der trotz seiner Alkoholeskapaden als einer der besten deutschen Verteidiger seiner Zeit galt, ist sechsfacher deutscher Nationalspieler. Seine letzte Station als Profifußballer war Widzew Lodz, wo Borowka polnischer Meister wurde. Nach seiner erfolgreichen Alkoholtherapie (2000) betreibt er eine Sportmarketing-Firma und lebt in Berlin.

Borowka: Nein, das hat damit nichts tun. Ich bin es gewohnt, bei Anlässen dabei zu sein, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird. Das macht mir nichts aus. Nur ist es ist manchmal gar nicht so einfach, ein Glas Wasser oder Cola zu bekommen. Auf den Tabletts stehen nur Sekt, Wein oder Bier. Erst kürzlich habe ich das beim Sportpresseball wieder feststellen müssen. Alkohol ist eine Art Kulturgut, das einfach zum Feiern dazu gehört. Und wenn man so wie ich keinen Alkohol trinkt, fühlt man sich bei solchen Gelegenheiten schon ein bisschen ausgegrenzt. Man ist dann für die anderen irgendwie der Partymuffel. Ein Schwachsinniger hat mir sogar mal heimlich Wodka ins Getränk geschüttet. Ich habe daran genippt und sofort alles ausgespuckt.

ZEIT ONLINE: Vermissen Sie es manchmal, einfach ein Glas Bier oder Wein trinken zu können?

Borowka: Es gibt diese Augenblicke. Zum Beispiel im Hochsommer nach einem gemeinsamen Golfturnier, wenn sich meine Golffreunde Stefan Reuter oder Christian Hochstätter ein Weißbier genehmigen. Aber dann bekomme ich im nächsten Augenblick eine Gänsehaut, die Nackenhaare stellen sich auf und die Lust auf ein Bier ist weg. Ich weiß, dass ich wegen meiner Sauferei schon mit anderthalb Beinen im Grab stand.

ZEIT ONLINE: Sie waren gleichzeitig ein erfolgreicher Fußballprofi beim SV Werder Bremen und Alkoholiker, der literweise Bier, Wein und Schnaps in sich schüttete – für Außenstehende eine unglaubliche Kombination.

Borowka: Ich habe meinen Körper hart trainiert, als Fußballer, aber auch als Trinker. Dass ich bis zwei Uhr in der Früh saufen konnte und am nächsten Morgen um zehn Uhr ohne Kater und Brummschädel auf dem Trainingsplatz stand, hat mit meinen Genen zu tun. Mein Körper kann extrem gut Alkohol abbauen, haben mir die Ärzte erklärt. In der Nacht bevor mich ein Freund zur Entzugsklinik fuhr, hatte ich allen Alkohol vernichtet, den ich in meiner Wohnung fand. Irgendwann bin ich umgekippt und auf meiner Matratze eingeschlafen. Als man mich ein paar Stunden später in Klinik untersuchte, wurde ein Promillegehalt von 0,0 festgestellt. Damals meinte ich, großes Glück zu haben. Im Nachhinein kann man sagen, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich nach der Sauferei mit einem dicken Schädel zum Training hätte antreten müssen.

ZEIT ONLINE: Hätten Ihre Mitspieler oder Ihr Trainer Otto Rehhagel früher eingreifen müssen?

Borowka: Meine Teamkollegen Günter Hermann und Oliver Reck wollten mir ja helfen. Aber ich habe sie weggeschubst. Ich habe mir nichts sagen lassen. Ich hielt mich für den Größten und war so selbstverliebt und selbstherrlich.

ZEIT ONLINE: Ihr Trainer Otto Rehhagel hat seine schützende Hand über sie gelegt, auch als sie einmal nach durchzechter Nacht am nächsten Vormittag irgendwo in ihrem Auto aufwachten, nicht mehr wussten, wie sie dort hingekommen waren und ihrem Trainer am Telefon die Situation schilderten.

Borowka: Herr Rehhagel bot mir als Erklärung für die Journalisten eine Magendarmgrippe als Grund fürs Fernbleiben vom Training an. Er wollte mich schützen, das war ja nicht böse gemeint. Diese Art der Hilfe nennt man in der Fachsprache auch Co-Abhängigkeit.

ZEIT ONLINE: War das die falsche Reaktion von Herrn Rehhagel, hätte er Sie härter anpacken müssen.

Borowka: Ich mache niemandem einen Vorwurf, auch Otto Rehhagel nicht. Herr Rehhagel sprach mich ja auf mein Problem an. Ich habe anschließend ein, zwei Tage lang weniger getrunken. Aber dann musste ich wieder saufen.

ZEIT ONLINE: Vielleicht auch weil Sie als Profifußballer unter einem enormen Erfolgsdruck standen und der Konkurrenzkampf innerhalb eines Fußballteams so groß ist?

Borowka: Nein, das wäre zu einfach. Bei mir kamen verschiedenste Faktoren zusammen. Wir leben doch in einer Gesellschaft, in der jeder Mensch, egal in welchem Job er arbeitet, Druck, Hektik und Stress zu spüren bekommt. Okay, als Fußballprofi stehst du voll in der Öffentlichkeit und für die heutige Spielergeneration gilt das umso mehr. Von daher ist der Druck vielleicht höher.

ZEIT ONLINE: Und man darf als Profifußballer absolut keine Schwächen zeigen, nicht mal den eigenen Mitspielern gegenüber.

Leserkommentare
  1. Redaktion

    Lieber Südhesse,
    danke, dass Sie so kleinkrämerisch sind. Das war ein Fehler. Das Bild wurde 2010 gemacht, als Borowka anlässlich eines Freundschaftsspiels mit den WM-Helden von 1990 in Leipzig spielte. Ist nun verbessert.

  2. "Ich habe am Tag einen Kasten Bier, eine Flasche Wodka, eine Flasche Whisky gesoffen."

    Dabei musste ich weniger an das Problem eines zu hohen Promillepegels denken - ein Vorkommentator hat das ja schon ins rechte Licht gerückt - sondern eher an dasjenige einer vollen Blase. Ich meine - ein normaler Kasten Bier, das sind (wenn man jetzt nicht grad die Krombacher Elf nimmt) 12 Liter. Ich käme gar nicht mehr runter von der Toilette.

    Andererseits, als Fußballprofi schwitzt man den Tag über sicherlich wesentlich mehr aus als meinereiner.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nichts für ungut..."
  3. zwischen einem Raucher und einem Hülsenfrucht- und Zwiebelfan als Sitznachbar würde ich den Raucher vorziehen.

    Meteoristen sollten auch ihre eigene Ecke mit Abzugshaube im Lokal bekommen.

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    • AndreD
    • 05. Januar 2013 4:00 Uhr

    Pupsen schadet niemandem, Rauchen hingegen jedem.

    Im Übrigen entweichen jeden Tag 240 Kubikliter an Gasen aus unserem Darm, 99,9% weder von uns noch von anderen bemerkt. Dagegen macht sich jede einzelne Zigarette bemerkbar.

    Ihre persönliche Toleranzschwelle kann ich nicht als Verbotsgrund akzeptieren.

  4. dass Borowka-Supergen, welches ihm einige Stunde nach exessivem Alkoholsprint ermöglicht, wieder nüchtern und ohne Kater zu trainieren (Fußball). Die Leber baut schneller Alkohol ab, als sie damit vergiftet wird. Aha! Ist es nicht auch eine heuchlerische Reaktion von Süchtigen, dass sie oft behaupten, dass ihr Suchtmittel nicht so gefährlich ist, ihr Körper die Mengen verträgt und sie keine Beschwerden haben. Selbsttäuschung. In solchen Äusserungen erkenne ich noch keine Besserung der inneren gesünderen Einstellung gegenüber damaligen Situationen. Diese Lebensphasen sollte alarmierend im Gedächnis haften und nicht als Unfall oder Ausrutscher heldenhaft beschönigt werden (Supergen). So bleibt das Rückfallrisiko hoch.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nichts für ungut..."
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    War auch mein Gedanke, dass die Rechnung medizinisch unmöglich ist und hier immer noch mit angeblicher "Trinkfestigkeit" geprahlt wird.
    Mit Promille und Abbau hat das aber gar nichts zu tun, sondern nur mit den verminderten Folgen im Gehirn, wenn dieses erst einmal auf massiven Alkkonsum eingestellt ist.

  5. 1 Kasten Bier = 0,6 l Alkohol
    2 Flaschen 40 % = 0,56 l Alkohol
    Zusammen macht das mehr als einen Liter reinen Alkohol. Das über einen längeren Zeitraum... dann bist du tot !
    Und 8 Promille hat noch nie einer erreicht, deswegen ist ihre Rechnung rein akademisch !

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Nein."
  6. Bei allen Rechnungen wurde bislang vergessen, dass der Alkholabbau bereits im Mund beginnt (Aufnahme über die Mundschleimhaut), nicht aller Alkhol aufgenommen wird (ein Teil wird wieder ausgeschieden) und der Alkohol linear abgeabut wird. Wenn er alles auf einmal kippt ist er tot. Über einen längeren Zeitraum hinweg (24 Stunden z.B....) gehts.
    Aber man muss sich ja nicht auskennen, um dumm zu schwatzen...

    2 Leserempfehlungen
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    auch über 24 Stunden verteilt reicht es noch zum Exitus!
    Wenn Sie die Grundrechenarten bezüglich der Alkoholaufnahme & Verarbeitung des menschlichen Körpers beherrschen können wir gerne weiter diskutieren.
    (Und das auch noch bei Menschen, die aufgrund körperlicher Belastung sehr viel Flüssigkeit verlieren...)

  7. 0,08 - 0,15 (min./max.) Promille pro Stunde ist der Wert, den jeder Mensch abbauen kann.
    Da sind Ihre 0,3 vollkommen daneben. Und eine Leber baut sicherlich _keine_ 8 Promille in 24 Stunden ab.

    Antwort auf "Nein."
  8. verpesten aber beide Peiniger.

    Wenn ich im Sommer morgens lüfte und einer steht mit Zigarette auf der Strasse, ist das so ein übler Geruch für einen Nichtraucher, man mag es nicht glauben. Ist unangenehm und ungesund für alle drumherum.

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  • Schlagworte Otto Rehhagel | Bundesliga | Fußball | SV Werder Bremen | Alkohol | Alkoholsucht
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